Napoleon bebt die Universität Halle auf. 49
wurde später bemerkt, die Professoren hätten „Schriften her-ausgegeben, welche es sich zur Aufgabe stellten, in denHerzen ihrer Schüler den Geist des Aufruhrs gegen die Fran-zosen zu erregen"; ein solches Werk war aber von keinemHaller Professor veröffentlicht, und hatten Haller Studentenauf falsche Nachrichten über preussische Siege hin früherden Franzosen ein Pereat gebracht und einige bei einer Be-gegnung mit Napoleon sich ungeschickt benommen, so wardoch auch von ihnen damals, wie auch Schulze und Steffensausdrücklich bezeugen, irgend eine Gefahr für das französischeHeer nicht zu besorgen. Es war Napoleons historischerBeruf, durch sein eigenes Thun in den deutschen Ideologendie Gesinnung erst gross zu ziehen, in welcher sie den Kampfgegen ihn als ihre Aufgabe erkannt und durchgeführt haben;mit wie gutem Recht schon im Sommer 1806 Schleiermachergeschrieben hatte, dass der Gegenstand dieses Kampfes unsereReligion und unsere Geistesbildung nicht weniger sein würdenals unsere äussere Freiheit und äusseren Güter, davon musstenjetzt seine Schüler sich überzeugen, als der französische Ge-walthaber sie von dem Sitz ihrer friedlichen Studien hin-wegtrieb, durch einen Federstrich „die schönste wissenschaft-liche Verbindung auflöste, die wohl in langer Zeit existirthaben mag"*).
In den Tagen der ersten Gefahr hatte Schulze in derStadtwohnung der Familie Pollau, im öffentlichen Leihamt,als Wächter gegen feindlichen Einbruch nützliche Dienstegeleistet; da er jetzt, zur schleunigsten Reise unter den schwie-rigsten Verhältnissen gezwungen, auch in Geldverlegenheitsich befand, bot sie ihm einen Vorschuss an; ebenso ge-währte ihm Wolf aus dem Rest des zu seiner Dispositionstehenden Fonds des philologischen Seminars eine ausser-ordentliche Remuneration von 20 Thalern. Er gab ihm zu-gleich eine Karte mit, durch die er ihn allen seinen Freundenempfahl, und tröstete ihn und sich, wie Schulze erzählt,„durch den Hinweis auf die Griechen und Römer, welche ihrebesiegten und gefangenen Feinde als Sklaven behandeln und
*) Worte Adolf Müllers in seinem Brief vom 25. October 1806 S.339.
Varrentrapp, Joh. Schulze. 4