Philosophische und Politische Beschreibungsich wendet: Immassen auch Jesus Syrach selbsten einen jeden Philosophum ermahnet,Ecclesiast denselben wohl zu betrachten; wann er spricht: Sihe den Regen-Bogen an / und lobe dender ihn gemacht hat: Dann er hat sehr schöne Farben. Er hat den Himmel fein rundgemachr, und die Hand deß Höchsten hat ihn außgebreitet. Dahero haben die Altendie sich über diese schöne Mahlerey der Natur verwundert / ihme den Nahmen von der Ver-wunderung geschoͤpffet / und ihn Thaumantiam oder die Tochter Thaumantis genennet: Danes seynd seine Farben dermassen auserlesen / das schwerlich eines Künstlers Hand solche wirdmit dem Pinsel nachahmen können. Sonsten haben ihn auch einige den Bogen deß Weisengeheissen / weilen die Göttliche Weißheit ihn zum Zeichen aufgestellt / das die Welt nicht mehrdurch das Wasser der Sündfluth untergehen solle. Das Alterthum hat darvor gehalten,und geglaubt, wann er mit seinen beeden Enden auf den Erdboden gereichet, daß er WasserFirg. 1. trincke: Deßwegen Virgilius sagt:Georg. v.Et bibit ingensArcusDer grosse BogenTrinckt Wasserwogen.Und Propertius laͤst sich folgender Gestalten vernehmen.Propert.Purpureus pluvias cur bibit arcus aquas?lib.3.Was treibt den Bogen / der wie schoͤner Purpur blinckt /Das er / wann er erscheint / begierig Wasser trinckt?Von diesem wundersamen Bogen haben wir hier zu reden: Und ist demnach§. 1. Sein Wesen natürlich; so daß er nicht durch ein Wunder=Werck von GOtterst nach der Sündfluth verordnet und an den Himmel gesetzt worden. Dann Erstlichen;ereignen sich die Regen-Bogen gar offt / und also einfolglich auf natürliche Weise; sonstenhatte GOtt ohne Noth immerdar so offt auch Wunder-Werck thun müssen. Zweytenskan man deß Regen=Bogens natürliche Ursachen anführen / wie es unten geschehen wirdals da sind das Sonnen-Licht und eine dunckle aufthauende Wolcke; welche zwey Stücke sowohl vor / als nach der Sündfluth eine solche Würckung verursachen können; derowegenhaben sie auch sowohl vor / als nach der Sündfluth eine solche Würckung hervor gebracht.Man möchte aber einwenden: Weilen es im 1. Buch Mose stehe; Meinen BogenGen. c.5hab ich gesetzt in die Wolcken / der soll das Zeichen seyn zwischen mir und der Erden:So scheinet es, als wan GOtt selbigen von neuem gesetzt habe, und er vorhero nicht gewesseye. Antwort: GOtt setzt diesen Bogen zum Zeichen und Bedeutung, daß hinfort keineSündfluth mehr kommen werde; und also hat der Bogen nur eine neue Bedeutung / ukeine neue Natur empfangen: Dann gleichwie das Wasser vorhero lange Zeit auf der Welgewesen / bevor es zu der Tauff und dem Bad der Widergebuhrt gebraucht worden: Ebenalso ist der Regen=Bogen auch lange Zeit vorhero schon gewesen; wiewohlen er anfangs dasAmt nicht gehabt / welches er anitzo zuvertretten hat.§. 2. Die Material-Ursache / oder das Subjectum, worinnen der Regen=Bo-Arist. 3.gen erzeugt wird, ist eine hohle Wolcke: Es muß aber selbige hohl seyn, damit sie daMet. 3.Sonnen-Licht auffahe; sie muß an dem vordern Theil dunckel seyn, damit das Sonnen-Lichzuruck breche oder schlage / gleichwie in einem Spiegel / von welchem die Bildnussen zurückspringen; so muß sie auch thauen und zu kleinen Tropffen zerschmeltzen: Welches letztere dahero zuschliessen, Erstlichen: Weilen, wann die Kälte oder etwas anders Tüchtiges dieWolcke in ihre eigene Form zubringen, das ist, zu Wasser zumachen anfahet; so fället soches herab auf die Erde, und der Regen-Bogen wird zugleich verschwinden. ZweytensWeilen der Regen-Bogen / wann nach dem gefallnen Regen die Wolcken annoch thauen /sich zuzeigen pfleget: Und wird dieses darmit bekräfftiget, daß, so jemand ein Wasser aus demMund gegen der Sonne spritzet / in dergleichen Wasser die Regen-Bogen-Farben gesehenwerden; die man ebenfalls an dem Wasser, welches aus gewissen künstlichen Spring-Brun-nen, die zwischen der Sonnen und dem Wasser stehen Tropffen weiß abfället, beobachtenkan: Dannenhero erzehlet Vitellius, daß in Hetrurien nahe bey Viterben ein Wasser=Fall seyda in denen in die Höhe springenden Wasser=Tropffen unter gewissen Absehen nach der Sonne
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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