Philosophische und Politische BeschreibungSo ist auch bekannt / daß in den Städten die Kirchen=Thürne öffters von dem Strahlviel erdulden müssen: Gestalten wir dessen ein Exempel an dem Straßburgischen 574. geome-trische Schuh hohen Dom-Thurn haben; indeme selten ein Jahr ausgehet, da selbiger nichtvon dem Donner beschädiget wird: und meynen die meiste / dieses seye der schlimmen und schre-gen Bewegung deß Strahls beyzumessen; wovon wir oben in der fünfften Frage gehandelthabenSonsten kommen hier noch etliche Wunder-Dinge zu erzehlen vor, die von denen Seri-benten / wann sie von denen Orten / die dem Donner=Strahl absonderlich unterworffen seynd /Meldung thun / angeführet werden: Nemlich wann auf dem Berg Taipa in der Provintz Xersi, deß Königreichs Sina, eine Baucke gerühret wird / so erfolget alsbald darauf ein ungeheuresUngewitter mit Donner und Blitzen: deßwegen allda durch ein scharffes Verbott das Trum-Kirch. in melschlagen abgeschaffet ist; wie Kircherus versichert: Wiewohlen es glaublicher scheinet / dieseseltsame Würckung komme vielmehr von Teufflischen Verblendungen / als von den Eigen-Chin. il.lustr. p. 4. schafften deß Berges her. Deme ist auch nicht viel ungleich / was von einem Ungewitter erre-genden Altar auf dem Pyreneischen Geburge berichtet wird: Dann es solle auf denselbigen ho-hen Bergen ein besonderer hoher und breiter Felsen sich zeigen auf welchem ein in Gestalt einesAltars hervor ragendes Stein-Stück befindlich / an dessen Seiten unterschiedliche ungewohnli-che Buchstaben und Zeichen zu sehen seynd. So bald nun jemand zu diesem Altar hinzu na-het / und selbigen anrühret / so wird alsbalden ein grausames Ungewitter mit Blitzen und PlThyr. I.de Regen dardurch verursacht. Es meldet auch Petrus Thyreus, daß in dem Liffländischen Bistlocis infe- thum Venda ohnweit von Odepe ein sumpffichter Ort / und in demselben ein See seye / ausstis.p.1.c.1. welchem denen Benachbarten / sofern sie ihn nicht alle Jahr mit Kinder=Blut versöhneten / un-gemeiner Schade zugewendet / und von denen bösen Geistern vieles Unheil zugerichtet; das ist /ungestümme Lufft, Donner, Schlag-Regen, und Ungewitter erreget werde. Woraus aber soviel erhellet / daß die Donner=Strahlen hier nicht von den Ausdünstung deß Sees / sondern vondem Satan gewürcket seyen.Lesens=würdig ist es / was die Sinesische Geschicht=Schreiber von dem Berg Ciò geden-cken: nemlich, es lige auf desselben Spitze ein 5. Ruthen hoher Stein, der da, so offt ein Unge-witter bevor stehe zu wacklen, und wie eine Cypresse, die von dem Wind angewehet wird, sieWenver. hin und her zu bewegen anfahe. Und führet Weuverus hierüber dieses zur Ursache an: solcheBewegung entstehe von dem Blasen der inner denen Höhlen deß Berges wütender Winde,in act.Convers. die hernach eine grosse Menge Dämpffe und Dünste durch die Lufftlöcher / Spalten und Ri-tzen mit sich heraus reissen; welche sodann / wann sie in eine kaͤltere Lufft gekommen / sich in star-Reg. II.Sects. Fr. cke Platz=Regen verwandlen / und indem sie auch eine untermischte schweflichte Materi bey sichhaben / ebenfalls Blitz und Donner erwecken.Uber nachgesetztes aber fällt es schwerer, eine natürliche Ursache auf die Bahn zu brin-gen: Es erzehlet Kircherus in China illustrata, daß in der Sinesischen Provintz Quantungnächst der berühmten Stadt Chaoking, und unfern von der Stadt Singhing, ein Berg stehe,den man Tenlis nenne / und sehr wild anzusehen / auch voller Höhlen seye: inner diesem Bergbe-finde sich ein See / zu deme man aber von aussen her nicht kommen könne; und so ungefehr vonoben herab ein Stein hinein geworffen werde / so vernehme man alsbalden ein grosses Getößwie einen Donner; der Himmel überziehe sich ungesäumt mit trüben Wolcken / und erfolge end-lich ein hefftiger Platz=Regen. Ich halte aber meines Orts davor, dieses rühre daher, weilender durch den eingeworffnen Stein beunruhigte See häuffige Dünste von sich auslasse / die sichdaraufhin mit den Ausdämpffungen deß Berges vermengen / sich entweder durch die hefftigeZusammenstossung / oder vermittelst deß unterirrdischen Feuers entzünden / ein grausames Krechen verursachen / und indem sie hervor brechen / mit einer zu Platz= und Schlag=Regen tauglicherMateri die nächst=stehende Lufft erfüllenAus deme nun / was bißhero angeführet worden / lasset sich schliessen / Erstlichen: Dadie Donner=Strahlen und Blitze mehrers im Sommer / als im Winter; doch öffters im Herlund Frühling / wegen der Oelichten und schwefligen Ausdünstungen; und zwar zu Rom meistenszu Herbst=Zeiten sich ereignen. In den Nordischen Ländern aber seynd die Donner=Strah-len der widrigen Ursachen halber gantz rar und seltzsam. Besiehe / was wir oben von demDonner angemercket haben.Zweytens: Daß, weilen der Donner-Strahl gern der Bewegung der Lufft nachfolge,es unter währendem Ungewitter gefährlich seye an einem offenen Fenster zu stehen.Drittens: Daß man bey einem Donnerwetter nirgend sicherer seye / als in tieffen Höhlen und Erden=Löcheren: inmassen die Erfahrung bezeuge / daß auch der Strahlstein selbstennicht über fünff Schuh tieff in die Erde hinein dringe.Vierd-
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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