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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE LEBENSBESCHREIBUNGEN

wesen war, suchte er sich die hebräische Sprache anzueignen,ward dann aber durch die kriegerischen Stürme, die ihn vieleJahre lang aufs heftigste beunruhigten, von seinen Studien ab-gedrängt und gezwungen, die Feder mit dem Schwerte zu ver-tauschen. Kaum sah er wieder bessere Zeiten, als er seinen he-bräischen Unterricht wieder aufnahm, den er sich nunmehr vondem Lucchesen Sancte Pagnini, Mönch von S. Marco, dem ver-dienstvollen Übersetzer der Bibel, erteilen ließ 67 . Zwar versenkteer sich nicht mit der Leidenschaft seines Onkels in diekabbalistische Mystik, doch war all seine Wissenschaft von innig-stem, religiös-christlichem Geiste durchtränkt, der von areopagiti-schem Neuplatonismus reichlich befruchtet war. In der Bibel, inden Büchern der Väter wie im kanonischen Bechte gründlicherals die meisten Berufstheologen beschlagen, bewegte er sich zeit-lebens in den strengen Grenzen der kirchlichen Bechtgläubigkeit,was ihn nicht hinderte, wie in seinen Schriften überhaupt, so besonders in seiner Rede über die Kirchenreform, die er dem PapsteLeo X. überreichte 68 , die herrschenden Mißstände aufs rücksichts-loseste zu geißeln. Dadurch geschah jedoch seinen vorzüglichenBeziehungen zu den höchsten Kirchenfürsten nicht der geringsteEintrag. Julius IL hielt hohe Stücke auf ihn, Leo X. war ihmschon um der zärtlichen Freundschaft willen, welche einst seinenVater mit Johann Pico verbunden hatte, so sehr gewogen, daßer nicht nur die Widmung seiner Werke „Von der göttlichenLiebe" (1516) und „Beweis der Nichtigkeit der heidnischen Weis-heit" (1520) huldvoll entgegennahm und brieflichen Verkehr mitihm pflog 69 , sondern ihm auch in seinen schweren häuslichen Be-drängnissen hilfreich beisprang. In seiner Burg zu Mirandolagingen Weltgeistliche aller Rangstufen und Klosterleute aller Or-den und Richtungen aus und ein. Zu Maximilian I. hatte er schonvon seinem Vater Galeotto I. her, der in Diensten des HerzogsLudwig des Mohren von Mailand stand und 1496 beständig in dernächsten Umgebung des Kaisers weilte 70 , die besten Beziehungen.Wiederholt schrieb er an ihn, das einemal lebhaft bedauernd, denkaiserlichen Wunsch nach einer lateinischen Übersetzung derKabbala nicht erfüllen zu können, da sein Onkel Anton Pico alsErbe des beweglichen Nachlasses und infolgedessen der Schriftenund Bücher Johanns diese an den Kardinal Grimani verkaufthatte; ein andermal mit der Bitte, die Widmung seines Werkes