Philosophische und Politische BeschreibungMurren sich ereignen; wann nemlichen die Ausdünstung bloß die Wolcke zerstreuet / und imdurchhin lauffen an ihre hohle Seiten anstosset / selbige aber nirgend / um sich Lufft zu machen /durchbricht und zerreisset.Was bißhero angeführt worden / erläutern und bekräfftigen wir mit der Gleichnus / wo-durch Aristoteles die Weiß und Ursache / warum die Ausdunstung nur einen Thon von sich gebe? erkläret: nemlich gleichwie ein Holtz welches viel truckne Dünste in sich hat/ wann man selbiges verbrennet einen Knall von sich gibet, indem die Ausdünstungen hervor brechen, und dasHoltz zerreissen; also geschiehet auch ein hefftiges Knallen in den Wolcken / wann selbige mithäuffigen Geistern angefüllt seyn, und dahero voneinander zertrennet werden.So kan nicht weniger dieser Knall nicht unfüglich mit dem Exempel deß in einem Stück-Geschütz angezündten Schieß=Pulvers erkläret werden: dann wie das Schieß=Pulver so in derHohlung deß schweren Geschützes eingeschlossen ist / Feuer fanget / und sich schnell entzündet / ein-folglich wegen der gewaltigen Erdünnerung / damit es einen grössern Raum gewinnen möch-te, mit grosser Macht aus dem Geschütz heraus bricht, die nächste und herumstehendeLufft voneinander treibt und reisset / und durch solche Zerreissung das grosse Geprassel / so manolcken eben dergleichen Gewalt an / undhöret / verursacht; also thun die Ausdünstungen denenverursachen den Donner.Daß aber die Sache sich nicht anders verhalte / nemlich daß das Donnern alleinig vordenen in den Wolcken beschlossnen Ausdünstungen herkommet / ist daraus klar und offenbahrweilen der Donner meistentheils um diejenige Jahrs-Zeit, und in denen Ländern sich ereignetwann und wo dergleichen Ausdünstungen nach Uberfluß aufsteigen. Wobey jedoch zu mer-cken / daß eben nicht allzeit bey dem Donner die Ausdunstung sich auch entzünden und brennenmüsse; weilen zu Erweckung eines Thons schon genug ist / daß auf einen fähigen Cörper einstarcker Schlag oder Streich geschehe; welcher Streich ohne Anzünd= oder Brennung fürge-hen kan; So dahero abzunehmen, daß nicht allemal, wann die Wolcken donnern, auch einBlitz erscheinet, oder die Feurige Wolcken=Riß zu leuchten pflegen. Ob nun sich wohl diesesalso in der Wahrheit befindt / so ist doch§. 3. Glaublich / daß zuweilen aus der Wolcken Zusammenlauff- und Stossung ohne ei-nige darzu kommende durchbrechende und streittende Ausdünstung ein Donner entstehe. Ur-sach / wann die Wolcken / so von Geistern zerrissen werden / einen Thon von sich geben; warumsollen erdeute Wolcken, nachdeme sie mit grosser Gewalt aneinander gestossen und zertrennetworden / nicht auch dergleichen würcken können? angesehen zwey aneinander gestossne Wolckeneben so tüchtig seyn / als eine Wolcke und eine ohnangezündte Ausdünstung / einen Thon zu er-wecken.Und hindert nichts; wann gleich die Wolcken / so sie etwann an einem Berg anstossen / kei-nen Thon geben: dann diese Ungleichheit kommt dahero, erstlich: Weilen die Wolcken nichtimmerdar / sie mögen gestossen werden / wie sie wollen / zu donnern pflegen; sondern nur alsdann /wann sie tüchtig gemacht seyn, einen Thon zu geben: Gleichwie die zwey umgekehrte Händewann man sie zusammen schlägt / nicht sonderlich klatschen / wohl aber wann die zwey flachHände ineinander geschlagen werden. Zweytens; weilen der Berg die Wolcke nicht entzweytheilet oder trennet / sondern die Wolcke vielmehr sich um selbigen herum schwinget.Gleichwolen möchte annoch gefragt werden / erstlichen: Ob auch ohne Wolcken ein Don-ner geschehen könnte? Antwort mit ja: inmassen solches mit mehr als einem Exempel aus denHistorien zu erweisen; daß nemlich unterweilen / wann der Berg Ætna eine grosse Menge ver-brannten Sand ausgeworffen / dergleichen Donner gehört worden: Dann es ist nicht wahr-scheinlich / daß in derselbigen Gegend die Lufft so sehr erhitzt worden / damals einige Wolcken zusehen gewesen; sondern daß vielmehr gedachte Lufft allein / als der Dunst und die schweflicht-Materi mit grossem Widerstand und Gewalt aus den Erden=Höhlen / wie aus Stücken / her-aus gebrochen / also gekracht habe. Warum es aber im übrigen zuweilen bey hellem Wetterzu donnern pflege? Kan dessen offt die Ursach seyn / entweder weil alsdann der Donner auf demnechsten Horizont geschihet / und demnach auch auf dem unsern gehöret wird; eben wie bey derBelagerung der Stadt Wien das Schiessen und Knallen deß groben Geschützes in die 30Meil Wegs weit absonderlich in denen Bergen zu hören gewesen; oder weilen ein Knall in derErden / oder auch in den Wolcken / die aber dabey so hoch und dünn seynd / daß wir sie nicht mitunserem Gesicht erreichen mögen / geschehen kan.Zum andern: Ob es auch inner und unter der Erden donnere? Antwort; ja: dann sol-ches bezeugen die Bergwerck=Leute. Von dem Berg Seraleon in Africa wird geschrieben / ergebe dermassen starcke Donner von sich / daß man sie biß auf 50. Meilen weit hore: Und aufdergleichen Donner folget öffters ein hefftiges Blitzen: Gestalten Johann Schützelmann,Verwalter über die Ungarische Bergwercke / bey dem Kirchero erzehlet / daß / bevor man in demHorm-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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