12 Erstes Buch. Erstes Capitel.
Begleitung vieler Stocklaternen in der Familiengruft in derStadtkirche beigesetzt wurde.
Es war der erste tiefe Schmerz, der erste harte Verlust,welcher den zehnjährigen Knaben traf; um so werthvollerwaren für ihn und seine jüngeren Geschwister, zwei Brüderund eine Schwester, die sorgsame Liebe und Thatkraft, welchedie Mutter bei ihrer Erziehung bewies. Am besten konnteein Freund des Verstorbenen, den er selbst zum Vormundseiner Kinder bestimmt hatte, Amtmann Sevecke auf Heidhoffbei Dömitz, das Wesen und Walten der Wittwe beobachten— er wurde dadurch so sehr angezogen, dass er selbst ihrseine Hand anbot; aber so manche Gründe für den befreun-deten Bewerber sprachen, sie konnte sich nicht zur Annahmeseines Antrages entschliessen; feinfühlend und energisch zu-gleich wich sie jeder weiteren Begegnung aus, indem sie zuihren Eltern nach Bruel zog und erst nach Seveckes Todenach Dömitz zurückkehrte.
Bei der schnellen Ausführung ihres Entschlusses bliebihr Aeltester, der in Dömitz die Stadtschule besuchte, hierzurück; er kam in Pension zu seinem Onkel, PastorWenzel, welcher die einzige lebende Schwester seines Vatersgeheirathet hatte. Leider wurde auch er, in dem Schulzenoch später „das Muster eines echt evangelischen Geist-lichen" verehrte, früh dahingerafft; wie sein Neffe erzählt,sah er „seinem Tod, den er sich durch den Besuch einesgefährlich darnieder liegenden ansteckenden Kranken zu-gezogen hatte, in christlicher Demuth entgegen und ver-sammelte seine Gattin, seinen Sohn, mich und die übrigenHausgenossen noch einmal um sein Sterbelager, alle um Ver-zeihung bittend und alle segnend".
Hatte so der Tod auch diesen Verwandten unseremJohannes früh geraubt, so hat dagegen sehr lange auf seinegeistige und sittlich-religiöse Ausbildung einen wohlthätigenEinüuss sein Grossvater und Pathe, der Amtsverwalter Jo-hannes Stute, üben können, mit dem die Mutter seines Vaterssich in zweiter Ehe verbunden hatte. Aus Osnabrück gebürtighatte er in einem grossen Handlungshaus in Altona gear-beitet; von hier hatte ihn Herzog Friedrich in den mecklen-