— 36 -
stik, ') nachdem er die Erzählung des Wierus wiederholt hat, daßdie Vlanda hernach gefangen und weggebracht wurde, und der Ge-fangenwärter zwei Kinder mit ihr gezeugt habe, worauf sie entlassensei und, mit dem Verdacht des Malefiziums beladen, fortgelebthabe. Einige Seiten s ) später schreibt er, .daß solche Heimsuchun-gen keineswegs notwendig eine Verschuldung zum Grunde haben,zeigt am besten das Beispiel der Birgittinen bei Xanten, die, solange sie gegen den Stachel geleckt, ihr Übel gemehrt gesehen, undnur, nachdem sie in Ergebung sich gefügt, es in eine Ascese über-gehen sahen, die, nachdem sie ihren Zweck erfüllt, von ihnen ge-nommen wurde." Früher 2 ) bemerkt er über Wiers Berichte, daßman dessen Zeugnis als Arzt und Protestant gelten lassen würde,wenn er gleich die Schwäche hatte, an den Teufel zu glauben. *)
Ein Vorspiel zu der Tragödie im Nonnenkonvent lieferte der seligeJesuitenpater Petrus Canisius, das jedoch kaum in die Oeffentlich-keit drang und erst etwa hundert Jahre später von dem Konventu-alen Holstein unter Berufung auf den geistlichen Rat des CölnerErzbischofes Ferdinand von Bayern (1612—1650) namens J. Weyersaus Zwolle mitgeteilt wurde. Demnach wäre Canisius am 21. Nov.1565 auf einer Reise von Cöln nach seiner Vaterstadt Nymegen zuMarienbaum in der Herberge zum Schwan dem Kloster gegenübereingekehrt und habe von der Haustüre aus die beiden Konventebetrachtet und eine sehr große Zahl höllischer Geister über densel-ben gesehen, die von einer solchen Wut entbrannt gewesen, alsob sie ganz Marienbaum hätten vernichten wollen. Darüber ganzentstellt, habe Canisius ein Kreuz nach dem andern geschlagen unddie Worte ausgestoßen: „O, guter Jesus, wie viel Millionen Teufelsitzen auf diesem Kloster!" Die Schwanenwirtin, die dies gehört,aber mißverstanden hatte, habe Canisius angefahren, wie er soleichtfertig urteilen und so fromme Seelen Sklaven der Teufelnennen könne! Canisius habe sodann der Frau den Irrtum be-nommen mit den Worten: „Eben deshalb sehe ich so viele Teufel,mit denen die Birgittinen so tapfer streiten und im Kriege liegen,weil sie Gott so lieb und heilig sind." 6 )
!) Die christl. Mystik. Begensbnrg 1842. IV. Bd. 2 Abt. S. 374.
a ) Ebendas. S. 381.
') Ebendas. S. 369.
*) Sollte man bei den genannten Erscheinungen in Marienbauni nicht an hyste-rische, epileptische Anfälle oder an den Veitstanz (Chorea S. Viti) denkendürfen, der 1374 epidemisch auftrat ? Alle diese nervösen Krankheiten habenin geschlossenen besonders weiblichen Anstalten etwas ansteckendes.
£ ) Sotier Marienboom S. 30.