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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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TIZIO, MAFFEI, RAYNALD UND MANSI

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Heuchelei, Doppelzüngigkeit und Verschlagenheit die Unwahrheitverkünden und Blutvergießen verursachen müsse — Anzeichen,die sich nur auf den Ferraresen beziehen könnten. Tizio, der aus-drücklich beteuert, nicht im geringsten von der Kirche abweichenzu wollen, fügt bei, noch immer gebe es in Florenz unzähligeLeute, die ihn, von seiner Unschuld überzeugt, für einen Prophe-ten und Märtyrer hielten; er selbst habe seinen Prozeß gelesenund darin nichts Todeswürdiges gefunden, nur sein Ungehorsamverdiene ernsten Tadel. In den dunkelsten Farben zeichnetRaphael Maffei von Volterra, daher der Volterraner genannt, einunkritischer, ängstlicher, seinen kirchlichen Oberen gegenüberzur Schmeichelei geneigter Mann 8 (1452—1522), das Bild desPredigers. Ihm zufolge 7 erwarb sich dieser durch hervorragendeSchlauheit und mittelmäßige Gelehrsamkeit, durch Beredsamkeitund unermeßlichen Ehrgeiz nicht nur in religiösen, sondern auchin politischen Dingen höchstes Ansehen beim Volke, obschon ervom vernünftigen Teile der Bürgerschaft abgelehnt wurde. Durchseine Heuchelei verschaffte er sich den Ruf eines Propheten, wo-durch er sich zur Widerspenstigkeit gegen den Papst verleiten ließ.Er widerriet den Besuch der ewigen Stadt, und es hätte wenig ge-fehlt, so hätte er eine neue Ketzerei aufgebracht. Ob solch hartenUrteils zur Rede gestellt, entschuldigte sich Raphael mit der Er-klärung, seine Darstellung beruhe auf den Erkundigungen, die erin Rom angestellt habe 8 . Den Fußtapfen Raphaels folgte derOratorianer Oderich Raynald (1595—1671), unter den Fortsetzernder Annalen des Baronius der bedeutendste, wenn ihm auch vor-geworfen wurde, daß er nicht immer die nötige Kritik übe undErdichtetes für wahr annehme 9 . Er schilderte den Frate alseinen niedrigen Heuchler, Lügner und Betrüger 10 , wogegenDominikus Mansi in einer langen Anmerkung Verwahrung mitdem Bemerken einlegte, Savonarola, nach dem Zeugnisse einesheiligen Franz von Paula und eines heiligen Philipp Neri einheiliger Mann, habe jedenfalls seine guten Gründe gehabt, sichüber die päpstlichen Anordnungen hinwegzusetzen. Seine Weis-sagungen seien zum guten Teile bereits in Erfüllung gegangen,und selbst wenn er sich zuweilen getäuscht hätte — brachtendenn nicht auch die alttestamentlichen Propheten manches alswahre Weissagung vor, was ihre erregte Phantasie ihnen vor-spiegelte? Die schroffe Haltung Raynalds war aber um so auf-