Philosophische und Politische BeschreibungDie VII. Frage.Was für Dinge vor dem Donner=Strahl entweder ge-sichert / oder demselben unterworffen seyen; ingleichem von etli-chen anderen bey dem Strahl befindlichenNeben-Zufällen.S wird gefragt, Erstlichen: Ob der Lorbeer-Baum vor dem Donner-Strahl be-freyet seye? Plinius antwortet der Meynung der alten zu folge mit ja: und bestättigetPlin. l.2.Hist. nat. Es mit dem Exempel deß Kaysers Tiberii, welcher weil er sich sehr vor dem Donnergeforchten / bey entstandenem Ungewitter einen Lorbeer-Krantz auf das Haupt zu setzenpflegte; wie Suetonius in seiner Lebens=Beschreibung erzehlet: Und führet Fracostorius hier-über dieses zur Ursache an; daß der Lorbeer=Baum trefflich rund seye / und eine dicke und glatteRinde habe; dahero es dann komme / daß der darauf folgende Dunst nicht haffte: Allermassensolcher Ursachen halber man auch sehe / daß niemahlen einige Säulen / indeme sie rund undglatseyen / von dem Donner=Strahl getroffen würden. Allein Cardanus verwirfft diese Mey-nung in Betrachtung daß viel andere Bäume gleichfalls rund / und doch vor dem Strahlnicht gesichert seyen; ja marmorne Säulen selbsten von diesem Feuer zuweilen niedergeschmissenwerden. Wobey Schottus die Anmerckung gibet, daß der Lorbeer-Baum nur ein Strauchseye und selten zu einem grossen und starcken Stammen aufwachse. So bezeuget auch VicoVicomer. mercatus, welcher bey Eintritt deß vorigen Jahrhunderts geschrieben / daß wenig Jahr vorherComent, der Donner in einen Lorbeer-Baum geschlagen habe: Wie dann solches wohl tausendmahlad.c.10.I.3 mag sonsten geschehen seyn / ob es gleich entweder von denen Leuten nicht beobachtet / oder vonMeteor, denen Geschicht=Schreibern nicht aufgezeichnet worden. Damit aber doch dem Alterthumnicht aller Glaube völlig abgesprochen werde; so sagen wir nichts destoweniger,Arist.§. 1. Es seye wahrscheinlich / obschon der Lorbeer=Baum den mit voller Gewaltvom Himmel auf ihn abschiessenden Donner-Strahl keines Weges abwenden könnedaß er jedannoch die schädliche Ausdünstungen deß Strahl-Feuers von sich abzutrei-ben vermöge: Ursache; weilen einige darvor halten / der Lorbeer-Baum / absonderlich wann ergrünet / stosse häuffige und starcke geistige Ausflüsse von sich aus / wodurch die schädliche / und dieLufft ansteckende Ausdünstungen vertrieben werden: Weßwegen die Alten die Gewohnheit ge-habt / Lorbeer=Zweige an ihren Hauß=Thüren aufzuhengen: und auch Kayser Commodus, wieHerodotus berichtet / auf Einrathen seiner Aertzte zur Pest=Zeit an einen mit vielen Lorbeer-Baͤumen besetzten Ort sich begeben. Gleichwie nun die Geister deß Lorbeer-Baums alle ver-giffte Dämpffe vertreiben; also kan es wohl seyn, daß sie, ebenfalls die schädliche Dünstedeß Donner=Strahls von sich abhalten. Und pflegt man vielleicht dessenthalben (worzu Col-lumella rathet) nicht nur einer bruͤtenden Henne Lorbeer=Zweiglein unterzustreuen, damitselbi-ge die schweflichte Dämpffe deß Strahls / wordurch die Eyer verderbet würden / abtreiben solltensondern es haben auch die Alten solche Zweige auf die Fässer gelegt / und mithin verhüten wol-len / daß dem Wein durch den Donner kein Schade geschehe.Weiters und Zweytens: Kommt die Frage vor: Was von dem Meer-Kalb,wie auch von dem Feigen=Baum zu halten seye? Plutarchus antwortet: Es seye der gemei-ne Wahn unter den Leuten / daß dergleichen Bäume / so dann die Haut von einem Meer-Kalb von dem Donner nicht getroffen werden: Dahero man der Käysere Zelte aus Häutenvon Meer=Kälbern zu machen pflegte: und schreibet Suetonius, es habe Kayser Augustus sichdermassen vor dem Strahl und dem Donner geforchten / daß er immerdar solche Haͤute mit sichgeführet / und nach seinem Exempel Kayser Severus ihme seine Sänffte mit dieser Materi über-ziehen lassen. Warum aber die Alten sich einbildeten / die Haut vom Meer=Kalb seye vor demDonner=Strahl gesichert / rührte daher / daß sie sich träumen liessen / erdeute Haut habe sehr vielPoros oder Lusstlöcher / wodurch der Strahl leichtlich ohne ihren Schaden durchdringen könneUnd daß der Feigen=Baum von dem Strahl nicht verletzet werde; das will Coelius RhodigiRhodig. I. nus seiner Bitterkeit beymessen. Allein / es kan ein jeder ohnschwer ersehen / was Gestalten die-it. Antiq. se zwey Meynungen billich auszurauschen seyen: Dann aus der ersten erfolgt / daß weder dasMeer-Kalb selbsten, noch der, so sich mit desselben Haut bedecket, vor dem Donner-Strahl si-cher stehe; Gestalten die Strahl=Ausdünstung inwendig hinein dringen / und das / was unterdem Fell verborgen ligt / zerschmettern wird; und aus der andern ergibt sich ebenfalls / daß vie-andere Kräuter und Gestraͤuche noch viel eher von dem Donner=Strahl befreyet seyn solten,
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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