Philosophische und Politische BeschreibungDie III. Frage.Von dem Hof / oder der Cron / und von derOeffnung.ES geschiehet wegen Mannigfaltigkeit der Schein=Farben / die in der Lufft wahrgenom-men werden / und der Figuren / so die dahin aufgestiegene Ausdünstungen an sich neSmen und fürstellen / daß in der Höhe auch zerschiedene Gestalten und Bilder uns zuGesichte kommen; unter denen sich gleich Anfangs die Oeffnung ereignet.§. 1. Die Oeffnung ist ein Schein=Meteorum, so die Gestalt eines sich eröffnenden und voneinander zertheilten Himmels vorstellet; und alsdann sich begibt / wann beyheiterer Nacht viel Ausdünstungen oder Dämpffe in der Höhe sich zwischen dem Licht der Ge-stirne und unserem Aug zusammen setzen / und weil sie in der Mitte dicker / rings um aber dünnerseynd / gleichsam eine Grube formiren. Diese Schein-Tieffe wird dahero verursacht / daß / obschon die Theile solcher Wolcke durchaus in einerley Stand sich befinden / doch die äusserste er-sagter Theile wegen der Ausbreitung deß Lichts klärer / das ist subtler seynd / und sich auf dieweisse Farbe ziehen auch uns desto näher zu seyn scheinen: Die Mittle Wolcke hergegen, wel-che dick und schwartz ist / hat das Ansehen / als ob sie weiter in die Tieffe hinaus stünde; und zwaraus keiner anderen Ursache / als daß helle und weißfaͤrbige Dinge das Gesicht schnell bewegen;schwartze und dunckle aber nicht so geschwinde Wurckung haben: Dannenhero auch die Mah-ler dasjenige / was in einer Tafel oder Gemähld vertiefft seyn solle / mit schwartzer und blauerFarbe belegen / und mit einer weissen umziehen / auch also eine Tieffe vorstellig machen; wann sieaber etwas von erhabnen und nahen Dingen zeigen wollen, so legen sie eine weisse oder anderelichte Farbe an / und schattiren dieselbe ringsum mit schwartz oder blau.Hieraus nun erhellet, was die Formal- und Material-Ursache ermeldter Schein-Dingeseyen; ihre würckende Ursach aber rühret von einer Zufälligkeit her: Dann es geschiehet ungefehr und zufälliger weiß / daß die schwartze Dämpffe unter denen angezündten Ausdünstungenzu stehen kommen; und solchergestalten das durch dieselbe Dämpffe durchdringende Licht ge-färbt / mithin solche Dämpffe also beschaffen werden / daß sie eine Tieffe / oder etwas anders demPlin. I. 2. Schein nach vorbilden. Von der Würckung dererley Schein=Dinge meldet Plinius; daß selbige grosses Unglück / Aufruhren / Rebellionen, feindliche Einfälle / und ungemeine dürre undc.37.trockne Zeiten vorbedeuten. So ich aber alles / ausgenommen das letztere vor ein leeres Ge-dicht halte.§. 2. Der Hof / wie er von dem Plinio; und die Cron / wie sie dem Seneca genennwird / ist ein Crayß / so sich um die Sonne / oder den Mond / oder ein anders Gestan her-um ziehet / und in der Lufft durch das von einem sothanen Gestirn einfallendes Licht zu einemDampff anbereitet wird / auch nach dessen Beschaffenheit zerschiedene Farben überkommet. DerNahme Hof enspringet daher / weilen er einem runden Platz gleichet / wo die Alten ihre Früc-ten darauf anzusäen pflegten: Plinius und Seneca heissen es einen Crayß und Crone, indemes gemeiniglich eine runde Gestalt hat / und die Gestirne gleichsam umschliesset und kronet. TBauren nennens der Sonnen Hof / oder der Sonnen Cron; Jtem / deß Monds Hof oderCron.§. 3. Dieses Schein-Gesicht wird alsdann erzeugt / wann die aus der Erde ausgehende Dämpffe gantz gleich und maͤssiglich in einem Crayß herum dick werden / undeine dünne und gleichsam geebnete Wolcke verursachen; Welche hernach / wann sie vordenen wegen der dicken Dämpffung zuruck gebognen / und ringsum ausgebreiteten Strahledeß Gestirns / unter deme sie gerad gegen über stehet / beleuchtet wird / einen runden Platz oderHof vorstellet. Ist also die Sonne, der Mond, oder ein anderer heller Stern, dessen Glanauf die dunne Wolcken einfället, und dieselbe erleuchtet, die würckende Ursache; die Materaber / oder das Subject ist die Wolcke / die jedoch dreyerley Eigenschafften an sich haben mußErstlichen / daß sie dünn und nicht dicke seye / damit das Licht durchdringen könne; Zweytensdaß sie durchaus gleich oder einerley / das ist / nicht an einem Theil dick / und an dem andern dün-ne seye; und Drittens / daß sie gerad unter einem Gestirn sich befinde: Hergegen die Formbestehet in dem Licht / welches in der Wolcke zu gleichen Wincklen zuruck prellt; und deßwegeist solche Form rund / und wird der Hof mit einem völligen Circkel beschlossen. Wie aber dieSen. I. 1. se Zuruckschlagung deß Lichts zu gleichen Wincklen geschehe belehret Seneca in folgenden Wortquest. nat. ten: Die Feuchtigkeit / und die Lufft / wie auch alles das / was aus einem Streich seine Form er-langt / wird auf eine solche Ausdämpffung angetrieben / wie die Ausdämpffung deßjenigen ist / so
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
118
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten