Philosophische und Politische Beschreibungmässig gantz nicht nöthig / daß das Wasser in Seen und Flüssen / wann es seine Dünste aushau-hauchen solle, von der Sonnen-Hitze dergestalten angefeuert werde, daß selbiges sieden muste.Den letzten Vorwurff aber betreffend / so antworte ich: die Meteora werden nächtlicher Weileaus denen bey Tag von der Sonnen angezogenen, oder doch gewißlich aus denen Dämpffengezeuget, welche die bey Tags von der Sonnen verursachte Hitze heraus locket; zumahlen dauberdiß auch andre Himmlische Cörper, als die Gestirne, und insonderheit der Mond, mit der-gleichen Dampff=anziehenden Krafft begabet seynd: Woraus dann die natürliche Stern=Weis-sagung entstanden / welche auf die lange Erfahrung und Observationen sich gründet / und desMonds / wie auch anderer Planeten Bewegungen / Gestalten und Erscheinungen / ingleichen dieAenderung der Zeit lang vorher anzuzeigen lehret; und welche, ob sie schon nicht allzeit gewißund unbetrüglich ist / doch auch nicht allzeit für eitel mag ausgeschrien werden.Nachdeme nun für gewiß angenommen und gesetzt ist, daß die Dämpffe nicht nur vondem unterirrdischen Feuer erreget / sondren auch von der Sonne in die Höhe gehoben werden;so entstehet hierauff ein Zweiffels-Frage; ob solches durch eine Magnetische Krafft gewürcket,oder vermittelst der Hitze mit Beyhulff der Leichte / die auf die Hitze selbsten und auf die Dünnig-keit zu folgen pfleget / in die Höhe getrieben werde; oder aber ob diese über sich Hebung mittelsteiner Ausstossung geschehe? dann es halten einige darvor / daß die Dämpffe und Aushauchun-gen keines weges eine Leichtigkeit an sich nehmen / und sie also nicht wegen und aus Krafft dersel-ben in die Höhe steigen; sondren vielmehr von aussen her durch die Hitze welche von der Son-nen in dieser untern Lufft-Gegend durch ihre in sich selbsten wieder zurückschlagende Strahlenvermehret wird, gestossen und getrieben werden. Solchen Zweifel ausffzuheben ist die Ant-wort:§. 2. Es seye glaublicher / daß die Sonne die Aushauchungen nicht vermittelsteiner Magnetischen Krafft in die Höhe ziehe; sondern daß durch die erweckte Hitzein dem Dampff eine Leichtigkeit zuwegen gebracht / und durch dieselbe solcher Dampfnatürlicher / und nicht gewaltsamer Weiß mittelst einer Ausstossung über sich gehobenwerde. Das Erste wird dahero bewiesen, daß, wann die Aushauchungen vermittelst einesAusflusses / und Magnetischer Würckungs-Krafft der Sonnen in die Hohe stiegen / sie durchdurch eben sothane Krafft allda angehalten würden / daß sie hernach nicht zu Regen werdenund widerumb herab auf die Erden fallen könten; ja / wann besagte Dämpffe von der Magnetischen Krafft der Sonnen solten angezogen werden / so müsten sie nothwendig weit über die an-dere Lufft=Gegend hinauff steigen. Das Andere aber ist daraus erweißlich / daß die Hitze anund für sich selbsten von einem Ort zum andern sich nicht beweget. Zu deme / da ermeldte Aus-hauchungen dünn und warm sind / aus welchen zweyen Stücken die Leichtigkeit entspringetwarumb solten sie, die Dünste, nicht auch mit einer ihme eigenthumlichen Leichtigkeit begabetseyn / und durch derselbigen Krafft über sich gehoben werden?§. 3. Die Antiperistasis oder Umbstellung hilfft auch nicht wenig zur Erzeugungvieler Meteoren. Ursache: weilen es aus der Erfahrung bekannt ist / daß bey vielen Dingendie Kälte und Hitze, obschon keine proportionierliche Würckung verhanden, wodurch derglei-chen Eigenschafften solten ergrössert werden / bloß deßwegen sich vermehren / weilen sie von einerwidrigen Würckung die mächtig ist, sie zu vernichten, umbgeben wird: Allermassen auf solcheWeiß geschiehet / daß im Winter die erfrorne Hände / wann man sie im Schnee waschet / er-wärmet werden; auch der unvernünfftigen Thiere Mägen zu kalten Zeiten hitziger; item, dasBrunnen-Wasser im Winter wärmer, als im Sommer sich ereignet; und zwar einig undallein dahero / daß sie von einer widrigen Würckung gleichsam belagert und bloquiret werden.Und dieses / da die rings umbstehende Würckung die widrige Eigenschafft ergrössert und ver-mehret, pflegen die Philosophi Antiperistasin oder eine Umbstellung zu nennen: Ist demnachsothane Antiperistasis zur Erzeugung vieler Meteoren nicht wenig behülff= und förderlich.Man soll aber hiebey mercken: Daß ersagte Antiperistasis fürnemlich nur bey Vermeh-rung der Kaͤlte und Hitze wahrgenommen werde, und folgender gestalten geschehe: Wanndie Kälte einen warmen Cörper umbgibt, so gehen selbige dünne und wenige geistige Theiledie vor ihrem Widerpart fliehen / in sich zuruck hinein; werden / indem sie sich mit einander ver-einigen / desto wärmer / und vermehren also die vorhin allda befindliche Wärme: Wann aberdie Hitze einen kalten Coͤrper umbgibt, so wird dieser letztere duͤnn und gering, und eroͤffnen sichdie Lufft=Loͤcher desto mehr; hergegen die wenigere und geistige Theile fliehen meistens davonund vereinigen sich mit der ihnen angenehmen Hitze; Diejenige aber, so noch darinnen ver-bleiben / werden immer weniger / und behalten eine gar schlechte Wärmungs-Krafft bey sich:wodurch dann geschiehet daß der vorhin kalte Cörper noch kälter gemacht wird.Poli⸗
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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