relle Gewalten sich abzum
der in der obern Lufft erzeugten Dinge.weil sie weit bitterer seynd als der Feigen-Baum. Woraus wir demnach diese Folge ma-chen / daß§. 2. Besagte beede Meynungen unter die Zahl der Fablen und Mährlen gehören: wie-wohlen doch anbey aus dem P. Schotto sich schliessen lasset, erdeuter irrige Wahn von demMeer=Kalb seye daher entstanden / weilen selbiges eine so genaue Sympathi mit dem Meer hat /das die Haare seines Balgs / wann die ungestümme See ihre Wellen empor hebet / sich auchaufrichten / und wann sich die stürmende Flutten legen / sich ebenmässig wieder niedersetzen: da-hero es dann gekommen / daß die Leute aus der Veränderung dieser Haare sowol zu Wasser alsLand die Veränderung der Lufft beurtheilet haben: Damit sie nun die Veränderung der Luffterfahren / und das bevorstehende Ungewitter / so viel sie könnten / beedes zu Wasser und Land ent-fliehen möchten; so pflegten die Schiffer auf den Schiffen / andere Leute aber zu Hauß und aus-serhalb eine Haut von einem Meer-Kalb bey sich zu tragen: wodurch folgends geschehen / daßman glaubte solche Haut habe die Tugend und Krafft / die Donner=Strahlen abzuwenden;und würden deßwegen die Seegeln / Item die Gezelte / und Sänften darmit überzogen. Son-sten hat man über diß von ermeltem Thier wie auch von dem Adler angemercket, daß selbigeselten von dem Donner=Strahl aus der Ursache getroffen werden / weilen sie aus einem heimli-chen Trieb der Natur das Donnerwetter vorhero spühren / und sich solchemnach um dieselbeZeit in die verborgneste und sicherste Oerter und Winckel verstecken.Fragt sich Drittens: Ob man eben diese Meynung auch von dem Eichbaum / dem Hya-cinth und denen Corallen zu führen habe? Antwort mit Ja: Es seyen nemlichen lauter Erdich-tungen der Poeten. Zumahlen da / was insonderheit die Eiche betrifft / die tägliche Erfahrungdas gerade Widerspiel erweiset; was auch Albertus M. und Cardanus dargegen immer eine Scal. Ex-wenden mögen: Dann wer solte wohl so thum seyn / schreibt Scaliger von dem Hyacinth / und ercit. 13.für gewiß glauben / daß ein so grosser Gewalt von einem so kleinen Stücklein Glaß könnte auf-gehalten / und durch seine Gegenwart der Göttliche Zorn geschwächt durch seine Abwesenheit abervermehret / und kräfftiger werden?Vierdtens: Warum die Katzen, Hunde und Geissen, wie man fleissig beobachtet hat, ab-sonderlich denen Donner-Strahlen unterworffen seyen? Wie dann dahero die Hunde aus An-trieb der Natur bey entstehendem Donnerwetter unter die Füsse der Menschen sich zu verber-gen und allda ihre Sicherheit zu suchen pflegen. Antwort: Bartholinus hält darvor / es seye sol-ches denen aus diesen Thieren ausgehenden Dünsten zuzuschreiben; welchen Dünsten die Gei-ster deß Strahls als ihrer Nahrung und verwandter Materi / fürnemlich wann die Thüren of-fen stehen / daß sie sich in die Lufft ungehindert ausbreiten können / gerne nachfolgen; allermassendann die Katzen meistentheils von dem Donner unter den Thuren getroffen wurden: von de-nen Hunden aber wie auch von den Geissen wisse jedermann / daß sie mit einem scharffen Ge-ruch begabet seyen: und von denen Katzen gehe eine solche Menge Dünste aus / daß nicht nurzerschiedene Leute / wo selbige zugegen / in Ohnmacht fallen; sondern auch / wie die Erfahrungbezeuge / die muthigste Pferde / ungeachtet dergleichen Thiere auf dem Wagen verborgen gehal-ten werden vor Angst zu schwitzen pflegen. Allem / es will mich beduncken / diese angeführte Ur-sache könne nur alsdann gültig seyn / wann die abschiessende Strahl-Flamme sich in besagteThiere von anderswoher naͤher hinein dringet; dann es ist nicht glaublich / daß die aus solchenkleinen Thieren ausfliessende Daͤmpffe sich so hoch in die Lufft schwingen / und den Strahl vondannen auf selbige herab ziehen solten: Vielmehr scheint es der Wahrheit ähnlicher zu seyn /(gestalten auch der meisten ihre Gedancken dahin gehen) daß diejenige Thiere / die bey einfallen-dem Ungewitter forchtsam und unruhig seynd / an meisten deß Donner-Strahls / als der die ge-ringste Bewegung leichtlich nach sich ziehet / sich zu befahren haben.Fuͤnfftens: In welche Ort der Donner-Strahl meistentheils einschlage? Antwort:Durch die Erfahrung ist es offenbahr/daß derselbe zum öfftesten nur hohe und erhabene Oertertreffe; dahero werden die Berge ehender, dann die Thäler von diesem Himmels=Feuer berühret.Von denen Bäumen schreibt Claudianus:Incubuit nunquam coelestis flamma salictis;Nec parvi frutices iram metuére Tonantis:Ingentes quereus, annosas fulminat ornos.Deß Himmels Feur brennt nie in niedrigen Gestraͤuchen;Es fürcht ein kleiner Baum sich vor dem Donner nicht:Für grosse Eichen nur / die in die Lüffte reichenUnd alten Buchen seynd die Strahlen zugericht.