Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Hormgrund durch die Felsen Lufft=Löcher ausgebrochen / sich die in den Gruben zusammen ge-sammlete Dünste durch das Liecht / dessen sich die Berg=Knappen bedienen / manchmalen entzün-det / und einen ungemein=grossen Knall gethan.Zum dritten: Warum der Wein und das Bier, wann es donnere, trüb werden? Ant-wort; Dieses rühret von der ungewöhnlichen Bewegung her / so der Donner verursacht / unddardurch das Getranck trub gemacht wird; oder von denen zerstreuten schädlichen Geisterlen,die durch das Faß eindringen / und das Bier oder den Wein aufgierend machen: indem HerrStoyles beobachtet / daß das Bier / so er in einem Glaß Hermetisch versiegetet / nicht trüb wordenseye; welcher wider solche Trüb= und Versäurung noch ein ander Mittel an handen gibet / wanner meldet; daß, wann es donnere, und man Stein-Kohlen in dem Keller anzünde, das Bierkeinen verderblichen Anstoß leyde; weilen alsdann entweder durch das Feuer die schwefliche undschädliche Dunste vertreiben / oder ihre Gewalt / indem es derselben Figur / oder Grösse / oder Zu-sammenfügung verändert / geschwächet wird.Zum vierdten: Warum die Erd=Schwämme von dem Donner sich befruchten; und dieHirschen ihre Junge früher werffen? Antwort: Das erste kommt daher / daß nach dem Don-ner gemeiniglich ein warmer und mit Geisterlein angefüllter Regen auf die Erden zu fallen pfle-get: Das andere aber geschiehet zufälliger Weiß; weilen nemlich diese forchtsame Thier durchden erschallenden Donner hefftig erschröcket werden.Zum fünfften: Zu welcher Jahrs=Zeit es am meisten zu donnern pflege? Antwort: Ge-meiniglich und zum öfftesten in dem Sommer oder Herbst / und absonderlich nach einem schö-nen heiteren Wetter; weilen nemlich eine grosse Hitz erfordert wird / daß solcherley schweflich-salpetrisch= und klebichte Dünste sich in die Höhe heben. Doch will Plinius versichern / daß im Plin. Hist.Frühling und Herbst / und zwar an denen Orten / wo ein stetiger Frühling oder Herbst seye / die nat. l. 2.meisten Donner gehöret werden; und geraͤth vielleicht dahero auf diese Meynung / weilen um e.solche Jahrs=Zeiten die Wolcken noch einiger massen kalt seyn / und einfolglich die feurige Dün-ste, die in selbige sich eindringen, durch die Antiperistasin, oder Umstellung erhitzt und dünnerwerden. Im übrigen ist aus der Erfahrung bekannt / daß es in den hitzigen Welt-Theilen ge-meiniglich wegen grosserer Menge der Dünste / die in die Wolcken eingehen / öffter zu donnernpflege; ich sage / gemeiniglich: weilen die Zeiten / da die Donner und Blitze sich hören und sehenlassen / nicht allenthalben einerley / sondern unterschiedlich seyn: Dann in Ober=Teutschland donnertes meistentheils im Sommer / selten aber im Herbst oder Frühling / und zwar etwa bey dem Aus-gang deß ersten / und Eintritt deß letzten; Hergegen im Winter fast niemalen; wiewolen in derTartarey und dem Mogolischen Reich zuweilen unter währendem Schneyen es blitzen unddonnern solle. In Sicilien donnert und blizt es im Winter / und seltem im Sommer: In denen Ni-derlanden seynd Donner und Blitz zu End deß Frühlings und Anfang deß Herbsts oder beymAusgang deß Sommers sehr gemein: In Scythien wird es wegen der Kälte/ und in Egyptenwegen der übermässigen Hitze wenig donnern; gleichwie auch in Brasilien, wo es aber so ent-setzliche Blitze abgibt / daß sie mit ihrem Liecht fast der Sonnen-Glantz übertreffen. In Engel-land donnert es auch wenig wegen deß allda gelinden und gemässigten Lufft- und Himmels-Strichs; wiewohl andere darfür halten / dieses komme her von deß Englischen kreidichten Bo-dens=Ausduͤnstungen / die keine schweflichte und salpetrische Geisterlen mit sich führen. Herge-gen ist in denen Mitternächtigen Ländern, wie Olaus bezeuget, nichts gewohnlichers, und ge-meiners / als Blitz / Donner und StrahlZum sechsten: Warum durch Abschiessung deß Geschützes und Läutung der Glocken dieWetter vertrieben werden? Antwort: Weilen die untere Lufft durch den hefftigen Knall bewe-get wird / und zugleich auch die obere Lufft erreget; mithin die mit klebichten Dünsten geschwän-gerte Wolcken zerreist und zertrennet.Zum Sibenden: Warum auf den beschehenen Knall ein Platz=Regen erfolge? Antwort:Es geschiehet dahero / weilen die Wolcke durch die Erschütterung gleichsam aufgelöset wird / daßder Platz=Regen abfallen / und die Erden überschwemmen muß: oder aber weilen die Wolckendurch die Antiperistasin oder Umstellung sich alsdann in ihre eigenthumliche Kälte zuruck zie-hen / und also desto leichter zu einem Regen werden.Zum achten: Ob der Donner etwas vorbedeuten könne? Antwort: Bey dieser Frage ha-ben ihrer viele ihre besondere und zerschiedene Meynungen. David Frölich will aus dem Mor-gen=Donner grossen Regen; aus dem Abend=Donner hefftigen Sturm zur See; aus demWinter=Donner aber häuffige Winde prophezeyen. Leopoldus Austriacus hält darfür / durchdie Donner von Orient werde lauter Glück; durch die von Occident oder Abend=Unglück; durchdie von Mittag See=Gefahr; und durch die von Mitternacht pestilentzische Seuchen vorbedeu-tet. Cardanus schreibet; es seyen diejenige Donner und Blitz sehr schädlich / auf die kein Regen Cardi. defolge: und je stärcker diese letztere seyen / je weniger Gefahr habe man sich auch von denen erste=