Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

Philosophische und Politische BeschreibungDie IV. Frage.Was die Donner=Strahlen für Würckungen haben?KLeichwie der Donner=Strahl aus zerschiedenen saltzigen / salpetrischen / pechigen / alauni-gen / vitriolischen / schweflichten und anderen Geistern entstehet; also verursachet erauch gantz zerschiedene, und wunderbare Würckungen, die hin und wider von denScribenten haͤuffig angefuͤhrt und erzehlet werden. Nun stehet einem Philosophoinsonderheit und eigenthumlich zu / die Ursachen solcher Würckungen zu belehren; Allein / wei-es lange Zeit erforderte / alle und jede nach der Ordnung beyzubringen; so wollen wir unter den-selben nur die fürnehmste in gegenwärtiger und auch folgender Frage vor die Hand nehmen,und ihre Ursache vermelden: Allermassen dann§. 1. Der Strahl gemeiniglich mehr an harte und widerstehende / als an weicheDinge / die er unberührt lasset / sich zurichten pflegt: Gestalten er das Eisen an dem Spießohne Schaden deß Holtzes zerschmeltzet; das Gold und Silber zu Aschen verkehrt / und denBeutel ohnversehrt erhält; den Degen ohne Verletzung der Scheid verzehret; die Beine zer-malmet / und doch das Fleisch nicht angreifft / ja offt nicht einmahl ein Wahrzeichen daran hin-terläßt; das Faß voneinander schmeißt / und gleichwolen dem Wein keinen Schaden thut; dieKleider an dem Leibe verbrennt / und selbigem doch kein Übel zufüget; den Fuß zerschmettert denArist. I. 3. Schuh aber nicht berührt. Welches alles dahero kommet / wie Aristoteles, und nach ihme nochandere erinnern / weilen der Strahl in denjenigen Dingen / so dem Durchgang deß Feuers wi-derstehen / sich nothwendig etlicher massen verweilet / und seine Gewalt ausübet; in denen aber,die weich seynd / und keinen Widerstand thun / sich durchaus nicht aufhält / sondern Augenblicksohne Erweisung seiner Krafft / und demnach ohne Verletzung durch die poros oder Lufftlöcherund verborgene Oeffnungen hindurch dringet: Daraus dann auch erhellet / daß der Strahlkein Stein / sondern / wie oben gemeldet / ein Feuer seye; so noch mehrers durch das Gleichnusdeß Scheidwassers kan bekräfftiget werden; inmassen dasselbe nur harte Metall / und hergegenkein Wachs noch Holtz frisset noch angreiffet. Daß aber das Faß zerbrochen werde / und derWein doch nicht ausfliesse / so daß solche Erstarrung wohl z. Tag lang währe / dessen wird vonden Philosophis diese Ursache beygebracht; daß nemlichen das Geträncke durch die Hitze könnedick gemacht werden / sofern in demselben eine truckne Ausdünstung untermischt sich befindedann auf eben solche Weiß pflegt das Saltz, der Salpeter, der Schwefel, der Zucker, und ande-re dergleichen Dinge zu wachsen. Wann demnach der Strahl einen Wein / der hitzige undklebichte Ausdünstungen in sich hält/ berührt/ und selbigen wegen Vielheit deß Nasses/ oder we-gen einer andern Ursache nicht durchdringt; so macht er dessen äusserste Theile allenthalben undrings herum dick und hart / und hält also den gantzen Wein / wie in einem ledernen Schlauch,auf die Weise beysammen / auf welche das Wasser / wann es ausserhalb gefriert / für sich selbstendurchaus fest stehet / und nicht zerfliesset: Dieses besteifft und erkläret auch Albertus MagnusAl. Mag.M. Tract mit einem Experiment und gemachter Prob: dann so man Psillium, das ist / Flöh=Krautnimmt /de tonür. und solches in den Wein leget / so wird selbiger mit einer klebigen Feuchtigkeit erfüllt / die er Krafftseiner eingepflantzten Hitze gegen die äusserste Theile ausstosset; daß demnach ein solcher Weine.22.gleichsam mit einer Rinde überzogen wird / auch etliche Tage also dauret / und ob schon das Ge-schirr zerbrochen wird, doch nicht zerfliesset; wiewohlen man sich darüber nicht zu verwundernhat / angesehen nur ein wenig Kaͤselab durch seine Hitze die Milch / worein er geworffen wirdvöllig gerinnend macht und stocket. Hieraus nun lässet sich auch ermessen / was etwa beynach-gesetzten Begebnussen die Ursach möge gewesen seyn.Muretus bezeugt in seinen Anmerckungen über den Senecam, daß ein Donner=Strahlin deß Ferraresischen Cardinals Hyppoliti, Pallast eingeschlagen, und die Spitze eines Degens,der an dem Bett eines Dieners gehangen, zu einer Kugel verschmeltzet, und doch die Scheidegantz unversehrt gelassen habe.Im Jahr 1560. wurden / wie Torquemada berichtet / in Hispanien nahe bey dem DorfBenevaide, zwey Wanders=Leute von einem grausamen Ungewitter auf dem Felde überfallen /und von der Gewalt eines Donner-Streichs zu Boden geschmissen. Der eine darvon so star-cke Glieder hatte, raffte sich wieder zusammen, stunde auf, gieng seines Weges fort, und ließ seinen Cameraden ligen: Diesen letzten aber funden hernach die Innwohner besagten Dorffetodt auf der Erden ausgestreckt / und an dem Leibe zwar durchaus unversehrt / jedoch waren alleBeine dergestalten entweder zermalmet oder erweichet, daß man den gantzen Cörper, als ob ernur ein Stuck Fleisch wäre / hin und wieder nach Belieben wie ein weiches Leder wenden / undzusammen wicklen können.