Alphanus I. von Salerno. 631
Prafekt Julianus die Christina in einen Sonnentempel bringen ließ, wo aufeinem erhöhten Platze eine goldne Sonne sich um die Zeichen des Tier-kreises bewegte, was der Verfasser dann mit drei Halbversen rekapituliert,die sich bei Ovid (Met. 2,107 ff.) finden und dort vom Sonnenwagen desPhoebus gebraucht werden. 1 ) Jedenfalls spielen sich in dieser zweiten Hälftedes Werkes die wunderbarsten Vorgänge ab, denn zunächst wird jenes Kunst-werk auf Befehl Christinas von einem feurigen Dämon zerstört und derPräfekt getötet. Als man sie darauf in einen feurigen Ofen wirft, bleibtsie natürlich unversehrt. Da befiehlt der Richter, daß ein Zauberer zweiDrachen auf sie loslasse, aber der Zauberer wird getötet, und damit dasumstehende Volk an Christus glaube, wird er durch die Heilige wieder zumLeben erweckt. Endlich wird sie in den Hippodrom gebracht und dortdurch Pfeilschüsse getötet. Im ganzen betrachtet, liest sich das Werk ganzgut, fällt aber doch ganz aus der Zeit heraus, die es darstellen will.
Eine geringere Bedeutung für uns hat ein noch nicht besprochenesWerk des Alphanus, das aber nicht übergangen werden kann, da es dasliterarische Bild des Mannes vervollständigt. Es handelt sich um die Über-setzung der Schrift negl cpvoeuK ävdgomov des Nemesius Emesenus insLateinische. Diese Arbeit erklärt sich aus den medizinischen Studien desAlphanus und scheint einem Fürsten gewidmet zu sein, unter dem ichGisulf von Salerno verstehen möchte. In der vor Schwulst oft kaum ver-ständlichen Vorrede spricht der Verfasser zunächst von der Vernunft, diedem Menschen die Herrschaft über die andern Wesen gebe und die ergebrauchen müsse, und kommt dann auf sein Werk, das er Prepnon fisicon,lateinisch Stipes naturalium benennt und das vom Menschen seinen Ausgangnehme. Er bittet in gewohnter Weise den Adressaten, Fehlendes darin zuergänzen, Überflüssiges auszuscheiden, Fehlerhaftes zu berichtigen und denVerfasser vor der Mißgunst von Neidern zu schützen. Die Übersetzungist im allgemeinen genau und sicher und läßt erkennen, daß Alphanus dasGriechische beherrschte. Sie ist übrigens wichtig für die Überlieferung desNemesius. Die Sprache des Verfassers bewegt sich hier auf einem ganzandern Gebiet als sonst, sie enthält viel Fachausdrücke und gebrauchtnicht wenig griechische Wörter in lateinischer Form, daneben auch eineMenge seltene lateinische Worte und Wortbedeutungen. Die abweichendeOrthographie mag aber mehr späteren italienischen Abschreibern als demÜbersetzer selbst verdankt werden.
Man hat also in Alphanus einen literarischen Charakter vor sich, der imGegensatz zu früherer salernitanischer Schriftstellern den Zusammenhang mitdem griechischen und römischen Altertum keineswegs verloren hat, sondernbei allen mittelalterlichen Besonderheiten sowohl nach Inhalt wie nach Formseiner Werke sogar in sehr regen Beziehungen zu ihm steht.
Zeugnisse. Die hohe Abstammung ergibt sich aus dem Bericht Leos von MonteCassino in der Chronik des Klosters und aus der zeitigen Erhebung zum Erzbischof. Diewichtigsten Angaben über das Leben des Alphanus macht Leo im Chron. monast. Casin. 3, 7(MG. SS. 7, 701, 29 ff.). Dort heißt es zum Jahre 1055 Desiderius . .. Salernum perrexit.lbiitaque illo aliquandiu remorante Alfanus quipostmodum eiusdem civitatis archiepiscopatum
l ) 1280A ist rudern et indigestam materiem ebenfalls aus Ovid (Met. 1, 7) genommen.