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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
und stritt er für das, was er als den ihm von Gott gewiesenenBeruf seines Lebens erkannte, mit einer unbeugsamen Heldentreue,die ihm die Bewunderung aller Jahrhunderte einbringt. Als Christverkörperte er den christlichen Liebesgeist in einem Maße, dasihm einen Ehrenplatz unter den heiligen Männern der Christen-heit sichert. Mit paulinischer Tatkraft vermählte er johanneischeAndachtsglut, mit prophetischem Donnerwort die frauenhafteZartheit und Innigkeit süßester Jesusmystik. Er war ein Mann,an dem im Leben wie nach dem Tode unendlich gesündigtwurde. Zwar ward er weder selig noch heilig gesprochen,aber auch seine Stunde wird schlagen, wie die des Mädchensvon Orleans schlug, und die Zeit wird nicht ausbleiben, dadie Christenheit eine Höhe sittlicher Betrachtung erklommenhaben wird, auf welcher sie den heldenmäßigen Widerstand, wel-chen er in der Ausnahmezeit höchster kirchlicher Not einem ver-worfenen Oberen entgegensetzte, weit entfernt, ihn fürder als frevleAuflehnung zu verfluchen, als das anerkennen und werten wird,was er tatsächlich war, als sein höchstes Verdienst und seinenstrahlendsten Ruhm. Aber selbst wenn dies nie geschähe — nichtder Altar schmückt ihn, sondern er den Altar. Vielleicht wäre sei-nem Andenken sogar noch viel mehr gedient, wenn sich sein Orden,zu dessen größten Söhnen er zählt, zu der schon so lange ersehntenNeuausgabe seiner Werke, und vor allem seiner Predigten ent-schlösse. Hier loht ein Feuerbrand, der unserer mehr und mehrerkaltenden Erde doppelt vonnöten ist: die heilige Opferflammeder großen Liebe, die zur Rettung des Nächsten aus leiblichem undseelischem Elend alle Kräfte einsetzt und selbst das Leben nichtschont, unbekümmert um Lob oder Tadel von unten wie oben.Immer wieder wird die Gesellschaft sinken und fallen, immer wie-der von gewissenlosen Führern mißleitet werden; möge jedemneuen Borjapapste und jedem neuen Borjageiste zum Segen derKirche und zum Heile der Menschheit ein neuer Savonarolaerstehen! Aber freilich wird auch jeder neue Savonarola immerwieder aufs neue gekreuzigt werden, denn Christentum und Kirchewollen — das lehrt die Geschichte des großen Frate auf jedemBlatte —■ nicht beim Wort genommen sein.