Philosophische und Politische BeschreibungErstlich / daß etwelche verwunderliche / wie auch natürliche Ausflüsse / wormit dem ersten An-sehen nach / die in die Ferne sich erstreckende Würckung schiene behauptet und befestiget zu seyn /nicht unschwer erstermelter Vermischung der Geister / als einer Ursach / beygemessen werden mögen.Zweytens / daß man die Kräfften der Artzneyen / wodurch der Sinnliche Cörper erregtund gereitzet wird, durch die bequeme Ausflüsse der kleinen Theilen und Eigenschafften zur Ge-nüge belehren und erweisen könne: Dann die kleine Theile der Artzneyen verknüpffen sich mitden kleinen Theilen desselben Cörpers; dahero auch unterschiedliche Beweg= und Regungen,als Hitzen / Aufgierungen und dergleichen sich ereignen.Drittens, daß durch die alleinige Berührung oder Geruch zuweilen die Cörper in eineschädliche oder nützliche Veränderung verfallen: Dann die kleine Theile der wohlriechendenAusflüsse dringen in die Nerven / und verursachen mit Hülff der Geister diejenige Bewegungen /welche durch die Artzneyen selbsten / die man nicht nur gerochen / sondern entweder etwa äusser-lich aufgeleget / oder innerlich eingenommen / zuwegen gebracht würden; immassen ob schon dieausfliessende Cörperlein über aus klein und subtil seynd / weilen doch ihre Anzahl unbeschreiblichist / so können sie auf eben die Weiß / wie die allerkleineste Stücklein deß Schieß=Pulvers undanderer dergleichen vermengten Cörper, empfindliche Würckungen herfürbringen.Vierdtens / daß die Edelgesteine und gegrabene Mineralien bekanntlich einige verborge-ne und sonderheitliche Eigenschafften haben, welche, daß sie in Ausflüssen bestehen, mit demExempel deß Magnets und Agtsteins gar bequemlich sich behaupten lässet: Und hindert nichtso man gleich dargegen einwerffen möchte, daß zu besorgen stünde, es würden die Edelgesteineund dergleichen wegen der stetigen Ausfluͤsse abnehmen und kleiner werden: Dann es ist leichtzu erachten, daß dererley Abnahm auch nach Verfliessung der allerlängsten Zeit nicht einmahlwerde gespühret werden; wie solches die offenbare Erfahrung an denen wohlriechenden Hand-schuhen bezeuget, die da, wann sie schon lang ihren Geruch behalten, doch gleichwolen wederam Gewicht, noch an der Grösse also abnehmen, daß man es verspühren sollte; ohngeachtetsonsten mit der Zeit alle dergleichen Cörper wegen der Ausflüsse abzunehmen pflegen; und diß-falls der Agtstein / Campher und alle Gewürtze zum Exempel dienen können.Fünfftens / daß auch das Gifft seine schädliche Würckungs-Krafft durch die Ausflüsseder unempfindlichen kleinern Theile ausübe; welche Theile, weilen sie starrend seynd, oder ir-gend eine andere schädliche Natur haben, einen lebendigen Leib verletzen; einfolglich eine ge-waltsame Aufgiehrung entweder verursachen / oder die natürliche Aufblähung der leblichen Thei-le verhindern: Dannenhero wird der ordentliche Lauff und Bewegung deß Geblüts durch dieVermischung deß Giffts verunruhigt, zuweilen auch in den Adern gestockt oder doch dick ge-macht: Und solchem nach pflegt ein Thier / wann es von einer Vipern gebissen wird / aufzu-schwellen: wie es dann nicht lange Zeit anstehet, daß die gifftige Ausflüsse ihre Krafft sehen undmercken lassen: Gestalten gleichwie etliche nasse Dinge wegen der Aufgiehrung zimmlich sauerwerden; also wird auch das Geblüt angesteckt und verderbt.Sechstens; Weilen nun das Gifft sowohl / als das Gegen-Gifft seine verborgene Ei-genschafften fürnemlich vermittelst der Aufgiehrung heraus lässet; so wird es nicht unrathsamseyn / die Krafft deß Ferrments oder der Saure / fleissig auszulegen; wie nemlich und auf wasWeiß ein klein wenig desselben ein zimmlich grosses Stück durchtringe / und verändere; Wel-ches aber mehrers zu erläutern / wir folgendes Gleichnus voran setzen wollen: Es seye ein gros-ser hoher Hauffe von den allerkleinesten Kügelein vorhanden: Aus denenselben so man zweyoder drey der untersten von ihrem Ort hinweg nimmt, so müssen nothwendig alle übrige oberesich regen und bewegen; Eben also und nichts anders hat die Krafft deß Ferments oder Säu-re, ob sie schon nicht völlig alle und jede Theile der aufzuschwellenden Massa erreichet, nichts de-stoweniger bey etlichen derselben ihre Würckung; welche dann / weil sie verändert und erregetseynd, so wird der Begriff und die Ordnung der übrigen Theile aufgelößt, und selbige dem-nach alle zur Aufgiehrung gebracht. Ein Exempel dergleichen Würckung haben wir an de-nen Fässeren und Gefässen / an welche sich etwa ein Schleim angeleget; dann es wird alles /was man in besagte Gefässe eingiesset / alsbalden angesteckt / und ziehen gleich durchaus undnach allen Theilen die Eigenschafft und den Fehler deß Schleimes an sich; so daß der gantze li-quor oder Naß / und nicht nur der allein / so zunechst die Seiten deß Fasses berühret / angesaͤuretund angestecket wird. Und eben hieraus laßt sichs auch erweisen / warum die Pestilentz durchdie Ansteckung immer weiter sich ausbreite? dann die flüssige Lufft wird von einem pesti-lentzischen Cörper auch in ihren entlegnesten Theilen angestecket.Noch eines will ich zu End dieser Frage erinnert haben: nemlich das / indeme die ver-borgne Eigenschafften, Neigungen und Ausduͤnstungen von mir kleine Theile genennt werden,ich keines weges es darum mit dem Epicuro, Carthesio; oder andern halte / und nach ihrerMeinung die Sonnen=Stäublein vertheidige: dann unter dem Namen der kleinen Theile ver-
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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