434 Zweites Buch. Drittes Capitel.
hatte, wie er auch hier betont, früher mit philosophischenStudien wenig sich beschäftigt; auch sein nahes Verhältnisszu Sinclair hatte ihn nicht zu solchen veranlasst und nament-lich auch nicht in nähere Beziehungen mit dessen FreundHegel gebracht. Erst als dieser nun in demselben Jahr mitihm nach Berlin berufen war, trat er in den Kreis seinerSchüler ein, um dadurch seine allgemeine Bildung zu er-weitern und zu vertiefen und die „allgemeinen, dem gegen-wärtigen Stande der Wissenschaft entsprechenden Gesichts-punkte" sich anzueignen. Nach seinem Entwickelungsgangerscheint es sehr begreiflich, dass er bei diesem seinem Strebenstark durch Hegel sich angezogen fühlte, der ihm bei seinerästhetischen und pädagogischen Geistesrichtung mannigfacheFörderung bot, in dessen constructiver Philosophie er daszusammenhaltende Band für seine vielseitigen Bildungsinter-essen zu finden glaubte. Desshalb wandte er sich, nachdemer in seinen Studentenjahren besonders durch Schleiermacherangeregt war, jetzt dem Philosophen zu, dessen Berufungnach Berlin gerade dieser sein Lehrer befürwortet hatte*);wirkte die Verschiedenheit ihrer politischen Stimmung dazumit, den immer deutlicher zu Tage tretenden Gegensatz zwischenSchleiermacher und Hegel zu verschärfen, so stärkten derLetztere und Schulze sich gegenseitig durch ihre überein-stimmende Würdigung der Aufgaben und Leistungen despreussischen Staates und seines Beamtentbums**). Dass vondieser Verbindung zwischen Beiden auch die Verwaltung despreussischen höheren Unterrichtswesens beeinflusst wurde,hebt, wie wir sahen, auch Schulze ausdrücklich hervor; zu-gleich aber tritt er oft geäusserten Klagen über einseitigeBegünstigung Hegels und seines Systems durch das Alten-steinsche Ministerium entgegen. Und in der That ist nicht
*) Vgl. Köpke, Gründung der Universität Berlin S. 123 f.; Henke,Fries S. 355 ff.
**) Wie Hegel persönlich dankbar war für Schulzes „wohlwollen-des herzliches Interesse" und als preussischer Professor keine Collegenin anderen Staaten zu beneiden fand, zeigen seine Aeusserungen seinerFrau gegenüber in den von seinem Sohn herausgegebenen Briefen II,91. 174.