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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
ren das Ordenskleid erbeten und war 1841 nach S. Marco berufenworden. Hier oblag er mit besonderem Eifer und Erfolg kirchen-und kunstgeschichtlichen Studien, die ihn bald zum hochgeschätz-ten Mittelpunkte eines gleichgesinnten, aus Laien und Welt- wieOrdensgeistlichen zusammengesetzten Freundeskreises machten.Der langjährige Aufenthalt in dem durch die erhabenen Schöpfun-gen eines Fra Angelico und Bart, della Porta geweihten Klosterfeuerten ihn zu eingehenden Forschungen nicht nur über die Künst-ler seines Ordens 71 , sondern auch über die Geschichte S. Marcosselbst an 72 , wobei er natürlich die Glanzzeit des Hauses, die JahreSavonarolas, in den Vordergrund der Betrachtung rückte und dasLeben und Wirken des Frate bei aller Kürze mit einer Klarheitund chronologischen Genauigkeit schilderte, der die Anerkennungder späteren Forscher gesichert blieb. Kein geringes Verdienst er-warb er sich durch Drucklegung der Schrift „Cedrus Libani" desbegeisterten Piagnonen Benedikt Bettuccio von Florenz, die er miteiner gehaltvollen Einleitung über die tragischen Lebensschicksaledes merkwürdigen Mannes bereicherte 73 , und nicht weniger ver-dienstlich war die Herausgabe zahlreicher unveröffentlichterBriefe und Urkunden, die er ebenfalls durch dankenswerte An-merkungen beleuchtete 74 . Da nun Savonarola noch immer als dieVerkörperung gefährlicher freiheitlicher und aufrührerischer Be-strebungen galt, so zog sich der liebenswürdige und bescheidene,allem politischen Treiben abgewandte Ordensmann durch seineSavonarolastudien den Argwohn der toskanischen Regierung zu,die ihm die Aufforderung zugehen ließ, die großherzoglichenStaaten zu verlassen — eine Maßregel, die von den einen mitHohngelächter aufgenommen wurde, den anderen aber die Scham-röte ins Angesicht trieb und uns unglaublich vorkäme, erführenwir nicht zugleich, daß 1857 sogar das „Archivio storico Italiano"auf die Liste der kirchlich verbotenen Bücher gesetzt wurde, undzwar auch schon die hier künftig erscheinenden Abhandlungen 76 !Marchese verbrachte den Rest seines Lebens im Kloster St. Mariadi Castello seiner Vaterstadt, nach wie vor seinen geliebten Studienhingegeben, bis er erblindete; er starb 189l 7e . Aber nicht nurdurch seine ertragreichen Untersuchungen, sondern auch durch diemannigfachen Anregungen, die von ihm ausgingen, wirkte er aufdie Savonarolaforschung befruchtend und fördernd ein; nament-lich empfingen die beiden Männer von ihm Ansporn und Ermun-