Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.machen; Immassen, alles, was von uns unter gleichem Wincklen gesehen wird, denSchein hat, als ob es in gleicher Weite von dem Aug, und dannenhero in die Run-de, oder in einem Kreyß herum stünde. Zweytens: Weilen diese Farben, so die Gestalteines Bogens formiren, auch von denen Strahlen, die, wie erwehnet, sich gegen den Mit-tel=Punct der Wolcke, das ist, gegen den Puncten, wodurch der gerade Strahl (radiusperpendicularis) gehet, zuruck brechen, verursacht werden; indeme aber allenthalben gegeneinen Punct oder Centrum zuruck gebrochene Strahlen in einerley Distanz und Weite von ei-nem solchen Centro, gleichaus verdunckelt und gefärbet worden; so geschiehet es dahero / daßdie Farben um einen auf der Perpendicul-Linie stehenden Puncten / als wie da ist der Mittel-Punct deß Regen-Bogens, in einem Kreyß herum gezogen zu seyn scheinen. Drittens: Wei-len die Sonnen-Strahlen, so durch die Wolcken dringen, von dem Aug nicht gesehen wer-den; es seye dann, das sie, gegen demselben zunehmen, sich schreghin strecken; wiewohlenermelte Strahlen nicht in dem gantzen Zwischen-Raum sondern nur in dem Umgriff (circum-serenz) der Wolcke dem Auge anfangen schreg zuwerden; als welches einfolglich dieselbe nichtin dem Zwischen=Raum, sondern nur ringsum in der Circumterenz der Wolcke, und also ineiner Kugel=runden Gestalt zusehen bekommt. Warum aber die Strahlen dem Auge schreg-und nicht gerad erscheinen, entstehet dahero; weilen die Species der geraden Strahlen durchdaß allzugrosse Licht veringert und zerstreuet werden: Dann wie P. Aquilonius meldet; so istAquilos.die Farbe eines sehr hellgläntzenden Cörpers vielweniger sichtlich / als dessen / der kein so groses Licht hat; Immassen der Glantz die Augen blendet, und die Farben bedecket, das man sie 1.1. Optic.prop. 42.nicht eigentlich wahrnehmen kan.Hieraus nun lasset sich schliessen; daß die Ursache und der Beweiß, warum der Re-gen=Bogen rund seye? Gantz unrecht daher genommen werde; weilen die von der rundenSonnen selbsten in der Wolcke gleichsam abgemahlte Bildnuß auch rund seye; immassen derRegen=Bogen nichts destominder alsdann rund erscheinet / wann gleich die Sonne verdustertund also keines weges rund ist. So seynd ferner gleichfalls / wie es sehr glaublich / in demRegen-Bogen so viel Sonnen-Spiegel, als in der Wolcke sich Wasser-Tropffen befindenDeßwegen keine runde Wolcke darzu erfordert wird; dann obschon durch der Winde Gewaltund Bewegung der Lufft die Wolcken ohne unterlaß einen andern Stand / und Gestalt gewin-nen; so siehet man doch das allzeit in demselben der Regen-Bogen seiner Rundung nach, un-veränderlich bleibetZum Zweyten: Warum der Regen-Bogen nur halb rund seye, und keinen voll-kommenen Circkel beschliesse? Antwort: Die Optici bringen hierüber zerschiedene Ursachenauf die Bahn; und zwar Erstlich: Weilen nur allein von Seiten deß Himmels, und nichtauch von Seiten der Erde ein durchscheinender Cörper, nehmlich die Wolcken, worinnen dieSonnen=Strahlen ihre Schregheit bekommen, vorhanden seye: Dahero, nachdem von selbi-ger Erden=Seite her / das Bogen=oder Circkel=Stuck (Segmentum) ermangle; solcher Kreyßnur halb und nicht völlig rund seyn; und sofort das Aug, so in dem Kreyß die durch dieWolcken dringende schrege Strahlen anschauet, (indem diese Kreyß- und Circkel-Erscheinungin der Wolcke bestehet, und mit der Erde, die nicht durchsichtig ist, und einfolglich die Son-nen=Strahlen bey ihr keinen fortgang haben / nicht kan forgesetzt werden;) bloß und allein ei-nen Halb=Circkel sehen und erblicken könne. Zwevtens: Weilen der zuruckgebogene Son-nen=Strahl mit dem Strahl der ersten Incidenz gleiche Winckel habe; welches aber nicht ge-schehen würde, wann der Circkel oder Kreyß vollkommen wäre; gestalten wir den Regen-Bo-gen nur in derjenigen Ausdämpffung erblicken, von der der Haupt=Sonnen=Strahl könnezurück geschlagen werden: Es müsse aber erdeute Ausdämpffung nach einem gewissen Absehender Sonne gegen über stehen: Immassen die Haupt-Strahlen von der Ausdämpffung / dieoberhalb der Rundung deß Bogens sich befinde, hinter uns, von der Ausdaͤmpffung aber, dieinnerhalb deß Bogens seye, vor unsern Füssen auf die Oberfläche der Erde zuruck gebogenwerden; so das nur derselbige halbe Circkel die Haupt=Sonnen=Strahlen nach dem Aug / zugleichen Wincklen hinwerffe. Derowegen folge 2c. Vermög nun dieses Beweiß-Grundeswürde nur alleinig die Ausdämpffung deß Halb=Circkels gefärbt erscheinen: weilen nehmlichaus derselben die Strahlen zu gleichen Winckeln zuruck gebogen werden. Drittens: Wei-len, wie aus unten folgenden weitläufftiger zuvernehmen seyn wird, indeme der Regen-Bo-gen um 45. Grad ober dem Aug erhöhet seyn solle, der Mittel=Punct desselben auf einerley undeben demselben Grund / auch in einerley Höhe mit dem Auge stehen müsse. Wann demnachder Ort, worauf die Basis (der Fuß) deß Regen Bogens stehe, einerley Höhe mit dem Augehabe; so müsse der Mittel=Punct (centrum) auf der Basi seyn, und also ein Halb=Circkel er-scheinen: Seye aber der Ort höher / so werde das Centrum unter der Basi und einfolglichder Regen=Bogen grösser seyn, als ein Halb=Circkel. Und weilen das Aug schwerlich an ei-nem