Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
119
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der in der obern Lufft erzeugten Dingeantreibt; nun ist aber ein jedes Licht rund; derohalben bekommt die vom Licht getroffne Lufftebenfalls dergleichen runde Form.Im übrigen ist ersagtes Schein=Licht in der Mitte hell und klar, weilen die auf dasselbefallende Sonnen= und Monds=Strahlen / es mehrers erdünnern und erleuchten: An denen aufseren Theilen aber siehet es schwartzlecht aus; indeme solche Strahlen nach der Seite undohne Krafft darauf fallen / dieselbe einfolglich gar wenig erleuchten / sondern vielmehr dunckelmachen. Doch geschiehets zuweilen / daß wegen ermanglender Materi kein gantzer geschlosse-ner Crayß / sondern nur ein Theil darvon erscheinet.Hier möchte man sagen: An denen Cronen oder Höfen werden allerhand Farben wahr-genommen; derowegen ist zwischen einem Hof / und einem Regenbogen kein Unterscheid. Ant-wort: Es lassen sich zuweilen an einem Hof unterschiedliche Farben / aber in gantz umgekehrter/und nicht in der Ordnung / wie an dem Regenbogen sehen; Dahero sich auch in diesem Stückwischen ihnen ein Unterschied ereignet; Wovon bey der Frag vom Regenbogen mit mehrermsoll geredet werden.Es entstehet die Frage; Erstlichen: Ob der Hof nahe an dem Gestirn stehe? AntwortOb es zwar das Ansehen hat / als wann ein Gestirn von selbigem gantz zu nechst umgeben / undgleichsam gekrönet werde; So ist doch solches nur ein Wahn unsers schwachen Gesichts. Danndererley Lufft=Bild stehet gerad unter dem Gestirn in der mittlern Lufft.Zweytens: Warum der Mond öffters, dann die Sonne oder andere Gestirne einenHof haben? Antwort: Weilen die kleine Woͤlcklein / in welchen der Hof erzeuget wird / nichtleichtlich unter der Sonnen wegen derselben verzehrenden Hitze sich zusammen versammlen undaufhalten können. Die übrige Gestirne hergegen haben ein schwaches Licht / und nicht Kräfftegenug / allzeit in dem unter ihnen stehenden Cörper einen Glantz / absonderlich von runder Form /wie der Hof ist / zuwegen zu bringen. Der Mond aber ist zwar nicht so starck / daß er die Dämpffesollte vertreiben können; doch auch nicht so schwach / wie die übrige Sterne.Drittens: Wann oder zu welcher Zeit ein Hof erscheine? Antwort: Gemeiniglich zeigter sich nach einem Sud=Wind; weilen alsdann einige dicklechte Dämpffe erregt werden / wor-inn sich unschwer ein Hof formiren lasset: Ferner siehet man ihn öffter zu Herbst= und auch zuFrühlings=Zeiten; da weder die Hitze / noch die Kälte übermässig; und also mehr feuchter Aus-dunstungen sich in der Lufft ereignen: Wie er dann gleichfalls öffters zu Nacht / als bey Tagwahrzunehmen; inmassen die Sonne durch ihre Gegenwart eine grössere Hitze verursachet.Vierdrens: Warum es geschehe / daß die Sonne öffters einen Regenbogen; und herge-gen der Mond öffters einen Hof mache? Antwort: weilen der Regenbogen mehr Lichts erfor-dert / als der Hof; bey welchem letztern schon genug ist / wann nur ein mässiges / und also deßMonds Licht in die Ausdünstung fället; der Regenbogen aber hat das Sonnen=Licht vonnö-then; und wird demnach meistentheils von demselben erzeuget.Allein man möchte hierwider einwenden: Wann unterweilen ein Hof von der Sonneentstünde / so wurde man denselben auch sehen; Nun sihet man aber ihn nicht / gleichwie manden Regenbogen siehet: Derohalben rc. Ich antworte hierauf: Der Regenbogen ist unschwer,der Sonnen Hof aber nicht so leicht zu beobachten; dann weilen sie also müssen betrachtet wer-den / daß man zugleich die Augen auf die Sonne richte; und aber bey dem Regenbogen dasAug zwischen der Sonnen und der Wolcke stehet; so kan der Regenbogen ohne Müh: der Son-nen Hof hergegen / da die Wolcke zwischen dem Aug und der Sonne sich befindet / nicht gesehenwerden.Fünffrens / wird weiter gefragt: Warum der Regenbogen nicht / der Hof aber vollkom-men rund seye? Antwort: Weilen die Ausdaͤmpffung sich durch seinen gantzen Umgriff er-strecket und ausbreitet; So aber bey dem Regenbogen / welchem untenher die Erde hinderlichist / nicht beschiehet.Sechstens: Warum der Hof meistentheils einfärbig / der Regenbogen aber allezeitbund und mannigfarbig seye? Antwort: Weilen das Licht, so den Hof machet, deß MondsLicht / und einfolglich zimlich schwach ist / auch sich bey Nacht ereignet: Wiewohlen die SonnenHöfe roth seyn; und bißweilen ebenfalls ein bunder Mondshof erscheinet, wie Seneca schreibet.Sonsten kan dieser Unterschied auch der mannigfaltigen Beschaffenheit der Wolcken beygeleget Senec. l. 1.werden.Siebendens: Was der Hof oder die Crone bedeute? Antwort: Wann der Hof baldwieder verschwindet / so ist er ein Zeichen eines schönen Wetters / und gibt zu erkennen / daß dieAusdämpffungen sehr schwach seyen; bleibt er beständig / so erfolgen Regengüsse; indeme sichdie Ausdunstungen sehr fest zusammen gesetzt und gezogen; zertheilt er sich aber / so werden dar-mit Winde angedeutet: Dann seine Zertheilung kommt von denen Winden her, ungeachtetman sie doch alsdann noch nicht auf dem Erdboden verspühret. Im übrigen erzehlet Seneca,Daß