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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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PERRENS UND SEINE UNZUVERLÄSSIGKEIT

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zu glauben vermochte. Aber von diesen Widersprüchen ganz ab-gesehen, leistet sich Perrens Behauptungen, die nur aus Ober-flächlichkeit oder aus Unkenntnis und Mißverständnis der Quellenoder vorgefaßter Meinung erklärlich sind. „Man hat", soll Sa-vonarola ihm zufolge gesprochen haben 86 , „mehr als einmal inden Kirchen Frauenzimmer als Chorknaben verkleidet gesehen,die wie diese beim Meßamte dienten"; ein Blick auf den italieni-schen Wortlaut 87 lehrt, daß der Prediger etwas ganz anderes sagte.Nach Perrens setzen die Schriften des Frate sogar Weibergemein-schaft (promiscuite) in den florentinischen Familien voraus 88 , wo-von bei Savonarola natürlich keine Rede ist. Die Fürsorge, die derMönch als Prediger und Seelsorger auch dem seinen Mahnungenganz besonders zugänglichen frommen Geschlechte zuwandte,bauschte Perrens, der erste und einzige, der solcher Geschmack-losigkeit verfiel, zu zarten Neigungen auf. Er glaubte vermutenzu dürfen, der Ordensmann sei für den süßen Ton der Liebe nichtunempfindlich gewesen, jedenfalls sei gewiß, daß er gern und nichtimmer in den passendsten Ausdrücken mit den Frauen sprach 89 ,wofür zum Beweise auf Predigtstellen verwiesen wird 80 , in welchender Prediger nicht mit, sondern vor den Frauen geschlechtlicheDinge in einer Weise erörtert, die zur damaligen Zeit in südlichenLändern bei Predigern, selbst einen heiligen Bernhardin vonSiena nicht ausgenommen, alltäglich war. Sogar eine gewisseSchwäche für die Unzucht soll der Mönch zeigen, indem er erkläre,sie sei Gott weniger mißfällig als der Stolz, da die erstere denMenschen den Tieren, die letztere aber dem Teufel ähnlich ma-che". Daß man, ohne eine Schwäche für den Diebstahl zu ver-raten, ihn gleichwohl für weniger sündhaft als den Mord haltenkönne, übersieht Perrens vollständig, wie es ihn auch nicht imleisesten kümmert, daß der Frate seine Wertung der Fleisches-und Geistessünden lediglich dem heiligen Thomas entlehnt 92 . Per-rens entrüstet sich darüber, daß Savonarola „öffentlich die Zeitenfestzusetzen wagte, während welcher sich die Frauen von ihrenMännern enthalten sollen, zum Beispiel die Advents- und Fasten-zeit, und jedesmal, wenn sie zur Kirche gehen mußten 93 ". Er hattekeine Ahnung, daß der Prediger hier lediglich uralte kirchlicheBestimmungen wiederholte, wonach die Gatten in Zeiten, die ganzbesonders dem Gebete, der Betrachtung der heiligen Geheimnisseund der Abtötung geweiht sein sollen, wie an den Kommunion-