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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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718 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Werke Papias anführt. Darauf hat schon Denzinger in seiner Ausgabevon Bruno aufmerksam gemacht und jedenfalls mit Recht angenommen,daß bei Heinrich III. (wie bei Otto IL) nicht die Regierungsjahre, sonderndie Jahre seit seiner Königskrönung (1028) zu zählen sind. So würde sichfür Papias das Jahr 1040/41 als Beginn seiner Arbeit ergeben. Da er aberzehn Jahre hierzu brauchte, so würde man für die Ausgabe auf 1050/51kommen; doch kann Bruno diese nicht benutzt haben, da er schon 1015starb. Entweder hat daher Bruno eine frühere Redaktion des Lexikonsbenutzen können, oder Papias hat die kritischen Zeichen in einer andernvor das Lexikon fallenden Schrift behandelt, die dem Bruno vorgelegenhat und für uns verloren ist. Ich möchte beinahe den ersten Fall annehmen.Da Papias in der Vorrede selbst sagt, daß er an der Vollendung seinesWerkes, soweit ihm Gott Zeit gebe, weiterarbeiten werde, so ist es nichtausgeschlossen, daß er schon eine frühere Ausgabe veranstaltet hat. 1 ) Manwürde also mit der im Druck 2 ) vorliegenden Gestalt des Werkes etwa aufdie Mitte des 11. Jahrhunderts als Zeit der Beendigung des Lexikonskommen. Papias war selbst Kleriker, das geht aus der zweiten Hälfte derVorrede deutlich hervor und ergibt sich auch daraus, daß er sagt, Väterund Brüder hätten ihn um die Abfassung des Werkes gebeten; außerdemaber bezeugen das die sehr zahlreichen theologischen Quellen, die er fürsein Werk benutzte, sowie das große Interesse, das er für die hebräischeSprache gehabt haben muß, denn er erklärt allerorten biblische Ausdrückeund Namen. Dem steht in keiner Weise entgegen, daß er zwei Söhne hatte,denn der italienische Klerus war im ersten Drittel des 11. Jahrhundertsgroßenteils verheiratet. Vielleicht hängt damit sogar seine Verbannung zu-sammen, denn er schreibt in der Widmung an seine Söhne, daß er sieeigentlich persönlich habe unterrichten wollen, er habe das aber nicht ge-konnt, da er seiner Sünde wegen für eine Zeit entfernt von ihnen lebenmüsse. So habe er die Grundbegriffe des Wissens zu ihrer Bildung zu-sammenzustellen sich entschlossen und zwar auf ihre und einiger Väterund Brüder Bitten und auf den Wunsch anderer hin. Sein Werk sei längstvon vielen anderen vorbereitet und von ihm selbst in etwa zehn Jahrenvollendet worden, und er werde mit Gottes Hilfe weiter an seiner Ver-besserung und Vollendung arbeiten. Im zweiten Teil der Vorrede wird mitaußerordentlich schwülstigen Worten denen, die gut über sein Werk dächten,Lohn, den Tadlern aber die göttliche Strafe verheißen. Am Schluß bittetder Verfasser, daß alle seine Leser seiner in Liebe eingedenk sein undGott um Verzeihung für seine Sünden bitten möchten.

Elementarium doctrinae rudimentum. Mit diesem Titel hat Papiassein Werk bezeichnet. Er scheint in den Handschriften nicht häufig zu be-gegnen, da ich ihn in einer großen Zahl Aufschriften aus mittelalterlichen

') Diese würde dann eine andere Zahl vonHeinrichs III. Jahren tragen. Es wäre dahervon Interesse, daß die sämtlichen Hand-schriften hierauf untersucht würden. Uebrigensliegt der Fall ähnlich bei Gerard von Czanäd,der kurz nach 1040 den Papias benutzt hat

(s. unter Gerard). Vielleicht ist aber bei Pa-pias statt XIII nur III zu lesen.

2 ) Daß die drei Venediger Drucke aus derMailänder Ausgabe (ed. princ.) stammen, hatGoetz, Münchner SB. 1903 S. 268 dargelegt.