Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

Philosophische und Politische Beschreibungnem so hohen Ort könne / daß die Basis deß Regen=Bogens niedriger als 45. Grad sich ergebenmüste / absonderlich wann man den Regen=Bogen von einer mercklichen Distanz oder Weiteanzusehen habe; so geschehe es dannenhero schwerlich / das ein recht völliger vollkommener Cir-ckel oder Kreyß formirt werde.Woraus dann / und fürnehmlich aus der zweyten Ursache gleichfalls diese Folgerung entste-het: daß wann die Somme ihre Höhe, und also mithin den Haupt-Strahl verändert, undsich durch einen andern Oberfläch Puncten in die Tieffe der Wasser=Tropffen einsincket; ebenmässig der Zuruckbiegungs=Winckel (angulus reflexionis) und die Höhe deß Regen=Bogenesich verändern: Dann / falls die Sonne niedrig und nahe bey dem Horizont stehet / so muder Sonnen=Strahl fast noch tieffer durch die Oberfläche hinein gehen / damit der zurückge-bogene Haupt=Strahl das Auge berühren könne. Deßwegen ists unmöglich / daß die Zuruckbiegung anders / als von den Allerhöchsten / und ober unsern Haupt=Punct befindlichen Tropffen geschehe; das ist / die oberste Krümmung deß Regen=Bogens muß nicht über unsereHaupt=Punct erhöhet seyn. Wann es aber Mittag / oder die Sonne sonsten ziemlich hochober den Horizont sich befindet; so kan der Sonnen=Strahl nur von denen Tropffen / die sehrniedrig und dem Horizont nahe seyn, gegen uns gewendet werden. Und dahero geschiehetes / daß die Mittags Regen=Bogen gantz niedrig erscheinen; die sich aber gleich nach Aufgangoder vor Untergang der Sonnen sehen lassen, einen völligen Halb-Circkel haben; Weilennehmlich alsdann / wie Aristoteles sehr wohl erinnert / die Achse / so durch die Mittel=Punctdeß Regen=Bogens und der Sonne gehen / zu beeden Seiten auf dem Horizont aufliegenalso das auch der Mittel=Punct deß Regen=Bogens auf dem Horizont selbsten ist, und ein-folglich der Horizont den Halb=Circkel von dem gantzen Circkel in seinem Centro abschneidenund zertheilet; Wie dann nicht minder deßwegen die Füsse deß Regen-Bogens gegen denErdboden, und nicht gegen dem Himmel gekehret stehen.Jedoch können hinwieder einiger Scribent Zeugnusse eingeführet werden / welche ver-Fr. Picus sichern, daß sie zuweilen einen völlig und vollkommlich runden Regen-Bogen gesehen: Danl.2.d.stud. Franciscus Picus, Graff von Mirandula, erzehlet / das er / als er nach Florentz gereiset / eiDoctr. & nen Regen-Bogen beobachtet, der fast einen völligen Circkel oder Kreyß beschlossen habe: Wel-hum.phil. ches auch Cardanus und Auerroës bekräfftigen. Es wird aber von Vitellio darauf gründlichgeantwortet, daß er kein wahrhaffter, sondern ein solcher Regen-Bogen seye, der aus dercap.3.Card. I. 14 Zuruckprellung deß Sonnen=Lichts / welches von einer starcken Wolcke ab= und entweder gegender Erde, oder gegen eine andere Wolcke anschlage, wo in der Mitte sich ein thauende Aussubtit. c.dämpffung befinde, erzeugt; und zwischen ersagter Ausdämpffung, und der Wolcke, vonwelcher die Zuruckprellung in einer und eben derselben Linie geschiehet / damit die Zuruckbie-Averr. l.gung wider auf sie fallen könne / gesehen werde: Dann solcher Gestalten seye es wohl möglich3.Meteor, das ein vollkommlich runder Regen-Bogen, und zwar dern nicht nur einer oder zwey, son-Vitell.l.10. dern wohl viere erscheinen mögen; dergleichen er selbsten zu Padua wahrgenommen zu habenPerspect. berichtet. Eben solcher Meynung ist auch P. de Rhodes, wann er schreibt: Ich halte darfürdas dererley Regen=Bogen einig und allein aus der Zuruckbrechung deß inner der Wolckedist. 69.herfür gebrachten Lichts, nicht aber aus der Zuruckbiegung der Sonnen=Specierum oder Ge-P.de Rhod stalten entsprungen seyen; Dann diejenige Regen-Bogen in denen die Sonne selbsten nichtPhil. pe-sondern nur das von derselben hervorgebrachte Licht gesehen wird / können in allerhand Fi-rip. l.2. d.guren und Formen erscheinen.12. q. 5.Zum Dritten: Ob ein Regen-Bogen auch mit umgekehrten, das ist gegen dem Him-sect. 20.mel über sich gewandten Enden zusehen seye? Cornelius de Gemma, nebst andern antwortetmit ja; und gibt vor, dergleichen selbsten einsmahls gesehen zu haben. Allein, es kan vondiesen Regen=Bogen eben das gesagt werden / was man erst kurtz vorher von denen vollkomm-Legrand lich runden Regen=Bogen vermeldet: Dann jene erzeigen sich auch nur alsdann; wann nehm-Hist. nat. lich / wie Legrand erwehnet / die Sonnen Strahlen zuruckgebogener auf eine Meer=oder SeeOberfläche eintreffen (doch muß hierbey die Lufft gantz unbewegt seyn / und kein Wind wehenpart. 6.der das Wasser erregen und dessen Oberfläche ungleich machen möchte) absonderlich aber / wannart.9.sich eine Wolcke auf solcherley Wasser setzet, und verhindert, das von dem geraden Sonnen-Licht, dasjenige, was das Wasser dorthin aufsteigen lasset, und welches sich zu einem Re-gen anschicket nicht unterdrucket und ausgeloͤscht wird.Zum Vierdten: Warum sich nicht auch in dem Regen-Bogen das völlige und vollkommene Sonnen-Bild, gleich wie in denen Neben-Sonnen, zeige? Antwort: Diesekommt von zweyen Ursachen her; Erstlichen: kan daß vollkommene Sonnen=Bild wegender vielen Zuruckbrechungen nicht völlig ausgedruckt werden: Dann die Form=Theile lauffengleichwie in einem zerbrochenen Spiegel / unordentlich und verwirrt untereinander. Zweyrens: Wird solches durch die dünne Wolcke / und die übermässig kleine in der Wolcke befinde