BARSANTI UND BARTOLI
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Durch Rastrellis hämischen Angriff herausgefordert, traten dieSöhne S. Marcos schon im folgenden Jahre mit zwei stattlichenWerken auf den Plan, die beide dem Großherzoge Peter Leopoldvon Toskana gewidmet waren. Das eine hatte den P. VinzenzBarsanti zum Verfasser, der jedoch seinen Namen auf dem Titel-blatte nicht nannte"; er entschloß sich um so leichter, zur Vertei-digung des Frate zur Feder zu greifen, als er, mit der Zeit seinerWirksamkeit seiner eigenen Versicherung gemäß ohnehin seitlängerer Zeit vertraut und in einer der reichsten Büchereien vonFlorenz wie zu Hause, nicht nur in den eigenen Schriften desFrate, sondern auch in den über ihn erschienenen handschrift-lichen und gedruckten Werken gründlich bewandert war. AufBurlamacchi, Pico, die Chronik von S. Marco, Razzi, Nardi, Guic-ciardini 60 , namentlich auch auf Lorenz Violi gestützt, entwarf erein ebenso ausführliches wie gediegenes Lebensbild, dem dieleichtgeschürzte Muse Rastrellis nicht standzuhalten vermochte.Einen anderen Weg schlug Wilhelm Bartoli ein, Lesemeister inS. Marco. Er gab seiner „Geschichte des heiligen Antonin" eine„Apologie Savonarolas" bei 61 , worin er den äußeren Lebenslaufdes Propheten als den Lesern bekannt voraussetzte und sich daraufbeschränkte, die wichtigsten, auch von Rastrelli besonders beton-ten Klagepunkte näher zu untersuchen und als unbegründet zu-rückzuweisen. Es bezeichnete den Wandel der Zeiten, daß Bar-toli nicht mehr darauf ausging, wie ehedem Razzi der Heilig-sprechung des Frate vorzuarbeiten, ja, kein Bedenken trug, dieVerehrung zu ihm und den Gebrauch seiner Reliquien als frommeAuswüchse einer früheren Zeit preiszugeben. Sowenig wie Bar-santi ließ er sich auf die von Burlamacchi, Pico und Razzi so sorg-sam verzeichneten Wunder ein und panzerte sich, während nochBarsanti auf jeder Seite die Piagnonen zu Hilfe rief, mit dem „Na-tur- und Völkerrecht" Samuel Pufendorfs, mit dem „Geist derGesetze" Montesquieus und mit dem Kirchenrecht des JansenistenVan Espen. Diese dominikanischen Gegenschriften blieben nichtunbeachtet, namentlich diente Barsanti dem Genfer HistorikerSimonde de Sismondi als Führer, als er in seiner „Geschichte deritalienischen Freistaaten des Mittelalters 52 " das Wirken des Fratebehandelte. Immerhin war mit diesen Erzeugnissen das Bedürfnisder gelehrten Welt in Italien auf mehr als ein halbes Jahrhunderthinein befriedigt; erst als im Auslande neue Bearbeitungen her-