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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Egbert von Ltittich. 537

auf das Mittelalter zurückgehen; diese drei Elemente sind aber nicht ge-sondert, sondern die einzelnen Stücke sind bunt durcheinander geworfen.Formal besteht die jüngere Prora aus 23 Tristichen und aus 81 Gedichtenvon vier und mehr Versen. Sie hat auch insofern mit der Puppis gleicheForm erhalten, als die einzelnen Stücke wie einst die von den Angelsachsengedichteten Rätsel Überschriften besitzen. Und unzweifelhaft hat Egbertdiese Form des Rätsels gekannt, denn Sigebert nennt sein Werk de aenig-raatibus rusticanis librum und dieser Titel versteckt sich, wie E. Voigtdarlegte, 1 ) ja auch in der Vorrede zu dem Werke. Die ältere Prora nunist wegen ihres vorwiegend subjektiven Charakters hervorragend wichtig,da sie einen tiefen Einblick in die Weltanschauung des Dichters und seinerZeit gewährt. Dagegen ist die jüngere Prora, literarhistorisch betrachtet,doch noch wertvoller, da sich in ihr die Fabel der Alten in der satirisch-humoristischen Weiterentwicklung des deutschen Mittelalters zeigt. Sehrverschieden ist die Anlehnung des Dichters an seine Vorbilder. Zuweilenführt er deren genaue Wortfolge an, öfter aber benutzt er nur den Ge-danken und zerdehnt die ursprünglich kurze Stelle durch Einfügung rhe-torischen Zierats zu größerer Breite. Im allgemeinen hat er sich nicht anFlorilegien, sondern an die älteren Schriftwerke selbst gehalten, 2 ) und eslassen sich bei Abzug aller entlehnten Elemente doch über 200 einheimischeSprichwörter und Beispiele in der Sammlung nachweisen.

Die Überlieferung in der einzigen Handschrift bietet nun bis zur ProraVs. 401 eine nicht geringe Menge von Scholien und Glossen zum Texte;sie gehören aber nicht einer späteren Zeit an, sondern sind durch zweivon den zwölf Schreibern des Werkes hinzugesetzt worden, wie Voigt an-gibt. 3 ) Also haben sie schon in der Vorlage gestanden; daß sie aber vonEgbert selbst verfaßt worden seien, 4 ) hat Voigt mit großer Wahrschein-lichkeit zurückgewiesen, wie er auch darlegte, daß der Scholiast jedenfallsdie ganze Dichtung gekannt hat. Es ist danach möglich, daß der Ver-fasser der Scholien seine Arbeit auf die ganze Dichtung erstreckte, daßaber diese wertvollen Erklärungen nur zum Teil abgeschrieben wordensind. Sie finden sich also nur im monostichischen Teil des Gedichts undgeben hier regelmäßig eine ziemlich wortreiche Umschreibung des Sinnsder einzelnen Verse. In den späteren Partien finden sich nur einige wenigeGlossen. Die Scholien sind deshalb besonders wichtig, weil sie ungemeinviel zum Verständnis der in die kurzen Monosticha gekleideten Sprüchebeitragen, von denen manche ohne die Erklärungen unverständlich wären; 5 )und es ist daher wohl möglich, daß diese Scholien von einem Schüler Eg-berts nach dessen mündlichem Vortrage aufgezeichnet wurden.

E.Voigt hat sich nun mit der Anlehnung Egberts an antike, christ-liche und mittelalterliche Vorbilder und mit der Ausscheidung der be-

. ') a. a. 0. p. XXI. Die Ueberschriften zu?Jüngeren Prora (p. 163 ed. E.Voigt) Modosensus in tribus versibus und p. 1G8 De quat-Uwr versiculis et reliquis indifferenter positislehnen sich wohl auch an die Disposition vonAldhelms Rätseln an, die sich nach der Vers-

zahl richtet. ' benedictionum

'-) Vgl. Voigt a. a. 0. p. LVII1.

3 ) a. a. 0. p. VII (vgl. p. VI).

4 ) R'. Peiper (Ztschr. f. deutsche Philo].25, 427) denkt an einen Schüler Egbeits alsVerfasser.

5 ) Also ähnlich wie in Ekkehaits IV. Liber