Schulzes Rede am 15. November 1813. 159
das gerettete Vaterland, dem Hochgefühl eines ganzen wieder-geborenen Volkes" Ausdruck. „Was wir Bewohner dieserGegend viele bange Jahre hindurch gewünscht, gehofft, inheissen Gebeten vom Himmel erfleht, ist gekommen plötz-lich ohne unser Zuthun, ja vielleicht ohne unser Verdienst.Aufgelodert ist die lang verschlossene Kraft des deutschenVolks zur hellen hoffnungsreichen Flamme, schwer gefühlt,klar erkannt und vernichtet der tödliche Einfluss, den derkalte, eiserne, tiefverständige Sinn des hochbegabten, zurGeissei eines erschlafften Jahrhunderts vom Schicksal be-stimmten Mannes auf deutsche Lande und ihre Bewohnerverübte, und wir dürfen den mütterlichen Boden, wo wirgeboren, die ehrwürdigen Berge und Wälder, wo wir mitder vaterländischen Luft auch das tiefe unserm Volke eigen-thümliche Naturgefühl eingeathmet, und die geweihten Stätten,wo unsere Väter kräftig gelebt und demüthig gestorben,ohne Erröthen wieder als die unsern begrüssen, frei auf-blickend zur ewigen Sonne". Aber um „jedes Getrübte,Unsichere und Fieberhafte" aus der Freude dieser Tage zuverbannen, hielt Schulze eine ernste Betrachtung des unseligenZustandes für nöthig, „worin sich das deutsche Volk ge-stürzt durch wachsende Herrschaft gemüthloser Selbstsuchtund feigherzige Zersplitterung seiner angestammten Kraft,durch sklavische Verzweiflung an einem gemeinsamen volks-thümlichen Leben und eitelkindische Liebhaberei fremder Ge-bräuche und Sitten, durch einen seltenen Unglauben, derden blossen von jeder Aussicht in die Unendlichkeit sichverwirrt abwendenden Verstand zum Götzen des Tags er-hob, und durch eine Unvernunft ohne Beispiel, welche selbst-gefällig klügelnd im irren Fieberwahne Hohn sprach jedemschönen gläubigen Gefühl". Denn nur wer tief den Schmerzüber die Versunkenheit des deutschen Volkes durchgefühlt,nur der vermöge auch jetzt die Freude über seine Auf-erstehung in ihrem vollen Umfange zu fassen und ihr diewirksamste Richtung auf alle Verhältnisse des vaterländischenDaseins zu geben. Die frohe Empfindung gelte es „von allemLeidenschaftlichen, Einseitigen, Berauschenden zu läutern,damit die nöthige Fassung und Besonnenheit bleibe, um die