und S
der in der obern Lufft erzeugten Dinge.unsern Augen ein neuer Regen=Bogen fürzustellen; da nehmlich an der herabgefallenen Platzohne unterlaß aus der Wolcke / die zu einem solchen Regen=Spiegel wird / neue andere Tropf-fen kommen: Nicht anders als bey einem Fluß geschiehet / der zwar dem Ansehen nach einer-ley Vorbild / sich aber dannoch immerhin verändert; indem stets ein Wasser auf das anderefolget. Zu deme so ist die Sonne nichtweniger in continuirlicher Bewegung / und wird dahe-ro die gerade aus dem Mittel=Punct deß Regen=Bogens durch das Aug nach der Sonne selb-sten gehende Linie ebenfalls ohn aufhörlich verändert: Welchemnach dann von uns alle Au-gen=Blick in Wahrheit ein anderer Regen=Bogen / und zwar auch an einem anderen Ort / obwir gleich unbeweglich stehen bleiben / gesehen werden muß.Sonsten ist weiters erfindlich / daß gegen Suden keine Regen=Bogen zusehen seynd;Alldieweilen die Sonn niemahls über unser Zenith sich gegen Norden wendet / also daß dasgegen Suden schauende Aug die Sonne hinter sich hat. Und hindert gantz nichts, wann hie-bey eingewendet werden will / das wir die zwischen uns und einem Spiegel stehende Dingewohl sehen können; als woraus erhelle, das auch der Regen-Bogen, so zwischen uns undder Wolcke stehe / möge gesehen werden: Dann diese Folgerung ist falsch; angemerckt dasLicht der zwischen dem Aug und der Wolcke befindlichen Sonne dermassen groß ist, das mandieselbige Farben eben so wenig als die Sternen / davor zu sehen bekommen kan. WelcherUrsachen wegen dann auch denen Völckern so jenseit deß Æquators den Südlichen Welt=Theilbewohnen / gegen Norden kein Regen=Bogen sich zeigen: Gemeiniglich erscheinen sie an denOrten, wo einige dünne Thau=Dünste sich leichtlich uber sich schwingen, die den heitern Him-mel eben nicht gantz bedecken oder überziehen / sondern die Sonnen-Strahlen nur annehmenund wieder zuruck werffen / keines weges aber völlig vernichten: Und dahero geschicht es / daßdie Regen=Bogen mit ihren äussersten Theilen öffters auf Flüssen und Seen, oder Wässerich-ten Thälern ſtehen.§. 3. Die Zeit betreffend, zu welcher der Regen-Bogen gesehen wird, so hatman angemerckt / das selbiger nach verstrichener Herbstlichen Tag und Nacht=Gleich-heit zu allen Stunden deß Tags um die Sommerliche Sonnen=Wende aber / und dengantzen Sommer hindurch entweder gar nie / oder selten könne formiret werden;Weilen nehmlich nach dem Æquinoctio die Sonne mit ihrer grossen Hitze die Wolcken aus-drücknet und verzehret: Dann es kan weder bey hellem / noch auch bey neblichten Wetter,da die Sonne vollig bedeckt ist, kein Regen-Bogen entstehen; deßwegen siehet man ihn auchim Frühling / und absonderlich im Aprill und May desto offter / niemahlen aber im Winterweilen die Sonne alsdann dunckel und unkräfftig ist. Im übrigen kan ein Regen-Bogendurch die gantze Welt Morgens oder Abends; hergegen unter denen Polis, wo der Tag 6. Mo-nat lang währet, alle Stund nur ein Stuck davon; unter dem Aequator aber drey Stundvor der Sonnen Untergang völlig erscheinen.4. Es ist nicht unglaublich / daß der Regen=Bogen denen Bienen zu Ein-sammlung ihres Honigs dienlich seye: Dann man hat durch die Erfahrung wahrgenom-men, daß diese Vögelein gleichbalden, wann der Regen=Bogen verschwunden, den Honig-saim, der durch die Thau-Dünste, in welchen der Regen-Bogen entstehet, gewürcket wird,zubereiten pflegen. Was sonsten Plinius vom Regen=Bogen erzehlet / ist vor Fabel=Werck zuhalten: Nehmlich / daß zu End desselben ein guldenes Schüsselein vom Himmel; ingleichem Plin. I. 12.daß die Pflantzen, Bäume und Gestraͤuche, auf denen ein Regen-Bogen gestanden, einen an, cap. 24.nehmlichen Geruch bekommen sollen: Welcher letztere falsche Wahn vielleicht dahero mag er-sprungen seyn / das bey scheinenden Regen-Bogen ein warmer Thau das Feld zubenetzen pflegt;Da dann diese wärme / wann sie mit einer Feuchtigkeit vermischet wird / einen guten Geruchverurſachet.Die Bedeutung deß Regen=Bogens ist theils natürlich / und theils ausGöttlicher Verordnung.Natürlicher weiß bedeutet er zu weilen Regen, und zuweilen schönes Wetter. DerBeweiß solcher Bedeutung wird von denen würckenden Ursachen deß Regen-Bogens / nem-lich der thauenden Wolcke und der Sonne hergenommen: Dann in Ansehung der Wolckekan es wohl geschehen / daß / wann die Sonnen=Strahlen nicht kräfftig genug sind / die Feuch-tigkeit der Wolcke auszutrucken / als dann ein Regen erfolge; hergegen aber / falls durch derSonnen Hitze besagte Wolcken=Feuchtigkeit ausgetrücket wird / das Wetter und der Himmelich aufheitern musse. Von dieser natürlichen Bedeutung deß Regen=Bogens schreibt Seneca: Senec. l. 1.Der Regen=Bogen / er erscheine da oder dorten / so habe er nicht einerley Bedeutung: nat. quaest.Stehe er gegen Mittag / so bringe er einen grossen Regen Guß; dann die Sonne wann cap. 6.sie auch am heissesten seye / die Menge der Feuchtigkeiten nicht gnugsam dämpffenkönne: Scheine er gegen Abend / so werde es einen kleinen Regen setzen: Lasse er sichaber