Schenkendorf, Görres und ihre Frauen. 183
Freilich keineswegs überall billigte Schulze so wie hier Görres'Verfahren; aber noch hatte nicht klar die Verschiedenheitihrer Auffassung wichtigster Fragen sich entwickelt, nochfühlten sich die meisten Mitglieder dieses Coblenzer preus-sischen Beamtenkreises mit dem rheinischen Tribunen durchihnen gemeinsame nationale Gefühle, Sorgen und Hoffnungenverbunden. Bewunderten sie das Feuer seines Geistes, dieWucht und den unerschrockenen Freimuth seiner Rede, sosprach auch ihnen wie Friedrieh Perthes, der 1816 Coblenzbesuchte, für Görres' „moralischen Sinn" sein Hauswesen undseine Familie, namentlich „seine herzliche einfache gar liebeFrau", die nach Schulzes Worten „zu dem unbeugsamen faststarren Charakter des Mannes einen schönen versöhnendenund mildernden Gegensatz bildete". Als einen besonderenReiz ihres Coblenzer Lebens empfanden bald beide SchulzescheEheleute den Verkehr mit ihr und anderen Frauen, die nichtminder als v ihre eben besprochenen Männer sie anzogen, somit Henriette von Schenkendorf, mit Ernestine von Meuse-bach, zu der Frau Schulze schon von früher her Beziehungenhatte, und mit Marie von Clausewitz, der durch ihre Jugend-freundin die Kurprinzessin Auguste Schulze nachdrücklichempfohlen war; bald erkannte auch er, wie sehr sie „ebensodurch ihren Verstand als durch ihre Herzensgüte und Be-scheidenheit ausgezeichnet" war.
Ausser den Genannten erwähnt Schulze von Mitgliederndes geselligen Kreises,« in dem er sich „jugendlich heiter" be-wegte, noch den ihm schon von Weimar her bekannten MüfiF-ling, der im Mai 1816 in Coblenz eintraf, um dort in denfolgenden Sommern grössere Vermessungsarbeiten zu leiten,von andern Generalen Aster, Braun, Dobschütz, ferner dieAdjutanten Gneisenaus Jasmund, Hansen, Stosch und Tümp-ling, endlich von Civilbeamten den Regierungs-Präsidenten vonSchmitz- Grollenburg, den General-Procurator Eichhorn undseinen nächsten Collegen Assessor Lange, den talentvollen
Private und amtliche Beziehungen der Brüder Grimm zu Hessen II,13 fi. 398 ff. und mit Schulzes Erzählung über die aus Cassel an Görresgerichtete Geldsendung Wilhelm Grimms Schreiben vom 7. Mai 1815iu den Görres-Briefen IL 463.