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DIE LEBENSBESCHREIBUNGEN
fern weit hinaus, als er dem Nachweise jener Gleichförmigkeitnicht etwa nur wie Pico einen besonderen Abschnitt widmet, son-dern sein ganzes Werk zum „Liber conformitatum" macht undbesonders die in der Heiligen Schrift auf den Erlöser angewandtenStellen auf den Frate bezieht. Wie vom Knaben Jesus, so galtvom kleinen Hieronymus: „Er nahm zu wie an Alter, so an Gnadevor Gott und den Menschen" (Luk. 2, 52). Wie Jesus, so durfteder Frate von sich bekennen: „Lernet von mir, denn ich bin sanft-mütig und demütig von Herzen" (Matth. 11, 20). Wie Jesus aufdem Berge Tabor, so wurde der Frate in Brescia verklärt, von demeinen wie von dem anderen konnte man sagen: „Es erstrahlte seinAntlitz wie die Sonne und sein Gewand wie der Schnee" (Matth.17, 2). Wie Jesus stand der Frate unter der besonderen Obhutder Engel, von beiden hieß es: „Er hat seinen Engeln deinetwegenbefohlen" (Matth. 4, 6). Wie über Jesus, so stritt sich die Mengeüber den Frate, indem „die einen sagten: er ist gut, die anderenaber: nein, er verführt die Massen" (Joh. 7, 12). Wie Jesus, so„öffnete der Frate seinen Mund und lehrte die Menge" (Matth. 5,2). Wie Jesus, so „schritt er mitten durch sie hin" (Luk. 4, 30).Beide fielen erst dann ihren Feinden in die Hände, als ihre Zeitgekommen war, und so konnten sie beide zu ihnen sprechen:„Dies ist euere Stunde und die Gewalt der Finsternis" (Luk. 22,53). Wie Jesus, so konnte der Frate am Kreuze ausrufen: „MeinVolk, was tat ich dir oder wodurch betrübte ich dich? Antwortemir!" (Mich. 6, 3). Wie Jesus, so wurde der Frate am Galgenverhöhnt: „Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuze her-ab!" (Matth. 27, 40.) Wie nach dem Worte der Schrift: „Ich willden Hirten schlagen, so werden die Schafe auseinanderlaufen",„die Jünger alle den Herrn verließen und die Flucht ergriffen"(Matth. 26, 31, 56), so fielen auch vom Frate fast alle seine Jüngerab. Bei Jesus wie beim Frate wurde jedoch das Ärgernis desKreuzes durch die Herrlichkeit der Erscheinungen und Wunderüberwunden. Wie die Jünger Jesu, so faßten daher auch dieJünger des Frate bald wieder Mut, „unerschrocken gingen sie vomAngesichte des hohen Rates hinweg, froh, daß sie gewürdigt wur-den, um des Namens Jesu willen Schmach zu erleiden" (Apg. 5, 41).Betrachtungen solcher Art lehren uns die außerordentlicheBedeutung verstehen, welche die Piagnonen den Gesichten undWundern beilegten, die sich auf die Fürbitte des Frate ereigneten.