Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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Philosophische und Politische Beschreibungdaß man an dem Tage / da Kayser Octavianus im Triumph in die Stadt eingezogen / eine Cro-ne, wie einen Regenbogen gestaltet, um die Sonne gesehen habe: Welches auch an dem ErbSabell. I.1. nungs=Tag deß Kaysers Caroli geschehen seyn solle. Sabellius vermeldet / daß vor dem Toddeß Kaysers Heinrici VII. neben anderen Wunder=Zeichen ebenfalls ein hell=lichter Crayß odeRing um die Sonne erschienen: ingleichem sollen deß Cranzii Bericht nach unter der Regie-rung Lotharii in der Stadt Paderborn zwey Circkel oder Crayse neben der Sonne gesehenworden seyn / deren der innere die Grösse der Kirchen / und der äussere die Breite der Stadt inCranz.ls sich begriffen; Es seyen aber selbige kaum verschwunden / als eine grosse Feuers=Brunst entstan-den / und die Stadt mit samt der Kirche in die Asche geleget. So bezeuget auch Schefferus,Metrop.daß kurtz vor dem Ableiben Königs Johannis in Schweden über der Königlichen Haupt-Scheff. in Stadt Stockholm bey heiterem Himmel ein bundfarbiger Crayß in den Wolcken erschienenden der König / als er selbigen betrachtet / für einen Vorbotten seines Tods gehalten / und befoh-memor.len / denselben in der nechst an dem Schloß stehenden Kirche abzumahlen. Welche Muthma-Suec.sung auch richtig eingetroffen; indeme der König wenig Tag hernach in eine Kranckheit verfalgent. r.2.len, und dieses Zeitliche gesegnet: Doch hat dieses alles meines Erachtens sich ungefehr also zu-getragen, und ist keines Weges durch den Hof oder Crone vorbeditten worden; wiewolernichtsdestoweniger die Göttliche Vorsicht sich dieser Schein-Gesichter zum Vorzeichen undAnkündigung solcher Fälle könnte bedienet haben.Es folget demnach / Erstlich: daß es eben dergleichen Beschaffenheit mit den Höfenoder Cronen habe / die man bißweilen um die Laternen herum / insonderheit / wie Seneca anmer-cket, bey feuchtem Wetter, und wann der Sud-Wind wähet, wahrnimmt: Dann ein solcherHof entspringet daher / daß die Strahlen der Laternen von denen ringsum stehenden mit Rauevermischten Ausdaͤmpffungen / die aus der Laterne heraus gehen / zuruck gebogen werden: Undscheinen dererley Höfe ebenfalls ründ zu seyn / wann schon die Flamme langlecht ist; weilen dievon den gleich=dicken Dämpffen zuruckgebogne Strahlen nach dem Auge mit gleicher Refra-ction oder Zuruckbiegung und Schregheit sich strecken / und einfolglich das Object mit gleicherDistanz und Rundung vorstellen.Zweytens: Daß eben besagter Ursachen halber die Sonne bey ihrem Auf= und Unter-gang uns viel grösser beduncke / als zu Mittag; weilen nemlichen in der mit Dämpffen angefül-ten Lufft die schrege Sonnen=Strahlen sich zuruck biegen / und das Object ergrossern; auf wel-che Weiß auch ein Stein / den man in ein mit Wasser angefülltes Gefaͤß geworffen / grösser alser an sich selbsten ist / zu scheinen pfleget.Politische Schluß=Rede.Ein Politicus soll deß Türcken geschworner Feind seynund bleiben.An erlaube mir / mit dem Pomponio Zæto, welcher sich über die Unbillichkeit seiner Zei-ten nicht unbillich erzörnete / folgende Klage zuführen: „Es haben die böse GeisterPomp.„unsere Gemüther dermassen eingenommen / daß wir unsere wahrhaffte Feinde beyZæt. in LicinioLici- „Seiten setzen / und hergegen uns selbsten und unsere Glieder mit bewaffneter und blutig„Hand angreiffen. Ich entblöde mich nicht zu sagen, daß, weil wir alle unter einem Zeichenniano„deß Creutzes streiten / einen Gottesdienst / eine Republic / und eine / ja GOttes Stadt selbste„haben / da wir Bürger seyn; dahero auch unter uns kein anderer / dann ein einheimischer und„bürgerlicher Krieg könne geführet werden. Derowegen so leget allen Haß / und liederlichenZorn von euch ab / als der aus dem schädlichen Gözen=Bild der Rationis Status entspringet;vereiniget vielmehr eure Gemüther und Waffen wider den grausamen Sturm und die toberde Wellen, so die Ottomannische Porte erreget; und zertrettet diesen dreykoͤpffigen HoͤllenHund/ und unmenschlichen Feind eures Nahmens und Glaubens. Wie sehr ich sonsten deFrieden liebe / und deß Kaysers Marciani Sprichwort: Laßt uns nicht zu den Waffengreiffen / so lang wir im Frieden leben können / keines Weges verachte; jedoch / wann ich andas Türckische Ungeheuer gedencke / welches alle Mühe und Fleiß auf euren Untergang richtet;so wünsche ich / daß ihr samtlich mit Spieß und Pantzer (nemlich mit dem Pantzer deß Gla-bens) bewaffnet seyn möget. Betrachtet doch das unter dem harten Joch der Dienstbarkeitseufftzende glaubige Volck; hoͤret doch das bittere Weinen und stetige Winseln deß ChristenBluts; stosset eure Armeen zusammen; bekrieget diese Tyranney und erlöset die elende Gefangne. Was für herrlichen Sieg hat vor Zeiten die belorbeerte Allianz deß Gottfried von Boulllon, Roberti, Grafens von Flandern / Hugonis Königlichen Bruders Philippi in FranckreichRober.