Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

der in der obern Lufft erzeugten Dinge.deren zugleich auch forchtsam und verzagt werden müssen. Du must nicht nur Castor, sondernauch Pollux seyn: findet sich einer ohne den andern, so wird er zu einem weichen Weib, und ver-ändert sich in die Helena; welche Flamme / so allzeit allein erscheint / und wie ein Meer=Weibmit den Schiffen spielet / auf lauter gefährliche Ort und Felsen treibet. Wer einer RepublicASPIRANTIBVSvorstehet / der soll seine Untergebne also lieben / daß er das Maaß nicht überschreite; und sie auchdergestalten in der Forcht halten / daß sie nicht auf Verzweifflungs=Gedancken gerathen; Emuß weder ein Nero, oder allzugrausam; noch ein Nerva, oder allzugütig seyn. Johannes II.König in Portugall / weil er allzustreng regieret / hat sich bey dem Volck verhaßt gemacht / undnicht die geringste Liebe gehabt; Hergegegen ist deß Königs Henrici IV. Regierung doch auchnicht ohne Blut gewesen / weilen er die übermässig ausschweiffende Liebe mit dem Zaum derForcht nicht innen gehalten. Der Reichs=Wagen muß fallen / wo der Phaëton selbigen nurdurch Liebe leiten / und nicht auch dabey sich deß Zaums bedienen will: Dann durch allzugrosseLiebe und Gütigkeit wird den Lastern der Ziegel verhengt / und durch allzugrosse Streng-heit und Forcht / der Faulheit oder der Verzweifflung Thor und Thür eröffnet. Diese zweyHaupt=Tugenden seynd gleichsam Theile eines einigen Leibs; und kan man sich der einen nichtwohl bedienen / daß nicht zugleich die andere dardurch verletzet wird. Es ist nichts schädlichers /als ein Regent / der übermässig gelind und gutig ist: Dahero pflegte man zu deß Kaysers Ner-væ Zeiten zu sagen: Es seye viel ärger unter einem solchen Haupt=Leben welches so anädig seye-daß es alles erlaube und zulasse; als unter einem andern / so da alles mit Forcht erfülle. Aus-allen Vermischungen ist diese die Beste / die aus der Hitze und Feuchtigkeit bestehet; also daßein Politicus, wann es bey ihme mit Zorn und Drohungen regnet / zugleich auch Liebes-Fun-cken von sich streuen muß: Dann gleichwie die allzugrosse Hitze der Liebe verzehret; also wird durchdie übermässige Kälte der Forcht alles erstarrend gemacht: Dannenhero gehet der zum sicher-sten / welcher den Mittel=Weg erwählet. Bist du nun liebreich und auch zugleich forchtbar;so wirst du ebenfalls geliebt / und mithin geförchtet werden.