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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
eigen war. Savonarola unternahm zwar mit der Glut seiner pro-phetisch gestimmten Seele einen sehr ernsten Versuch, den Glaubenzu erneuern und in der Arnostadt einen Gottesstaat zu begründen,übersah aber, daß Kirche und Papsttum seiner Zeit, wie sie warenund freilich nicht hätten sein sollen, historisch gewordene Bildun-gen darstellten, die sich von einem italienischen Dominikanernicht auf demWege mahnender Predigt ändern ließen. In seltsamerPhantastik sind für den Frate die Grenzen zwischen Vergangenemund Gegenwärtigem, zwischen Jenseitigem und Irdischem ver-wischt; stets ist die nüchterne Frage beiseitegeschoben, ob die vor-handenen tatsächlichen und sittlichen Kräfte auch nur annäherndausreichten, um die ersehnten Ziele zu erreichen. So verständigsolche Ausstellungen klingen, so müßten sie doch jeder ernsthaf-ten, d. h. eben auf Umkehr der bestehenden Verhältnisse gerich-teten Seelsorge allen Wind aus den Segeln nehmen. Davidsohn ver-kennt die Eigenart des gottbegeisterten Predigers, der seine Arbeitgerade da am nötigsten weiß, wo sie am aussichtslosesten erscheint,und an die alles überwältigende Kraft des Guten glauben muß,wenn er sich nicht selbst aufheben will. Er verkennt ganz be-sonders die Eigenart des prophetischen Genius, der notwendigdarauf ausgeht, die Welt aus den Angeln zu heben, nicht auf seineeigene Schwäche, desto fester aber auf Gottes Allmacht vertrauend,die nichts Unmögliches kennt und im Schwachen am stärksten ist.Kühle Berechnungen über das Maß der Wahrscheinlichkeit undüber den Umfang des Erfolges mögen ja dem klugen Historikerwohl anstehen, der post festum seine weisen Betrachtungen an-stellt, würden aber dem religiösen Idealismus, dessen Wesen ge-rade darin liegt, das Göttliche mit dem Menschlichen, das Ewigemit dem Zeitlichen und das Vergangene mit dem Gegenwärtigenzu verbinden, seine himmelstürmenden Schwingen brechen. Ge-gen Hartwig aber spricht schon der Umstand, daß nicht erst dieVerehrung der Massen die Weissagung, sondern umgekehrt dieWeissagung ihre Verehrung erzeugte, und daß der Frate seineProphetie nicht als eine ihn berauschende Auszeichnung, sondernals eine harte Last und schwere Bürde und als ein verantwortungs-volles Amt empfand.
Auch in England zählte der Frate schon bei seinen Lebzeitenwarme Bewunderer. Wir erinnern uns, wie englische Kaufleute,die sich in Handelsgeschäften in Florenz aufhielten und seinen