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Bald nachher traf das Kloster ein anderes Unglück, das leichtfür das ganze Gebäude verhängnisvoll geworden wäre. Ein Laien-bruder, der im Konvent die Buchbinderei betrieb, hatte am 5. Okt.1513 in aller Frühe böswilliger Weise Feuer angelegt, das in kurzerZeit den ganzen Brüderkonvent ergriff und in Asche legte. Mit derBibliothek gingen viele Originalurkunden und Dokumente zugrunde.Zuletzt kam die Kirche und der Schwestern-Konvent in große Ge-fahr, mit vom Feuer ergriffen zu werden. Dank jedoch der wacke-ren Hilfe, die die Gemeinde leistete, blieben diese verschont. DasKloster schrieb die Erhaltung hauptsächlich der Fürbitte seiner Patro-nin u. der h. Agatha zu, die man mit aller Macht der Seele um Hilfeu. Beistand angefleht hatte. Deshalb feierten die Schwertern das Festder h. Agatha alljährlich mit besonderer Feierlichkeit und zündetenan dem Tage 30 rote dünne Kerzen an und 3 stärkere, die auchwährend der Oktav brannten. Am Oktavtage selbst betete derganze Konvent nach Erteilung des Weihwassers 5 Pater noster undAve Maria zu Ehren der Heiligen und gab mit der ihr geweihtenKerze den Segen nach allen Himmelsgegenden. ')
Demütigender und beschämender als die ruchlose Tat des Lai-enbruders wurden für das Kloster Verdächtigungen und üble Nach-reden, die vielfach aus Neid u. Mißgunst stammten und in einemmerkwürdigen Vorkommnis im Schwestern-Konvent und überhauptin dem Doppelkloster Handhabe und Nahrung fanden. Marienbaumwar eben eine Stiftung des Clevischen Hauses und von diesem be-günstigt und protegiert. Durch seine Zucht und Strenge machte esvon sich reden. In kurzer Zeit gelangte es zu einer gewissen Blüte.Da konnte es an Neid, Mißgunst und Verdächtigungen nicht fehlen.Unwillkürlich kommt der Gedanke, ob das Kloster Bedburg beiCleve, das es verstanden hatte, der vom Herzog Johann I. ange-strebten Reformation sich zu entziehen, dabei nicht die Hände mitim Spiele gehabt haben mag? Dort waren tatsächlich skandalöseDinge vorgekommen, die jedenfalls in aller Munde waren. s ) Kurz-um, das Kloster Marienbaum hatte um die Wende des 15. Jahrh.so viel von Bedrängern zu leiden, daß es sich schließlich an PapstLeo X. um Schutz gewandt hatte. Dieser beauftragte durch einBreve vom 18. April 1515 die drei Cölner Dechanten von S. Gereon,S. Cunibert und den Aposteln, eine Untersuchung anzustellen unddie Feinde des Klosters nötigenfalls zu bannen. a ) Leider liegtweder die Supplik des Klosters an den Papst noch dessen Breve
*) Sotier, Marienboom, bl. 29. — Auch in anderen Klöstern zündete man zu Ehrender Heiligen an ihrem Festtag so viel kleine Kerzen an, als Feuerstätten imKloster waren. Vergl. Schölten, das Cistercienserinnen-Kloster Grafenthal. Cleve1899. S. 42.
2 ) Schölten, Das Prämonstr. Kloster Bedburg Cleve, S. 20 ff u. 2 f.
a ) Sotier, a. a. O. bl. 29.