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vor, so daß wir die eigentlichen Beschwerden nicht erfahren. Je-doch werden wir schwerlich irren, wenn wir annehmen, daß essich hauptsächlich um eigentümliche krankhafte Vorgänge imSchwestern-Konvent handelte, die weithin allgemeines Aufsehenerregten. Von verschiedenen Seiten wurden gelehrte Männer insKloster geschickt, um die Symptome zu beobachten und zu er-gründen.
Auch der bekannte Leibarzt des Herzogs Wilhelm von CleveJohannes Wierus oderWeyer, latinisiert Piscinarius trat der Sachenäher. Zu Grave an der Maas 1515 geboren, hatte er in Paris Me-dizin studiert und einige Jahre die Stelle eines Hofmeisters bei denSöhnen des Königl. Leibarztes Natalis Rumardus in Orleans be-kleidet. Von einer Reise nach Afrika und Kreta in seine Heimatzurückgekehrt, wurde er 1547 Leibarzt am Clevischen Hof. Ermachte sich durch seine Schriften gegen den Hexenwahn bekannt,blieb jedoch selbst teilweise im Aberglauben befangen. Für ihnhatten die Vorgänge im Marienbaumer Kloster einen besonderenReiz. Um zuverlässige Nachrichten darüber zu erhalten, wandteer sich an eine Person im dortigen Kloster und erfuhr, daß vonden gequälten Nonnen, die beinahe 80 Jahre alt seien, noch zweiim Kloster wären. Aus deren Mund habe sie oft gehört, daß siedas Leiden um alles in der Welt nicht hätten entbehren mögen.Es sei eben durch Gottes Zulassung geschehen und sie hätten ver-spürt, daß sie dadurch eine besondere Gnade bekommen hätten.Je mehr gelehrte Männer ins Kloster gekommen und vorgegangenwären, desto schlimmer sei das Übel geworden, so daß sie schließ-lich gestehen müßten, hier sei ein besonderes Werk Gottes. Nun-mehr begab sich Wierus selbst ins Kloster und erzählt folgender-maßen : Als ich ins Kloster gekommen war, begab ich mich zuder einen alten Person, die diese Qualen zehn Jahre erduldet hatte.Sie dankte Gott für die Heimsuchung und meinte, wenn ihr hohesAlter es zuließe, möchte sie das Übel noch einmal erleiden. Dannbat sie mich inständigst, ich möchte doch, wenn ich je zu solchenGeprüften gerufen würde, nie die Exorcismen zulassen. Eine wäreauf Anraten einiger hin mit Ruten gegeißelt worden, was auch jetztnoch von törichten Menschen geraten würde, als ob die Ruten denTeufel geißelten. Die arme Person sei darüber empört und scham-erfüllt geworden, allmählich dahin geschwunden und unter Gesanggestorben. Befragt, weshalb sie denn singe, habe sie geantwortet,weil sie sterbe ohne irgend einen Zweifel an ihrer eigenen Selig-keit. Eine andere lange Zeit gequälte Seele habe sich demTode ga.nz nahe an Gott aufgeopfert und gebetet, er möge mit ihrnach seinem Willen für Zeit und Ewigkeit verfahren, wenn nur seinName dadurch verherrlicht würde. Die Schwestern möchten nachihrem Tod nicht Miserere mei Deus, sondern Gloria patri et filioanstimmen.