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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR

vorgetreten waren, begannen auch italienische Forscher ihremgroßen Landsmann ihre Aufmerksamkeit wieder zuzuwenden.

Hatte schon 1824 Leopold Ranke in seiner glänzenden, überallden späteren Meister verratenden Erstlingsschrift „Geschichtender romanischen und germanischen Völker von 1494—1514" mitwenigen Strichen ein scharf umrissenes Bild des Frate gezeichnet,so lieferte 1835 A. G. Rudelbach als der erste in Deutschland seitCyriak Spangenberg eine vollständige Lebensbeschreibung 53 , vomBestreben geleitet, „den Mann so aufzufassen, wie er sich selbstgibt, und wie die Zeit, in welcher die Umgebungen, unter welchener wirkte, seine Entwicklung förderten oder hemmten". AlsHauptquellen zog er daher seine eigenen Erklärungen in seinenPredigten und Schriften sowie die Zeugnisse gleichzeitiger Bericht-erstatter an, eines Pico, Burlamacchi und Bottonio, den er bereitsals Überarbeiter Burlamacchis erkannte, sodann auch eines Nardi,Guicciardini und Commynes. Kam er so in der Darstellung seinesäußeren Lebenslaufes über Barsanti, den er übrigens nicht vorsich hatte, nirgends hinaus, so ließ er doch alle, die sich vor ihmmit dem Mönche beschäftigt hatten, in der scharfen Erfassungund der verständnisvollen Würdigung seiner religiösen Eigenartweit hinter sich zurück. Mit sicherem Blicke gewahrte er diegrundlegende Bedeutung der prophetischen Seite seines Wesens,die er mit besonderer Liebe und Sorgfalt untersuchte und als„eine auf dem Grunde der Heiligen Schrift beruhende und aus ihrgeschöpfte Betrachtung" bestimmte. Alle Mühe verwandte er aufden Nachweis, daß der „Grundausdruck" und die „Wurzellehre"der Reformation, nämlich die Sätze von der freien Gnade Gottes,von der Rechtfertigung durch den Glauben allein, vom Glaubenals Prinzip alles Guten und von der vollen Genügsamkeit des Ver-dienstes Christi auch schon die Kernpunkte seines dogmatischenGebäudes bildeten. Einige schwache Anklänge des römischen Sy-stems, meinte Rudelbach, kehrten freilich bei ihm wieder, wennauch sehr selten, so die Anschauung, daß sich der Mensch auf dieGnade einigermaßen vorbereiten und mit ihr, wenn auch nur ingeringem Maße, mitwirken könne. Aber schon in seiner außer-ordentlichen Hochschätzung der Heiligen Schrift wie namentlichin seiner Anerkennung der „perspicuitas scripturae sacrae" er-blickte er eine Annäherung an den protestantischen Standpunkt,ebenso in seinem vergeistigten Kirchenbegriffe und in der An-