Humboldts Bücktritt. Universität Breslau. 255
die man auswärts vom preussischen Staate hege: man habeihn in einem Augenblick, wo der deutschen Literatur undselbst der deutschen Sprache sehr viel Gefahr drohe, als einenErhalter von beiden betrachtet. Da aber auf diesem Gebietjeder Stillstand schon Rückschritt und alles erst begonnensei, bedürfe das Unterrichtswesen weiterer sorgfältiger Pflegeund kräftiger Unterstützung; es sei fest darauf zu vertrauen,dass die Section auch ferner jede ihr bewilligte Summe zweck-mässig verwende und durchaus von dem Geist geleitet werde,mit dem man die wichtigsten Zwecke mit dem möglichst geringenAufwände erreiche. Die weitere Beförderung von Aufklärungund Wissenschaft werde die Achtung vor Preussen vermehrenund ihm auf eine politisch durchaus harmlose Weise einemoralische Macht in Deutschland gewinnen. Auch Körnergegenüber äusserte Humboldt das Vertrauen, dass bei denBemühungen seiner Räthe und Helfer auch nach seinemRücktritt die Institute nicht leiden würden, die seiner Sorg-falt bisher anvertraut waren. Und in der That hat nament-lich Süvern eifrig und erfolgreich weiter in Humboldts Sinnfür das höhere Unterrichtswesen Preussens gewirkt. Von ihmwurde die von- Humboldt angeregte genauere Instruction für dieReifeprüfung der zur Universität abgehenden Schüler der Gym-nasien ausgearbeitet und nach eingehenden Berathungen imJuni 1812 veröffentlicht und damit das Lehrziel dieser^An-stalten festgestellt; für die Heranbildung der Lehrer an den-selben war besonders wichtig, dass schon in demselben Jahrephilologische Seminare an den Universitäten Berlin und Bres-lau eingerichtet wurden. Schon im Februar 1811 hatte Süverndie Gesichtspunkte trefflich hervorgehoben, die für die Ver-legung der Frankfurter Universität nach der schlesischenHauptstadt und ihre Vereinigung mit der dort einst unterKaiser Leopold I. von den Jesuiten eingerichteten Akademiesprachen; wirklich war daraufhin schon im Herbst 1811 dieEröffnung der neuen Hochschule in Breslau erfolgt, der erstendeutschen Universität, an der neben einander eine katholischeund eine protestantische theologische Facultät wirkten. Wiedie Berliner Schwesteranstalt war auch sie in das Leben ge-rufen, während schwerster Druck auf dem Vaterland lastete,