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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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458 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

geschichtlich gehalten: Hunnen und Wandalen haben bei ihren Raubzügenin Gallien, Belgica und Germanien die Jahrbücher und die Lebensbeschrei-bungen der heiligen Männer verbrannt, so daß man von diesen nur nochdie Wunder fühlt; aber ihre Abkunft und ihr Leben nicht mehr kennt. Unddazu erschienen später die Normannen und verwüsteten die gallischen Grenz-gebiete ebenfalls. Zu den Heiligen jener Zeit gehört nun auch Veronus,dessen Leben zwar unbekannt ist, über dessen Wunder er aber schreibenwolle. Während der vielfachen Unruhen unter der Regierung Kaiser Hein-richs II. lag im Gau ßrabant im Dorfe Lembec der Leib des hl. Veronus.Dieser machte sich einem Priester mehrmals bemerkbar, da er zu größererKenntnis unter den Menschen gelangen wollte. Endlich offenbarte er sichauf gewaltsame Weise und nun endlich wurden seine Gebeine erhoben undin ein würdigeres Grab gelegt. Da blieben denn auch die Wunder nichtaus, mit denen die ganze weitere Biographie (Kap. 4-20) angefüllt ist.Hierbei wird an einer Stelle (7) auf einen Mann namens Asceric verwiesen,der zu einem der Geheilten in naher Beziehung stehe und noch am Lebensei. Die Wunderberichte erhalten übrigens durch ganze Verse oder Versteileaus Vergil, Sedulius und Boethius öfters einen lebendigen und poetischenAnstrich, sind aber sonst ganz im hagiographischen Stil gehalten. Erst imletzten Kapitel erzählt Olbert, daß Graf Raginer, um den Heiligen vor denausgebrochenen Kriegsunruhen zu schützen, dessen Leib nach dem Klosterder hl. Waldetrudis zu Mons habe übertragen lassen. Das geschah, wieHolder-Egger l ) nachwies, um das Jahr 1015 und Olbert hat seine Arbeitzwischen 1015 und 1020 verfaßt; er nennt sich nämlich in der Widmungnur Abt von Gemblous und er hat die Abtei St. Jakob zwischen 1018 bis1020 erhalten. Der Verfasser bedient sich einer einfachen und meist gutenSprache, allerdings kehren dieselben Ausdrücke und Phrasen öfters wieder.Die ganze Erzählung ist, wenn auch aufgebauscht, dem Stoff angemessenund der Stil ist ausdrucksvoll und lebendig; nach Sitte der Zeit macht sichdie Reimprosa stark bemerkbar. Von weiteren Schriften Olberts ist nichtsüberliefert, er starb sieben Tage nach seinem alten Mitschüler Wazo imJahre 1048. In der reichen Literatur des Bistums Lüttich wird seiner häufigund stets mit großer Verehrung gedacht.

Zeugnisse. Zum Leben vgl. Sigeberti gesta abb. Gembl. 26 (MG. SS. 8,536,1) Olpertumnobis quartum abbatem Substitut delegerunt . .. Is in confinio Sambrensis pagi villa qaaeLederna vocatur natus est parentibus, quantutn od seculum non infimis ... In coenobioLaubiensi a puero . . . regülariter nutritus et in studiis litterarum adpritne eruditus .. Hieubi ex ore Hcrigeri Lobiensium abbafis . .. aliquid de septiformi sapore artium bibit, süimstudii sui extinguere non potuit . .. Kam et Pavisius aliquandiu apud s. Germani operamdedit et studio et sanetae . . . religioni. Apud urbem Tricassinam friennio studuit, ubi gratavice et multa ab aliis didicit et prudenter alias doeuit. Sednec Fulberti Carnötensis episcopieum subterfugil audientia, quem in peritia liberalium artium tota praedicabat Francia. At. . . ad alvearium coenobii sui est regressus ibiqiie vivebat religiöse Studiosus et studiose reli-giosus. (c. 26 p. 536, 16) Ea tempestate Burchardus quidarn in Wormacensi civilate datuseralepiscopus . .. Is Baldrico iuniori Tungrensium episcopo fiducialiter mandat . . . ut sibi aliquemlitterali scientia praeditnm dirigat, cuius ope et doctrina ipse in eruditione scripturarumproficere valeat . . . et tandem ad hoc nullus Olberto magis idoneus invenitur et ... ad urbemVangionum dirigitur . Quod vel in hoc satis probari poterit, quod opus s. ecclesiae nimisutile elaboravif, dum Olberto dietante et magistrante magnum iUud canönum opus centoni-

Vgl. MG. SS. 15,752 n.8.