Gerard von Czanad. 79
Bibelanführungen einführt. Außerdem benutzt er Chalcidius, wo er vonder verschiedenen Gestalt des Mondes spricht (p. 122). Batthyany machtferner an zwei Stellen geltend, daß der Wortlaut mitPapias übereinstimmt,und zeigt an vielen Orten den gleichen Gebrauch der Sprache und der-selben Worte wie bei Papias auf. Das könnte zufällig sein, aber jene beidengrößeren Stücke (p. 137 und 291) lassen keinen Zweifel aufkommen, daßein engeres Verhältnis zwischen dem italienischen Grammatiker und demaus Italien stammenden Bischof waltet. Dem widerspricht freilich die Ab-fassungszeit von Papias' Werk und man kann kaum annehmen, daß GerardSchüler des Papias gewesen ist, er muß eher als ein älterer Zeitgenosseangesehen werden. So würde entweder daran zu denken sein, daß die Zeit-angabe bei Papias s. v. Aetas im Druck unrichtig ist, oder daß Gerard ein vordem großen Lexikon erschienenes Werk des Papias vorliegen hatte; und zwarist mir der zweite Fall wahrscheinlicher, da die Sache bei Bruno von Würzburgganz ähnlich liegt. 1 ) Die dreißig Arten von Häresien, die p. 17 ff. aufgezähltwerden, stammen vielleicht aus einer lateinischen Übersetzung des Tlavagiovvon Epiphanius. Mit Namen aber führt Gerard von seinen Quellen Cassiodorund Ambrosius an, während er seinem Terenzzitat die Worte unus ex vestrisvoranstellt. Außerdem werden erwähnt Cicero, und zwar einmal mit derAngabe, daß er die ganze Rhetorik aus dem Griechischen ins Lateinischeübertragen habe, Macrobius, Zeno und Menander, Aristoteles, Plato, Hippo-krates und Galen, Plotius, Chrysippus, Porphyrius, Eucherius, Gregor derGroße und Beda. Öfters spricht er ganz allgemein von Philosophen, unterdenen er wissenschaftlich gebildete Leute versteht, und auch von Gram-matikern. Der Umkreis seines Wissens ist also durchaus nicht so gering,aber er prahlt nirgends damit, und mit Verehrung und Begeisterung sprichter nur von christlichen Schriftstellern, während er fast stets gegen allesAntike ankämpft.
Jedenfalls gehört Gerard zu den eigenartigsten Schriftstellern des 11. Jahr-hunderts sowohl nach dem Inhalt wie nach der Form seines Werkes. Übrigensschreibt ihm Fr. Sansovino 2 ) noch weitere Werke zu, nämlich De laudibusb. Mariae virginis lib. I, Sermonum quadragesimalium lib. I und Homeliarumsollennitatum totius anni lib. I; er bringt aber dafür keine Unterlagen bei,und somit sind diese Angaben zunächst ohne Wert, wenn man auch nachder Deliberatio recht gut annehmen könnte, daß Gerard Predigten ver-faßt habe.
Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. Vita Gerardi (bei Endlicher, Rerum Hungaricarummonumenta Arpadiana p. 205) 1 Gerardus nacione Venetus de civitate Veneciensi natus inpalacio patricie familie und Vita maior Stephani regis 14 (MG. SS. 11,236,25) Ad nutumetiam ipsius servi dei (sc. Guntheri) rex . . . monasterium quod Bei nuncupatur incipiensomnibus bonis düavit; tibi monachus Gerardus de Venetia veniens vitam contemplativam agerecoepit, qui constitutione superna pontifex electus post obitum sancti regis instante turbationechristianitatis ktpidatus est et . . . dignus eff'ectus est consortio martyrum. Zur Darbringungim Kloster Vita 1 p. 205 cum esset annorum quinque . . . parentes obtulerunt eum s. Georgiomartyri cum oblacionibus ad eins monasterium deferentes puerum . . . vestitus est habitu re-gulari. Transacto autem in scholis monachorum quinquennio magister eius consideratosagacitatis eius ingenio mirabatur quod eos qui ipsum prevenerant sciencia preveniret, Auf-
') Vgl. unter Papias und unter Bruno von 2 ) Descriptio civitatis Venetae lib. XIII
Wiirzburg (S. 72). | fol. 227. Vgl. hierzu Batthyany p. VII adn. c.