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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR

und Hauptfesttagen sowie während der Advent- und Fastenzeit, ge-schlechtliche Enthaltsamkeit zu beobachten haben, ein Gedanke,dem bekanntlich das Ehehindernis der verbotenen Zeit entsprang;noch heutzutage wünscht die Kirche, daß sich die Gatten in denheiligen Zeiten nicht durch fleischliche Gelüste zerstreuen unddaher dem ehelichen Umgange entsagen 94 . Perrens behauptet un-begreiflicherweise, die Predigt vom roten Hute des Martyriumssei uns nicht überliefert 95 , die uns doch ihrem vollen Wortlautenach vorliegt 99 . Er läßt den Frate im Jahre 1496 in Pisa predi-gen 07 , zu einer Zeit, da diese Stadt längst von Florenz abgefallenwar und den Florentinern als ihren Todfeinden den Eintrittstrengstens verwehrte. Er tut sich etwas zugute darauf, in dieverworrene Chronologie einige Ordnung gebracht zu haben, undläßt doch an einem Tage (16. Oktober 1497) zwei Breven an denFrate gerichtet sein 98 , von welchen er sich bei näherer Prüfungunbedingt hätte sagen müssen, daß sie unmöglich zur gleichenZeit und obendrein noch im angenommenen Jahre abgegangensein können 99 . Nicht einmal das Alter, in dem der Dominikanerstarb, wird richtig angegeben; nach Perrens schied er mit 55 Jah-ren 8 Monaten aus dem Leben 100 , während er doch kaum 46 er-reichte. Man möchte meinen, ein Werk mit so handgreiflichenIrrtümern wäre mit Vorsicht aufgenommen worden. Statt dessenwurden sie von späteren Schriftstellern vielfach gläubig über-nommen, manche wuchsen sich nachgerade zu Savonarolafabelnaus; so die Angabe, der Frate habe sich vom Nachtwandler Ma-ruffi leiten lassen und Gesichte erborgt, das Ausspähen der Dienst-herrschaft durch Diener und Mägde zu einer Art Staatseinrichtungerhoben, Kindern, die noch nicht einmal den Vernunftgebraucherlangt hatten, eine tyrannische Gewalt eingeräumt und Florenzin ein Kloster verwandeln wollen. Bei der Auffassung der Bio-graphie verharrte Perrens auch in den Abschnitten, die er demFrate später in seiner „Geschichte von Florenz 101 " widmete, ja, erschlug hier einen noch bissigeren Ton an, bewegte sich nach wievor in den gewohnten Selbstwidersprüchen und übertrieb seinefrüheren Übertreibungen bis zur lächerlichen Behauptung, Sa-vonarola habe nur mehr Leute geduldet, die sich dem beschau-lichen, verzückten Leben hingaben, und die Verzückung zur wesent-lichen Bedingung des Lebens und Glückes gemacht 102 ! Habe erauch im guten Glauben gehandelt, so sei dies doch nur ein mil-