Alphanus I. von Salerno. 621
der letzteren läßt erkennen, daß ihr Verfasser sorglich bemüht gewesenist, die Verehrung der Heiligen beim Klerus wie beim Volke zu erhaltenund weiter auszubauen. Doch hat ihn zum Dichten nicht nur der eigneAntrieb bewogen, er wurde auch von andrer Seite dazu aufgefordert, wieer dem Bischof Pandulf von Marsicanum auf dessen Bitte zwei Hymnenauf die hl. Sabina mit einem Geleitgedicht übersandte, in dem er sich beiihm entschuldigt, daß ihm das daktylische Metrum zu schwer gefallen sei,weshalb er diesen Gedichten ein Hymnenmaß gegeben habe. Da nun beideHymnen in lyrischen Maßen verfaßt sind, so möchte man hier fast einestolze Bescheidenheit des Dichters annehmen, der den geläufigen Hexa-meter zugunsten des schwierigeren Odenmaßes verschmähte. Doch könnenwir uns hier über diese Gedichte auf Heilige verhältnismäßig kurz fassen.Man macht fast bei allen die Beobachtung, daß sie, die entweder eine ganzzusammengedrängte Geschichte des Heiligen oder auch nur einen kleinenAusschnitt aus seinem Leben geben, fast nur dann verständlich sind, wennman daneben die Vita oder Passio des Heiligen gebraucht, aus "der sienur kurze Auszüge darstellen, die sich zuweilen fast mit einzelnen Stich-worten begnügen, als sollten sie Erklärungen für Bilder sein. Und das hatseinen Grund darin, daß man es meist nur mit Lokalheiligen von Salerno 1 )oder Umgegend zu tun hat, deren Geschichte dort völlig bekannt war.Und schon oben machte ich darauf aufmerksam, daß Alphanus sich meistder aus Boethius und Prudentius bekannten lyrischen Maße und Strophenbedient: seine Gedichte sind metrisch gebaut und nicht rhythmisch undes zeigt sich in ihnen eine höchst beachtenswerte Kenntnis der Prosodie.Seine jambischen Senare neigen allerdings zuweilen zum Akzentuieren, be-sonders N. 18, wo schon Ughelli eine ähnliche Bemerkung gemacht hatte; 2 )vielleicht hat man es hierbei wegen der geringeren prosodischen Strengeund wegen des auf Monte Cassino gehenden Inhalts mit einem Jugend-gedicht zu tun. Und doch entrichtet auch Alphanus in seiner hagiographi-schen Lyrik seiner Zeit den ihr gebührenden Zoll, denn er sucht bei allerstrophischen Gliederung den Reim zweier aufeinander folgenden Verse oderauch der ganzen Strophe. Allerdings hat man es häufig nicht mit reinemKeime zu tun, dieser wird oft durch einfache Assonanz der Endsilben er-setzt, eine Erscheinung, die auch sonst nicht selten ist. So verbindet sichin seinen Gedichten — denn an den berührten Erscheinungen nehmen alleseine poetischen Werke teil — die strengere antike Form mit den mittel-alterlichen Bedürfnissen.
Es folge nun hier eine kmze Inhaltsangabe und zwar nach der Reihenfolgedes Druckes bei (Ughelli-)Migne, da eine genauere zeitliche Ansetzungbei den einzelnen Stücken erst nach eingehender Untersuchung möglichsein wird. An den Anfang aber stelleich ein Gedicht, das in den größerenSammlungen von Alphanus' Werken überhaupt fehlt. Vielleicht stammt esaus seiner Jugendzeit, wohin sowohl seine Überlieferung weist und was sichauch aus der devoten Anrede an den Cassineser Mönch Roffrid ergibt, dem
! ) Vgl. 10,5, 1 (Migne 147,1227) Secura i 2 ) Vgl. die Üeberschrift bei Migne 147,tarn concivibits Sancti, Sahrne, dulcins, Praebe ' 1233 B.■ ■ ■ praeconium.