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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Erster Abschnitt. Theologie. 19

von Vercelli verfaßte eine Erklärung zu den Paulusbriefen, Bruno von Würz-burg zu den Psalmen, Theoderich von Fleury zu den katholischen Briefenund Gerhard von Czanad schrieb einen ungeheuer weitschweifigen Kom-mentar zu Daniel 3, 5765, verfiel freilich dabei fast in den Stil einer Predigt.Bei dieser exegetischen Tätigkeit kam es aber mehr auf die Umgruppierungdes alten Stoffes und dessen Exzerpierung als auf neue, eigenartige Er-klärung an, die ohnehin, als gegen den rechten Glauben verstoßend, vonvornherein abgelehnt wird. Mit der einfachen Exzerpierung der Werke derVäter begnügten sich aber Odo von Cluni, der Gregors Moralia und inseinen Collationes eine größere Auswahl von Väterwerken in dieser Weisebehandelte, und Burchard von Worms, der in seinem Decretum eine großeSammlung von rechtsgeschichtlichem Material der alten Zeit zusammen-brachte. Homiletische Sammlungen sind in unserem Zeitraum nicht vieleentstanden, dafür hatte die Vorzeit genügend gesorgt. So sind von Rather,Atto, Albvin und Otloh Predigten zu besonderen Gelegenheiten erhaltenund Fulberts Sermones sind zu einer kleinen Sammlung geordnet worden;meist liegen sonst nur einzelne und zerstreute Stücke vor, bis dann im12. Jahrhundert in einer geistig mehr erregten Zeit die hervorragendenPrediger einsetzen, deren Werke sorgfältig gesammelt wurden. Aus derPastoraltheologie sind die Schrift Rathers De nuptu illicito und sein Aus-zug aus dem Beichtdialoge zu erwähnen, ferner Adalgers Ermahnung anNonsvinda, und besonders einige Schriften Otlohs wie der Liber manualisund der Cursus spiritualis, wie überhaupt Otlohs Werke mehr oder minderalle der geistlichen Belehrung und Unterweisung dienen, wobei allerdingsdas pädagogische Element eine große Rolle spielt. Aus vielem Persönlichenund Unpersönlichen gemischt sind endlich die Streitschriften, die sich beiRather, einer äußerst sensibeln und unruhigen Natur, an die zahlreichenKämpfe anschließen, in denen er sein Leben zubrachte, z. B. die Conclusiodeliberativa, das Itinerarium, die Discordia und der Liber apologeticus.Ähnlich liegen die Verhältnisse bei dem streitbaren und heftigen Atto vonVercelli, der richtige Kampfschriften in De pressuris ecclesiasticis und imPolipticum hinterlassen hat. Eine Streitschriftenliteratur im engern theo-logischen Sinne beginnt aber erst seit der Mitte des 11. Jahrhunderts, indemBerengars Auffassung der Abendmahlslehre vielfach auf heftigen Wider-stand stieß und die Gegner zu heftigen Äußerungen veranlaßte, wobei derursprünglich dogmatische Inhalt ihrer Schrift sich mit persönlichen An-griffen und Schmähungen vermischte. Hieran nahm auch Berengar selbstAnteil und zu seinen schon oben genannten Gegnern sind noch Bernoldund Wolf heim zu zähleE. Allerdings hinterließ dieser Abendmahlsstreitkeine tieferen Spuren, da er auf wissenschaftlichem Gebiet geführt wurde,er teilte nur einzelne gelehrte Theologen voneinander. Von ungleich be-deutenderen Folgen war aber der Streit des deutschen Königtums mitdem Papsttum begleitet, da in ihm die Geistlichkeit im allgemeinen Stel-lung nehmen mußte und er, wenigstens in der Folgezeit, zu einem natio-nalen Kampfe sich gestaltete. Davon aber wird erst im folgenden Buchedie Rede sein.