Adaiger. Gezo von Tortona. 53
er in der Vorrede sagt, schon mündlich sich mit ihr ins Einvernehmen ge-setzt und ihr auf ihr "Verlangen christliche Belehrung zukommen lassen.Auf ihre Bitte verfaßte er dann eine Schrift in fünfzehn Kapiteln, die erAdmonitio nannte. Er geht hierbei von der Liebe aus und kommt dannan der Hand alter Schriften auf die Demut und den Gehorsam zu sprechen,die er durch Geschichten aus den Vitae patrum seiner Schülerin erläutert.Über die Enthaltsamkeit im allgemeinen äußert er sich an der Hand einerStelle der Historia tripartita, während er ihre einzelnen Arten 1 ) durch Bei-spiele aus den Vitae patrum und der Historia tripartita sowie aus Gregordem Großen erweist. Die gleichen Quellen benutzt er für die Erläuterungder Mäßigkeit und der reuigen Gesinnung sowie der Beschaffenheit desGebetes. Für den Kampf der Laster gegen die Tugenden wird Josephusverwendet, Isidor für die Ermahnung zum Bibellesen. Die zwei Schluß-abschnitte über die Ermahnung zur Geduld und über die Hoffnung aufVerzeihung der Sünden beruhen fast ganz auf der Historia tripartita, dieneben der Bibel und den Vitae patrum den Hauptstoff für das Werkchengeliefert haben, das Selbständigkeit ganz vermissen läßt und sich großen-teils aus Exzerpten zusammensetzt.
Zeugnisse. Der Titel des Werkes in Pez' Ausgabe heißt Adelheri episcopi admonitioad Nonsvindam reclusam. 2 ) Zu Adaiger s. Hist. litt. 5, 649. Sein Verhältnis zu Nonsvinds. Migne, Patrol. 134,915B Memor igitur sunt . . . omnis studü tut . . . dum tecum de animaetuae sermocinarer profectu; zur Bitte ib. Tucte non immemor piae petitionis, 0 carissimamaier, tibi ut rogasti scribere studui. Novi enim ardorem animi Uli erga scripturas divinas,novi tibi inesse Studium legendi. Zum Titel col. 916 B Quem sermonem ideo singulari numeroadmonitionem voco, quia quamvis multae sint virtutes . . . ad unam tarnen pertinent viam.Die Darstellungsweise ist äußerst schlicht, da Adaiger zu seinen Quellen keine Zutatenmacht und deren einfachen Wortlaut meist sprechen läßt, wobei es sich häufig um Wunderhandelt. Und diese Materie bringt es mit sich, daß der persönliche Ton fast ausgeschaltetwird, trotzdem sich Adaiger öfters unmittelbar an seine Schülerin wendet, und zwar besondersam Beginn der einzelnen Abschnitte. — Vgl. übrigens Fabricius 1,66.
Ueberlieferung. Das Werkchen ist öfters abgeschrieben worden, wie die Zahl derheutigen Hss. erweist. Genannt wird es im Katalog einer unbekannten Bibliothek (Albeitvon Schiriinge) s. XIII (Wiener Studien 6, 326) Adalgerus ad Nonsvindam und benutzt wirdes im Anfang der ähnlichen Schrift des Albuin von Gorze, die an Heribert von Köln undan Arnald, den Kanonikus von Paris gewidmet ist, daraus ergibt sich, daß die Schrift ausdem 10. Jahrhundert stammt; vgl. hierzu Haureau, Journ. des Savants 1886 S. 685 (daselbstüber den Irrtum von A. Molinier, der Albuins Werk im Trecensis 2247 mit der Admonitioverwechselte). Hss.: Paris. Mazarin 690, Paris. 2867 s. XIV, Virdun. 30, Mett. 234, Vindob 428s. XIII. Monac. 18537 s. XV (aus Tegeinsee), vgl. Haureau, Journ. des Savants 1886 S. 684f.und V.Rose im Katalog der Berliner Meermanhss. zu N. 58. Ausgabe (nach Monac. 18537)von Pez, Thesaurus aneedot. 2,2, 19 ff. (= Migne 134,915—938).
5. Gezo von Tortona.
Gezo war in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts Presbyter zuTortona und trug sich mit dem Gedanken, die Heimat zu verlassen undin der Fremde als Einsiedler zu leben. Davon brachte ihn endlich seinBischof Giseprand ab, der vielmehr in ihn drang, die Abtswürde über dasvon ihm zu errichtende Kanonikerstift zum hl. Martian zu übernehmen, fallser Mönch werden wolle. Gezo ging, obwohl ungern, darauf ein und wurde
') Nämlich die continentia oculorum, locu-tionis und vestitus.
2 ) Im Monac. 18537 a. 1469 f. 158 scheint
(wenigstens nach dem Katalog) zu stehenAdelheri admonitio ad Nonsvindam de laudecaritatis.