der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Obwolen nun alles bißhero angeführte zwar glaublich anscheinet / so last sich doch nichtabsehen / wie man die Lufft=Gegend / wohin die Ausdünstungen zu Erzeugung der MeteorischenEintruckungen auffsteigen / ins gemeinhin eine gewisse Höhe könne bestimt werden; und zwartheils darumb / weilen die zurück geschlagne Sonnen-Strahlen sonder Zweiffel in dem durrenErdstrich sich höher über sich schwingen; und theils auch deßwegen / daß ebenmässig die Wür-ckung und Krafft der Hitze nach der Distanz oder Entfernung von dem Polo nicht geschätzt /noch einfolglich nach erdeuter Distanz etwas gewisses und endliches von denen Lufft=Gegendengeschlossen werden könne: Dann, wie man aus der Erfahrung weist, so pflegt der Winter inReußland überaus hart und kalt; zu Edenburg aber / so doch unter einerley Latitudine begrif-fen / ziemlich temperiert und mild zu seyn: So bezeugen gleichfalls die Holländer / daß sie inGrönland unter dem 8sten Grad die schönste Weide gefunden; da hingegen die Insul Char-leton unter dem 52sten Grad wegen entsetzlicher Kälte fast nicht kan bewohnet werden. InMoscau ist öffters der Sommer viel hitziger / ajs in Engelland: und liegen / nach des à CostaBericht / unter dem Æquatore sehr viel Laͤnder / welche / wie wir oben bey der zweyten Frage er-wehnet, eine gantz gemässigte Lufft haben; ihre Berge aber nichts destoweniger offt mit Schneebedecket sind. Ist dahero keines wegs zu zweiflen / daß nicht die Dampffe in einem Land undzu einer Zeit höher über sich steigen / als an einem andern Ort / und zu einer andern Zeit; nachdeme nemlichen die der Erden nechststehende Lufft selbsten so oder anders durch die Hitze dunngemacht wird / und sich etwa besser zu diesen oder andern Aushauchungen schicket. Hierausnun machet man den Schluß / daß die drey Lufft=Gegenden nicht durchgehends und allenthal-ben einerley Grösse haben: Dann die zweyte Lufft=Gegend ist viel breiter im Winter / als imSommer / weilen sowohl die gerade / als die wieder zuruckgeboane Strahlen alsdan viel schwaͤ-cher seynd: unter dem Æquatore aber / wo die Sonne ihre Strahlen gerad abschiessen lasset /ist sie zum wenigsten ihres grösten Theils weit kleiner / als unter den Tropicis und Polis; weilendie Bley=rechts abfallende so zuruckgebogne / als gerade Strahlen / sofern kein anderer Zufalldarzwischen kommt / stärcker und krafftiger sind / als die Seiten-Strahlen. Derohalben sagtman insgemein / die convexa superficies oder gewölbte Oberfläche der untersten / und die hohleOberflaͤche den mittlern Lufft=Gegend haben fast eine ovale Figur; weilen nemlich angeregterUrsache halber Dämpffe in dem durren Erdstrich weit dünner und subtiler werden / auch höherüber sich steigen / als in denen kalten und gemässigten Erdstrichen.Bey solcher vorgekommnen Lufft-Abtheilung nun fragt sichs / ob dieses Element seinerNatur nach feucht / warm oder kalt seye? Darauf wird geantwortet:§. 2. Das gantze Element der Lufft ist seiner Natur nach im hohen Gradwarm / und im hochsten feucht; doch also daß sothane ihre Eigenschafft zufälligerWeiß manchfaltig veraͤndert werden koͤnne: Dann die oberste Lufft=Gegend ist viel waͤr-mer, als ihre Natur erfordert, theils weilen sie dem Himmlischen Feuer gar nahe steht, und vonselbigem erhitzet wird; theils auch weilen nach einiger Meinung von diesem Feuer zu ZeitenFlammen herab fallen; und dann theils weilen sie durch die Umbdrehung des Himmels undFeuers / wodurch sich die Hitze hervor thut / immerdar mit fortgerissen wird. Hergegen ist diemittlere Lufft-Gegend über die massen kalt, also daß der Habicht, der in denen Hunds-Tagensich von Mittags biß gegen Abend daselbsten auffzuhalten pflegt in Gefahr stünde / zu erfrieren /oder wenigstens an seinen Gliedern zu erstarren / wann er länger alldort verbleiben würde.Dannenhero befindet sich auf den Alpen=Gebürgen selbsten beständighin ein so grosser Schnee /daß auch die Reisende in den heissen Sommer=Monoten mit harter Müh hindurch kommenkönnen: So wissen nicht weniger diejenige / welche die Höhe des Gebürgs Daldo in dem Vero-nesischen Gebiet bestiegen haben / daß allda im Julio und August eine eben so grosse Kälte / alssonsten mitten in dem härtesten Winter / anzutreffen: Welcher Kälte halber aber man zerschie-dene Ursachen beyzubringen pfleget; und zwar erstlichen / weilen die Dämpffe / wann sie biß da-hin kommen und auffsteigen / und bereits keine Hindernus mehr finden / wiederum zu ihrer na-türlichen Kälte zuruck kehren / und die umbstehende Lufft erkühlen: Zweytens / weilen die also er-kühlte Lufft / indem sie von dem oberen und unteren warmen Theil gleichsam eingesperrt und be-lagert ist / durch die Antiperistasin oder Umbstellung kalt gemacht wird: dann bekandt ists / daßauch in einem frembden Subjecto oder Unterstand eine Qualität und Eigenschafft (wann eineandere widrige umb dieselbe herumb steht) wie zum Exempel die Wärme in dem Röhr-Wasserzur Winters=Zeit ergrössert oder vermehret wird: Drittens / weilen weder die zuruck geschlagneSonnen=Strahlen / noch die Hitze des Feur-Himmels/ noch der Gewalt / so den obern Theil her-umb drehet / biß dorthin reichen können. Ja es ist wahrscheinlich / daß GOtt im Anfang derWelt diesem Lufft=Theil einige Kälte zugeordnet habe / damit die Dämpffe und Ausdunstungenallda desto leichter zu Wolcken und Regen werden möchten. Endlichen, so hat die untersteLufft=Gegend sowohl wegen der Dämpffen und Dünsten / als auch der zurück gewandten Son-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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