der in der obern Lufft erzeugten DingeZweytens; daß es ausser allem Zweiffel auf zweyerley Weise seyn koͤnne, daß die Aus-hauchung entweder vermittelst eines unterstehenden gewaltigen Feuers / oder von den oben her-abrührendem Einfluß der Himmlischen Cörper, insonderheit aber der Sonnen / aus der Erdenund dem Wasser heraus gezogen werde: Dann nachdem es in sehr vielen Orten unterirrdi-sche Feuer abgiebet / die / ob sie zwar eben nicht / wie der Vesuvius, Æthna, Hecla, in offenbahreund helle Flammen ausbrechen / doch gleichwolen eine solche Krafft haben / daß sie die Dämpffeund Ausdunstungen in die Höhe treiben; allermassen auch ihrer Hitze die jenige Würckungnicht kan abgesprochen werden / die wir der Sonnen=Hitze beyzulegen pflegen.Drittens; das fürnemlich die erstberührte Hitze / welche das Wasser und die Erde durch-gehet, und selbige dünne machet, daß sie zu Aushauchungen werden, die Werckzeugliche Ursa-che seye / deren sich sowohl die unterirrdische Feuer / als die Himmlische Cörper zu den Wür-ckungen der Meteoren bedienen. Dieses alles nun also voraus gesetzt / so sagen wir§. 1. Die fürnehmste würckende Ursach der Meteoren seynd nicht allein die un-terirdische Feuer / sondern meistens die Himmlische Cörper / und insonderheit die Son-ne / welche mit ihrer Hüze und anderen unbekannten Einflüssen in die Elemente wuͤr-cket. Dieses wird bewiesen erstlichen, mit der Meinung des Philosophi, welcher lehret: Es,müsse die untere Welt an denen obern Gegenden / das ist / an denen Himmlischen Cörperen /-die in einen Zircul umbgetrieben werden / angehenget seyn / damit von dar aus ihr gantzes-Wesen verwaltet und regiert werden könne.„ Zweytens; mit der Vernunfft weilen mangleich bey anbrechender Morgenröthe aus den Seen und Flüssen Dünste und Nebel auffstei-gen sihet; ja man wird wahrnehmen, wann wir in einem heissen Sommer die von der Son-nen=Hitze dürrende Aecker und Wiesen anschauen / wie aller Orten ein sehr subtiler Dampff /welcher verursachet / daß vor unsern Augen die Erdschollen zu zitteren / scheinen / ausgehauchetwird. Eben also finden wir auch / daß der Morgen-Thau von der Sonne sich aufftrucknenlasset / und dahero / insonderheit in dem Frühling und Herbst / zu geschehen pfleget / daß nach einergrossen vorhergehenden Hitze der Himmel in Regen und Donner ausbricht; weilen nemlichmehr Feuchtigkait durch die Krafft der Sonnen in die obere Lufft-Gegenden / hinauff gezogenworden / als daselbst hat verzehrt werden können. Dannenhero hat man in acht genommen /daß die Völcker / so unter dem Æquator wohnen / zur Zeit da die Sonne Tag und Nacht gleichmacht, und ihnen gerad über dem Haupt stehet, stetswehrendes Regen-Wetter haben; und sol-ches ihren Winter, nicht zwar wegen erdultender harter Kälte, sondern wegen dieses beständi-gen Regens / der so lange anhaͤlt / daß sie fast in vier Monaten nichts von der Sonne zu Gesichtbekommen / zu nennen pflegen. Welches auch weil es denen alten Welt-Beschreibern nichtbekant und wissend gewesen, so haben dieselbe vorgegeben, die Länder in dem durren Erdstrichseyen gantz unbewohnbar; da doch nirgend auf der weiten Erden mehrere / grössere und volck-reichere Staͤdte / als daselbsten zu finden seyn. Ja / wer solte es glauben? daß in dem duͤrrenErdstrich es zwar Wein-Stöcke / aber gleichwolen keinen Wein darumb abgebe / weilen dieTrauben allda wegen der ermanglenden Sonnen-Strahlen / wodurch selbige ausgekocht wer-den müssen / niemahlen zur Zeitigung gelangen mögen. Endlichen kommt nicht weniger nochdiß hierzu / daß allenthalben aus der Erden Dämpff und Nebel heraus gezogen werden; ohn-geachtet doch nicht allenthalben unterirrdische Flammen verborgen stecken.Allein / finden sich ihrer viel / die hierwieder einwenden / daß nach der allgemeinen Mei-nung / deren jedoch Plinius seines Orts nicht beypflichtet / der Sonnen Würckungs=Krafft nichtauf den Grund des Meers, noch auch in die Erde über 10. oder 12. Schuh tieff durchtringe;mithin unglaublich seye / daß von dorten eine so grosse Menge der Dämpffe zu Erzeugung sovieler und maͤchtiger Meteorischer Eintruckungen heraus gezogen werden koͤnnen; zumahlenda der meiste Theil des Erdkreises mit steinigten Gebürgen und Wäldern bedeckt stehe. Soseye ebenfalls offenbahr, daß das Wasser in den Flüssen und Seen, ungeachtet die Sonnedarauf scheine / doch kaum laulecht zu werden pflege; und einfolglich sie durch ihre hitzige Wür-ckungs-Krafft nicht so viel Dünste ausziehen könne, daß darmit die gantze Lufft solte benebeltwerden. Annoch zugeschweigen / daß wohl eben so viel Meteora zu Nacht / als bey Tag sich er-eignen; obschon sodann die anziehende Sonnen-Hitze nicht vorhanden seye.Es wird aber diesem vorgeworffenen Zweiffel leichtlich darmit in Antwort begegnet / daßdie aus solcher 10. oder 12schuhigen Tieffe, biß wohin der Sonnen-Hitze durchtringen solle, aus-gezogene Dämpffe überflüssig genug seyen, theils die Winde, und theils die übrige feurige Bil-der der Meteoren zu formiren: Dann die dichte Erde wird unglaublich dünn; so nur an einemeinigen angezündten Pulver=Körnlein sich wahrnehmen lässet / als welches auf 125000mahlgrösseres Spatium oder Raum dünne gemacht wird. Und mögen auch hier die Gebäude / stei-nigte Gebürge und Wälder nicht das geringste hindern: Dann es haben diese Dinge gleich-falls ihre Aushauchungen; und die Sonne durchwandert alles mit ihrer Krafft. Ja/ es ist eben-mäſſig
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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