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Marienbaum als Wallfahrtsort und ehemaliges Birgittinnen-Doppelkloster
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An einer anderen Stelle geht Wierus auf den Zustand dieserNonnen näher ein. Sie wurden, schreibt er, auf eine sonderbareWeise gequält. Die meisten liefen hinaus und blockten und stießenzuweilen schreckliche Töne aus. Mitunter wurden sie von ihrenSitzen in der Kirche verdrängt, der Schleier abgerissen, der Schlundzugeschnürt, so daß sie nichts zu sich nehmen konnten. Bei denmeisten hielt das etwa 10 Jahre an. Die Ursache dieser Tragödieschreibe man einer Jungfrau zu, die in einen ihr verschwägertenjungen Mann verliebt war und die Einwilligung der Eltern nicht er-hielt. Da habe sich der Teufel in der Gestalt des Bräutigams zurJungfrau begeben und sie zum Eintritt ins Kloster genötigt. Kaumin der Klausur, wurde sie wie rasend und gewährte allen einenschrecklichen Anblick. Das Übel habe dann mehrere Jungfern er-griffen, die alle der Überzeugung gewesen, daß jene das große Elendverursacht habe. ')

Höchst wahrscheinlich ist dies dieselbe Nonne, von welcherHopp 2 ) berichtet:1521 ist in diesem Kloster eine Nonne JolandaDammeretz aus Emmerich der Zauberei bezüchtigt und deshalb vonHerzog Johann II. inhaftiert, und hat, ungeachtet verschiedenergeistlicher Personen Intercession, sechs Jahre in der Gefangen-schaft verharren müssen, bis sie, wie etliche wollen, in der Gefan-genschaft gestorben ist. Auch Kaiser Carl V., damals zu Brügge inFlandern, intercedierte für sie am 14. August erwähnten Jahres, je-doch vergebens. Diedrich Westhoff, von 1544 bis 1551 Stadtschrei-ber in Dortmund (Pfingsten 1552 an der Pest gestorben), berichtetin seiner Dortmunder Chronik:Im Jahre 1516 herrschte unter denNonnen im Konvent zu Marienbaum eine unglaubliche Verwirrung,indem sie derartig von Sinnen waren, daß man alle Jungfrauen vomTeufel besessen glaubte. Sie waren durch eine gewisse Jungfraunamens Vlanda Dammeretz von Emmerich durch Feigen und Äpfelmit Hilfe der Dämonen bezaubert." Man sieht daraus, fügt derClevische Brunnenarzt Schütte 3 ) (1694 in Soest geboren, seit 1725in Cleve) hinzu, daß die Vlanda keine Zauberei begangen, sondernmit vergifteten Feigen und Äpfeln die Nonnen so toll gemacht hat,daß man sie für besessen gehalten. Hölterhoff 4 ) bemerkt, daßdiese Flanda Dammers 1516 beschuldigt sei, mit dem Teufel einBündnis eingegangen und die anderen Nonnen behext zu haben.Die Inquisition verdammte sie zu lebenslänglicher Haft in dem tief-sten Kerker des großen Turms zu Dinslaken, in welchem sie 1539noch schmachtete. J. v. Görres schreibt in seiner christlichen My-

') J' Wieri, Opera omnia, editio nova. Amstelodaml 1660 in 4o., p. 443 und 301Vergl. zu Wierus A. Wolters, Konr. v. Heresbach. Elberfeld 1867. S. 149155.

2 ) Kurze Beschreibung des Herzogtums Cleve 1783, S. 155.

3 ) Schütte, msc. im Besitz des Verf. S. 78a. Vergl. Schölten, Beitr. z. Geschichte d.

Stadt Cleve. Cleve 1905, S. 494 ff.Vaterlandskunde Solingen 1841. S. 151.