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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Dritter Abschnitt. Hagiographie. 415

Kürzungen zusammenfaßten und zum Vorlesen bei den Mahlzeiten gebrauchtwurden. Wohl mag mancher hochgebildete Kleriker über diese Dinge seineeigne Überzeugung und Meinung gehabt haben, aber dem allgemeinen Stromließ sich nicht entgegenschwimmen. Man möchte sagen, daß der Heiligen-roman zu einer Hauptdichtart geworden ist, die in der Mitte zwischenKunst- und Volksdichtung stand. Denn an ihr nahm der Aberglaube desVolkes, der dadurch auf ein ungefährliches Gebiet geleitet wurde, auf daslebhafteste teil, der schlichte Geistliche, der Sohn des Volkes, fühlte sichdazu hingezogen und die Klöster und Kirchen hatten ihren Vorteil davon.

In Metz verfaßte man vielleicht um 963 ein Leben des alten BischofsChrodegang, das inhaltlich ganz unbedeutend ist. Rather schrieb eine VitaMetronis, eines alten Priesters der Stadt Verona. Letald von Micy gabeine chronologisch etwas festere Überarbeitung der alten Vita Iuliani. DasLeben Adalberts, des alten Stifters von Egmond, beschrieb der MettlacherMönch Ruopert. Abbo von Fleury wurde durch eine Erzählung Dunstansveranlaßt, das Leben des hl. Eadmund darzustellen. Adso veranstaltete beiseinem Aufenthalt in verschiedenen Klöstern Neubearbeitungen des Lebensder hl. Frodobert, Waidebert, Bercharius, Mansuetus und Basolus und stelltedie Wunder des hl. Aper dar. Folcuin von Laubach beschrieb das Lebendes hl. Folquin, eines Bischofs von Therouanne, Wulstan von Winchesterstellte das Leben seines Lehrers Ethelwold dar. Fulbert von Chartres be-schrieb das Leben des Autbert von Cambrai und vielleicht des hl. Aegidius,Johannes von Amalfi übersetzte aus dem Griechischen allerhand Mönchs-geschichten, besonders nach dem Pratum spirituale des Johannes Moschos.Eine stilistische Umarbeitung der Vita Pirminii gab ein Mönch des KlostersHornbach heraus. Theoderich von Trier schrieb die Übertragung des hl.Celsusund Theoderich von Fleury setzte ein Leben Papst Martins zusammen,schrieb eine Passio Tryphonis et Respicii, eine Vita Firmani, die IllatioBenedicti nach Fleury, Olbert von Gembloux verfaßte eine Vita Veroni, ohnevom Leben des Heiligen etwas zu wissen. In Mainz entstand zu St. Victoreine wenig genügende Passio Bonifacii. Bern von Reichenau überarbeitetedie ältere Vita Udalrici und das von Gebhard verfaßte Werk über diesenHeiligen und das gleiche tat Rainer von St. Ghislain mit dem Leben desStifters, der Vita Gisleni. Bertha, die Schwester des Abtes Wolfhelm, verfaßtedas Leben der Adelheid, der Stifterin des Klosters Vilich, Gozwin von Mainzbrachte aus alten Quellen eine fast nichtssagende Passio Albani zusammen.Das Leben der beiden alten Trierer Erzbischöfe Liutwin und Basinus verfaßtewahrscheinlich Thiofrid von Echternach und das Leben des Märtyrers Konraderfand der Mönch Theoderich von Tholey. Endlich verfaßte Waifar von Salernoeine Vita Seeundini, eines Bischofs von Troja und eine nur fragmentarischüberlieferte Vita et passio Lucii papae, während zu etwa gleicher Zeit Alphanusvon Salerno die Vita Christinae darstellte, und Otloh von St. Emmeram eineVita Bonifatii und das Leben der Heiligen Alto, Nicolaus und Magus abfaßte.

Berner von St. Remi schrieb eine Vita et translatio Hundegundis, derStifterin des Klosters Humblieres. Johannes von St. Arnulf brachte das Lebender hl. Glodesindis, der Stifterin von St. Glossinde in ein neues Gewand undschrieb die Wunder dazu. Ein früherer Lehrer des Klosters Brogne verfaßte