720 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Diese ist in hohem Grade bevorzugt und daher ist kein geringer Teil Pris-cians in das Werk hineingearbeitet worden und zwar mit häufiger Namens-nennung der Quelle. 1 ) Die benutzten Abschnitte aus Priscian sind in kleineStücke zerlegt und dabei sind auch, wie Goetz nachwies, 2 ) Schoben be-nutzt worden und Papias hat seine Artikel aus Priscian öfter mit Notizenaus dem Liber glossarum kompiliert. Doch hat sich Papias weder in deneigentlichen Glossen mit dem Liber glossarum noch in seinen grammatischenBemerkungen mit Priscian begnügt. Vor allem scheint er eine Placidus-überlieferung selbständig benutzt zu haben, da sich viele seiner Stellen,die hiervon abhängig sind, nicht im Liber glossarum zu finden scheinen.Ich erwähne hier Bollona 21 b2 , Cetarii 31 bl , Conclassare 37 a2 , Ilasena 70 bl ,Magmentum 95 bl , Plotus 128« \ Poemaneum 128 a2 , Polyloquus 128 bl , Po-■mones 128 b 2 , Prolicta 135 b 1 , Eedimiae 144 a 1 , Regumen 146 a 2 , Somptophanech164 b2 , Soristica 165 al . Aber auch andre Grammatiker werden angeführt,wie Donatus 178 ba Transtra, Charisius 24 il1 Cambio (bis campsi ponit Cari-sius), s ) Diomedes 135 bl Prolepsis, und Caper 146 bl Bemedior. Auch Serviuswird zitiert, so 33 b2 Classes, 47 al Dies, 165 b2 Messis; benutzt wird er aberauch 26 bl Carminum für die Versmale bei Horaz, und 149 al Ropalicus hexa-meter (Centimeter). Weniger treten bei Papias Dialektik und Rhetorik her-vor, obwohl die Artikel zu beiden Disziplinen einen ziemlichen Raum ein-nehmen. Dagegen ist das Quadrivium in manchen Beziehungen reichlichervertreten, wenn man von der Musik absieht. Aus dem Gebiete der Geo-metrie sind geographische Abschnitte und Artikel sehr zahlreich, wobeibesonders Italien behandelt wird; 4 ) nur selten wird Deutschlands gedacht,wie etwa in der falschen Erklärung 149 bl Ruteni flavi i. e.Flandrenses po-puli. Sehr groß aber ist das Interesse des Papias für Medizin, und im Zu-sammenhang damit erscheinen sehr viele Pflanzennamen mit Angabe derbetreffenden Heilkräfte. Reich ist auch die Zoologie vertreten, freilich neigthier der Verfasser durchaus zu der christlichen Mystik des Physiologus,aus dem eine ganze Menge angeführt wird. Kirchliche Dinge erfreuen sichauch großen Interesses, und ebenso stark berücksichtigt er die antike Mytho-logie, die namentlich aus dem 4. Buche von Augustins de civitate dei vor-getragen wird. So setzt sich das ganze Lexikon aus Artikeln zusammen,die auf die Artes liberales und auf weitere Disciplinen Rücksicht nehmen,welche zum Unterricht in der Schule gehörten. Dabei spielt aber auchdas Griechische keine geringe Rolle, denn Papias hat aus einem lateinisch-griechischen oder aus mehreren solchen Glossaren eine sehr große MengeLemmata mit Erklärung ausgezogen und in seinem Werke untergebracht.Er selbst konnte jedenfalls nicht Griechisch, denn in diesen Erklärungensteckt eine Menge Unsinn und seine angeblichen Zitate aus Hesiod undTheokrit haben sich als späte Interpolationen erwiesen. 6 ) Aber auch sonst
') So Calchas f.23 bl , Cah/bs2S h2 , Cam-pester 24", Poemaneum 128 a2 , Rito 148t>',SlipsWl* 2 . To agatmiVn**.
2 ) a. a. 0. S.278.
3 ) Benutzt wird er auch 156 al Sed per dscribi debent, antiquitus enim sedum dice-batur und 75 a 2 Jbus antiqui dicebant pro
Ins Ulis.
4 ) Außerdem namentlich die aus Vergilund andern Dichtern bekannten Namen.
6 ) Dies wird wohl auch der Fall sein mitdem Zitat aus Diodor bist. VI s. v. Curesf. 42» 1 und mit der Anführung aus Catulls. v. Hymen 73 a2 (Cat. 62,5).