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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Einleitung. \ 7

die Schule die Hauptrolle, aber Leute von eigenartiger, hoher Begabungkonnten doch zu einem eignen, freien und selbständigen Stile gelangen.Und das drückt sich in der Prosa öfter aus als in der Dichtung, die wegender metrischen und prosodischen Regeln und wegen des Verszwanges stetseine gewisse Gebundenheit bezüglich früherer Vorbilder bedingte. Starkzurück gegen die frühere Zeit tritt das Griechisch. Das mag zusammen-hängen mit dem Sinken des Einflusses der Iren auf dem Kontinent. IhreNiederlassungen büßten mehr und mehr ihre frühere Bedeutung ein, ihreReisen auf das Festland werden seltener und damit fallen die Leute weg,die Griechisch verstehen. Und einen Hof von so universaler Stellung, wieihn Karl der Große einst gehabt, gab es nicht mehr. Wohl ruhen die Be-ziehungen des Abendlands zum Orient nicht ganz, aber erst in den späterenJahren Ottos I. kommt eine Zeit, da sie wegen der Verheiratung seinesSohnes mit Theophano lebendiger werden. Das Bindeglied zwischen derlateinischen und griechischen Welt blieb Italien und wenn Theophanosgriechischer Einfluß auf Sachsen und auf ihren phantastisch veranlagtenSohn Otto III. dort als etwas Fremdes, ja Feindseliges empfunden wurde,so war die italienische Politik Ottos II. und Heinrichs II. gegen das Griechen-tum gerichtet. So wurde das griechische Wesen vom nationalen Standpunktin Deutschland abgelehnt. Tiefere Wurzeln hatte aber die Kenntnis dergriechischen Sprache in Frankreich und Deutschland nirgends geschlagen,und nur sehr oberflächliche Beziehungen zu ihr erhielten sich; um dieFremdausdrücke in der Kirchensprache und in der Wissenschaft zu ver-stehen, genügten griechisch-lateinische Glossare und wohl auch die Werkeder Kirchenväter samt Erklärungen. Daher kommt es, daß man in denHandschriften unsers Zeitraumes oder in alten Katalogen nur ganz seltenauf griechische Dinge stößt; am meisten noch sind es griechisch-lateinischeWörterbücher oder kurze Notizen über das Alphabet und über die Aus-sprache der Buchstaben, oder ganz vereinzelt kleine griechische Texte undzwar meist in lateinischer Schrift. Anders war es natürlich in Süditalien,wo diese Sprache lebendig blieb. Hier beginnt ganz am Ende unsrer Periodeeine rasch zunehmende Übersetzertätigkeit, die sich auf Werke der altenÄrzte, Mathematiker und Philosophen erstreckt und durch die das Wieder-aufleben dieser Wissenschaften in den folgenden Jahrzehnten erst ermög-licht worden ist. So wurde durch die Beschränkung des Abendlandes aufdie lateinische Sprache auch eine gewisse Beschränkung in wissenschaft-licher Beziehung bedingt.

Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. II.