Philosophische und Politische BeschreibungDie VII. Frage.Von den übrigen Eigenschafften / Würckung und Be-deutung deß Regen=Bogens.Er Diameter, oder die Breite deß grösten Regen=Bogens erstreckt sich zuweilen jedoch gar selten / auf eine halbe teutsche Meyl; Der Höhe nach aber ma-er ungefehr von der Erden nicht mehr als eine viertel Meyl-Wegs abstehen:Weilen er gemeiniglich in dein Anfang der mittlern Lufft=Gegend zuerscheinen pflegtWiewohlen P. Maurus behauptet / die Hohe deß Regen=Bogens begreiffe 45. Grad; allermassen er solches mittelst applicirung deß Quadranten erkündigt habe: Und erweiset auch ausCabeus 1. dem Cabeo (der die Ursach dessen weitläufftig anführet / und dißfalls kan nachgeschlagen wer-g. tex. 25. den) daß der Regen=Bogen, je weiter die thauende Wolcke, worinn derselbe formirt wirdquast. 1.von dem Aug entfernet seye; je grösser seye er auch / und ein Theil eines grössern CirckulsDann / wann aus zweyen Halb=Circkeln einer ein Spatium von 100. Schritt fasse / und dabey45. Grad hoch erscheine; der andere aber einen Raum von 200. Schritt begreiffe / und auch45. Grad hoch seye; so werde dieser Letztere viel grösser und höher seyn / als der Erste: Wel-ches dahero ebenfalls bey dem Regen=Bogen sich ereigne. Gedachter P. Maurus fähret fortund versichert / daß / wann man mit dem Quadranten die höhe eines Thurns abmesse / je nä-her man hinzugehe / je mehr Grad der Höhen / und je weiter man sich davon entferne / je weniger derselben gefunden werden: Wobey er nicht minder anzeiget / warum der Regen-gen denen nachzufolgen scheine / die von ihme weggehen? Nemlich / weilen der oberste Theil deRegen=Bogens allzeit eine gleiche Höhe haben müsse / so erscheine er / wann wir hinzugehen /in dem entlegnesten Theil der Wolcke, und hergegen, wann wir uns davon entfernen, indem nähern Theil derselben. Woraus dann auch dieses folget / das je höher die Sonne steheje tieffer der Regen=Bogen sich sehen lasse; und je niedriger jene seye / je höher der letztereschwinge / und also nach Beschaffenheit der Sonnen=Höhe auch nicht einerley Situation oderStand zu haben pflege.§. 2. Wann die Sonne gegen einer Wolcke übersteht / und ihre Strahlen andieselbe wirfft / so kan ein Regen=Bogen daraus werden / es mag auch in der Welseyn / wo es will; Sofern nur die Sonn 45. Grad hoch über dem Horinzont sich befindDann / weilen der halbe Diameter deß Regen=Bogens 45. Grad hält / so würde der RegenBogen völlig unter den Horizont kommen / und nicht können gesehen werden / wann nichtdie Sonne um so viel Grad höher stünde: Woraus wiederum folget / daß in Osten unWesten öffters ein Regen=Bogen erscheine. Im übrigen aber / wann man ihn sehen solleist nöthig / daß das Aug zwischen ihme und der Sonnen gestellt seye; sonsten würde keinWider Strahlung auf das Aug geschehen: Dannenhero auch beständig darvor gehalten wirddaß die Sonne und das Aug / wann sie in einer geraden Linie mit einander stehen / das Centrumund der Mittel=Punct deß Regen=Bogens seyen.Aus diesem nun ergibt sich ferner, das nicht von jederman einerley Regen=Bogen ge-sehen werde / sondern das einem jeden insonderheit nur der seinige erscheine; und einfolglichden abfallenden Regen=Tröpfflein so viel bunde Bögen sich zeigen / als Augen vorhanden seynddie nach selbigen gerichtet werden; so das so balden jemand das Aug beweget / sein Regen-gen sich auch bewege: Dann wann durch die Bewegung deß Augs die von der Sonne durchbesagtes Aug gehende Linie sich ändert / diese Linie aber nichts anders ist / als die Achse deßjenigen Coni, auf dessen Oberfläche die Tröpflein / welche den Regen=Bogen vorstellen / sich befinden; so muß nothwendig / wann die Achse eines Coni verändert wird / der Conus glfalls verändert werden: Und wann demnach die superficies und Oberfläche deß Coni sich andert, oder einen andern Platz einnimmt, so muß nothwendig auch ein anderer Regen=Bogensich zeigen: Dergestalten daß / nach deme man etwan das Haupt in die Höhe hebet / oder abersincken lässet / der Regen=Bogen alsbalden verändert wird; indeme / wann du stehest / er anLe Grand stehen bleibet; wann du fortgehest / er auch fortgehet: Und wir also / wie Le Grand gar rechtHist. part. hiervon redet / bey einem jeden Schritt einen andern Regen=Bogen sehen / der da mit und6. art. 9. fort zu gehen / zu lauffen / zu stehen / zu sitzen oder zu ruhen scheinet.Ja / weilen aus denen immerfort abfallenden und von denen Sonnen=Strahlen be-leuchteten Regen=Tröpflein der Regen=Bogen entspringet; so pfleget auch alle Augenblick so
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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